Die Chef-Beraterin: Was für Techtelmechtel am Arbeitsplatz spricht

Die Chef-Beraterin: Was für Techtelmechtel am Arbeitsplatz spricht

, aktualisiert 04. Januar 2017, 09:51 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Beziehungen am Arbeitsplatz sind verpönt – zu Unrecht. Wer sich im Büro verliebt, hat richtig Glück gehabt. Denn solche Techtelmechtel haben enorme Vorteile: Die geteilten Fahrtkosten sind dabei erst der Anfang.

Letzens habe ich gelesen: „Eine Liebe am Arbeitsplatz hat nur Vorteile. Du sparst dir die Hälfte der Fahrtkosten und kannst viel Zeit mit deinem Partner verbringen.“ Was eine These! Da hat es doch endlich mal einer auf den Punkt gebracht.

Bisher schien mir die einhellige Meinung eher zu sein: Bloß nicht! Beziehung, Techtelmechtel, Liebe – das hat alles nix am Arbeitsplatz zu suchen. Privat und Job durcheinanderbringen macht nur Ärger. Schnaps ist Schnaps und so weiter. Aber: Man kann die Sache tatsächlich auch mal von der lockeren Seite angehen. Die Realität hat die Moral doch ohnehin schon vor langer Zeit eingeholt.

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Eigentlich möchte ich sagen: Wer sich am Arbeitsplatz verliebt, hat doch richtig Glück gehabt. Was sollen das denn für Nachteile sein? Ich kann ja eigentlich überhaupt keine erkennen. Nix. Nada. Nur Vorteile hat die ganze Chose. Ja, allein die Fahrtkosten. Wenn man das mal hochrechnet. Wirtschaftlich. Das nimmt ja geradezu astronomische Ausmaße an. Abgesehen davon. schauen Sie doch mal, für jede Beziehung sind doch angeblich diese Dinge wichtig:

1. Balance aus Nähe und Entfernung

Ja also, wenn nicht hier am Arbeitsplatz, wo bitteschön dann? Wo kann man so schnell Nähe und Entfernung herstellen? Mal kurz im Büro vorbeigeschaut, ein kurzer Stopp am Schreibtisch, ein dezenter Luftkuss, ein Lächeln und dann Zack wieder weg (Entfernung). Mal ein Treffen in der Kantine, ein Zuzwinkern auf dem Gang, dann mal wieder zwei bis drei Stunden konzentriertes Arbeiten. Ja. Was will man mehr?

2. Das wahre Gesicht

Wo, frage ich Sie, kann man Partner oder Partnerin besser kennenlernen als im Büro? Wie benimmt er sich im Gespräch mit den Kollegen? Ist er beliebt? Guckt er permanent Frau Müller aufs Dekolleté? Geizt er mit seinen Büroklammern? Teilt er seine Kekse? Sowas kann man ja zuhause gar nicht erfahren. Dann die Frage aller Fragen: Wie geht er mit dem Team um? Man könnte fast waghalsig sagen: Kannst Du mit dem Team, kannst Du mit Kindern. Ok. Das ist vielleicht zu weit hergeholt.

3. Kommunikation

Wie viel Zeit haben denn Paare, die nicht miteinander arbeiten, um miteinander zu reden? Ein oder zwei Stunden beim Essen, bevor „Wer wird Millionär“ anfängt? Ein Bürotechtelmechtel bietet sich doch geradezu an, Tag und Nacht miteinander zu sprechen. Wo man doch sonst üblicherweise alles auf ein paar Stunden am Tag legt, haben Sie jetzt die Möglichkeit, sieben Tage in der Woche 24 Stunden am Tag miteinander zu reden. Selbst wenn Sie zwischendurch arbeiten sollten, selbst dann ist mehr Zeit als üblich drin. Was eine Aussicht! Der Traum eines jeden Mannes.


Rosa Liebesschloss an der Bürotür

4. Freiraum

Es ist doch so: Wenn ich den ganzen Tag fern vom geliebten Partner im Büro sitze, da möchte ich ihn oder sie (also wenn es gut läuft) dann doch abends gern mal sehen. Dann noch die Nummer mit „Freiraum schaffen“ zu absolvieren, ist wirklich nicht ganz leicht.

Wer sich aber im Büro täglich sieht und gemeinsame Wege zur Arbeit hat, den ganzen Business-Alltag teilt – der kann sich dann eben Freiraum für die schönen, (also die richtig schönen, hahaha) Dinge nehmen: Night-out mit der Freundin, Kino mit dem Kumpel, Stündchen auf dem Laufband. Alles kein Problem mehr!

5. Highlights

Es heißt doch immer: Schenken Sie Ihrer Beziehung Highlights. Diese sollen ja das A und O einer Beziehung sein. Highlights sollten aber bitteschön nicht nur die gemeinsamen Urlaube oder Ausflüge sein. Nein. Das geht gar nicht!

Nutzen Sie endlich, dass Sie ihren Kollegen angemacht haben. Feiern Sie besondere Tage und Momente, gelebte Rituale, die Ihre Partnerschaft ausmachen. Schenken Sie zum Beispiel Ihrem Liebsten ein Foto des Kopierers, an dem sie sich zum ersten Mal tief in die Augen geguckt haben (am besten natürlich, wenn Sie mit drauf sind). Oder hängen Sie ein rosafarbenes Liebesschloss an die Tür, hinter der Sie sich zum ersten Mal heimlich geküsst haben. Wird ja wohl niemanden stören.

Statt immer auf der Couch zu gammeln: Machen Sie ein romantisches Picknick vor Ihrem Bürogebäude, lassen Sie es knallen, geben Sie Gas! Arbeiten Sie aktiv daran, neue Highlight-Momente in Ihrer Beziehung zu schaffen. So ein Büro bietet da ja einiges.

Nehmen Sie ruhig auch Ihre Kollegen mit ins Boot. Wer hat das Verhältnis zuerst bemerkt? Wer hat es beim Chef so nett gepetzt? Feiern Sie sich und all die Personen, die involviert waren. Sie werden merken, dass die Intensität Ihrer Beziehung nach solchen, sagen wir außergewöhnlichen Momenten, steigt. Nutzen Sie dazu die Kantine oder den großen Konferenzraum. Welcher Chef könnte da etwas dagegen haben? Er müsste ja ein Herz aus Stein besitzen!.

Also, jetzt frage ich Sie nochmal: Was gibt es gegen ein Techtelmechtel am Arbeitsplatz zu sagen? Nix, oder?

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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