Die Chef-Beraterin: Vorsicht Gabentisch!

Die Chef-Beraterin: Vorsicht Gabentisch!

, aktualisiert 02. November 2016, 18:45 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Weihnachtsgeschenke für Kollegen und Vorgesetzte bergen gewisse Risiken. Verzichten Sie etwa auf Boxer-Shorts mit Glow-in-the-dark-Nikoläusen! Ich verrate Ihnen, mit welchen Präsenten Sie wenigstens nichts falsch machen.

Das kennen wir doch alle…: Sie haben mit der Familie mal wieder ausgemacht, dass Sie sich dieses Jahr aber ganz bestimmt nichts schenken, ganz sicher, nur die Kinder, untereinander gar nichts, Ehrenwort. Und dann kramt Tante Käthe doch wieder in ihrer Tasche, na ja, ist aber doch wirklich nur eine Kleinigkeit. Und doch sieht man ihr die Enttäuschung an, dass sie so gar nichts bekommen hat.

Was im trauten Familienkreis für schlechte Stimmung bei Tante Käthe sorgt, kann im Business schnell zum echten Politikum werden. Macht der Chef zu Weihnachten Geschenke, gilt: Alle oder keiner; bis dahin ist die Sache einfach. Aber sonst?

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Wem schenkt man überhaupt etwas, und wenn man etwas schenkt, dann was? Und wenn Sie Kollegen Meier ein Präsent überreichen, muss dann Kollegin Müller auch eines bekommen? Wie viel geben Sie für ein Geschenk aus, und soll man dem Geschenk den Preis ansehen? Von wem ist mit einer „Überraschung“ zu rechnen, und wird der Schenkende ebenfalls ein Geschenk erwarten? Keine Sorge: Es gibt zwar unzählige Fettnäpfchen, aber es gibt auch auf all diese Fragen Antworten. Die Chef-Beraterin weiß Bescheid. Kommen wir also zum Teil 2 der Weihnachtsvorbereitung. Ich hoffe Teil 1 (von letzter Woche) liegt ausgedruckt zuhause…

Zunächst einmal: Der richtige Zeitpunkt kann Ihnen einen wertvollen Vorteil verschaffen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob allgemeines Beschenken angesagt ist oder nicht, legen Sie einfach schon in der Vorweihnachtszeit los (und das langt dann auch). Es muss nicht unbedingt Selbstgebackenes sein. Achten Sie nur darauf, dass Sie sich nicht zum Kauf von Boxer-Shorts mit Glow-in-the-dark-Nikoläusen hinreißen lassen. Ich empfehle einen schönen Adventskalender – hier nicht kleckern, sondern klotzen.
Kaufen Sie Ihren Mitarbeitern keine Tasse! Bitte keine Tasse! Tassen sind extrem sensibel. Die wollen nicht zu jedem.
Bei der Auswahl des passenden Geschenks lassen Sie bitte besser etwas Understatement walten. Fällt das Geschenk zu groß aus, wird man Ihnen Hintergedanken unterstellen. Im besten Fall, dass Sie auf ein entsprechendes Gegengeschenk hoffen (in Form von Mehrarbeit)! Im schlimmsten Fall ist die Skala nach unten offen.


Kinokarten und Gutscheine gehen immer

Im Übrigen mag es auf den ersten Blick sehr, sehr langweilig erscheinen, immer wieder auf die Klassiker unter den weihnachtlichen Präsenten zurückzugreifen (Wein, Delikatessen etc.); tatsächlich können bemüht persönliche/witzige/kreative Geschenke aber auch… tja. In die Hose gehen, möchte ich fast sagen. So hat beispielsweise der CEO eines führenden Automobilverbandes vor nicht so langer Zeit der ganzen Belegschaft die zweifelhafte Freude eines Weckers mit Unternehmenslogo bereitet. Nun kann man sich – Schichtarbeit sei Dank – vorstellen, wie das bei den Mitarbeitern von der Service-Hotline angekommen ist. Er hätte mal lieber Gutscheine, Kinokarten oder so was verschenken sollen. Liebe Chefs, Kinokarten oder ein kleiner Gutschein kommen immer an!

Sind die zu Beschenkenden ausgewählt und die Geschenke besorgt, gilt es, den passenden Rahmen für die Übergabe zu finden. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie sitzen beispielsweise in der Kantine und plötzlich zerrt der Kollege ein kunstvoll mit Schleife verziertes Päckchen hervor. Was tun? Messer und Gabel fallen lassen, Tablett beiseiteschieben, auspacken? Oder erst mal wegpacken, nett bedanken und bloß nicht vergessen, den Inhalt bei Gelegenheit wohlwollend zu kommentieren?

Keinesfalls wollen Sie den armen Kollegen so in Verlegenheit bringen. Andererseits kann auch nicht jeder jedem beim allgemeinen Händeschütteln vor den Feiertagen noch schnell ein Präsent in die Hand drücken. Man stelle sich das Chaos vor. Und was, wenn einer noch was erledigen muss (vor Weihnachten eher die Regel als die Ausnahme) und dann die Arme voller Geschenke hat? Und was war noch einmal von wem? So geht es nicht, da ist eben Fingerspitzengefühl gefragt. Ich sage nur zwei Worte: Herz und Verstand!

Die Geschenke-Taktik Spezial: Was kriegt der Chef? So verlockend es auch sein mag, hier ein paar Pluspunkte zu sammeln – ein besonders exklusives Geschenk für Ihren Vorgesetzten wird im Zweifelsfall weniger Ihrer Wertschätzung Ausdruck verleihen, als Sie als Schleimer abstempeln. Tut mir leid. Aber daran hat sich seit der Schulzeit nichts geändert. Das geht gar nicht!


P.S.
Denn das schönste Geschenk wird nicht anhand des Preises oder der Exklusivität gemessen, sondern anhand der Geste, dass man sich Gedanken gemacht hat. Also für Ihren Chef sind sie mit leckeren Plätzchen auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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