Die Chef-Beraterin: Weniger ist mehr

Die Chef-Beraterin: Weniger ist mehr

, aktualisiert 06. Januar 2016, 16:32 Uhr
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Quelle:Handelsblatt Online

Vergessen Sie Ihre guten Vorsätze! Mehr Sport, mehr Zeit für sich, mehr aufs Geld achten – das werden Sie sowieso wieder nicht einhalten. Versuche Sie dieses Jahr mal etwas anderes. Nehmen Sie sich weniger vor!

Nachdem ich Silvester blau gemacht habe, lasse ich es mir nicht nehmen zum Neuen Jahr über die guten Vorsätze zu schreiben, die man gemeinhin am Jahresanfang hat.

Jeder nimmt sich was vor. Jeder. Und dabei geht es immer um dasselbe, ein „Running Gag“: Alles soll bitte schön ‚mehr‘ werden in diesem Jahr. Also: im nächsten meine ich natürlich. Denn kaum hat das Jahr der Vorsätze angefangen, ist es ja schon ein alter Hut. Das alte Jahr nämlich. Alle Vorsätze vergessen. Wir lieben dieses „Mehr“. Ich könnte mir vorstellen, dass das hier so die Top 5 sind:

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1. Mehr aufs Geld achten.
2. Mehr Sport treiben.
3. Mehr Zeit für sich selbst nehmen.
4. Mehr auf die Ernährung achten.
5. Mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen.

Mehr, mehr, mehr.

Und was passiert? Der Januar zieht ins Land und nichts wird mehr. Allenfalls die Ausgaben – denn natürlich kaufen wir weiterhin Dinge, die wir nicht brauchen (und geben somit mehr Geld aus). Das ist mehr vom Falschen!

Sport treiben wir eventuell demnächst, wenn wir mehr Zeit haben und von der Esserei will ich gar nicht sprechen. Auf der Mailbox tummeln sich die Anrufe der Freunde, mit denen wir schon wieder keine Zeit verbracht haben und die Tante muss wohl auch dieses Jahr weitestgehend ohne uns auskommen – wobei allerdings auch für uns selbst keine Zeit übrig bleibt. Das geht gar nicht!

Es kann schon etwas daran sein, dass zwischen Vorsatz und Umsetzung maximal 72 Stunden liegen dürfen, sonst kann der Vorsatz in die Tonne.


Wir machen einfach weniger!

Ganz altkluge Mitmenschen sagen, dass man nicht mehr von ‚Vorsatz fassen‘ sprechen soll, sondern von ‚Ziel setzen‘ Heißt: Was genau wollen Sie bis wann erreichen? Übersetzt: Wann genau, welcher Monat, welcher Tag, welche Stunde wollen Sie die Tante besuchen? Die neuen Ziele sind nicht weniger utopisch als die alten Vorsätze, klingen aber besser.

Also, was machen wir (dass wir irgendwas machen ist doch klar)? Wir machen einfach weniger! Und damit fangen wir am besten im Büro an. Im Ernst: Was halten Sie davon, sich im Büro einfach mal weniger vorzunehmen? Da gäbe es nämlich einiges, worauf Sie mal verzichten könnten, auch hier die Top 5:

1. Weniger die Groß- und Kleinschreibung in E-Mails ignorieren.
2. Weniger Lamentieren über den Job und/oder den Chef.
3. Weniger Gerüchte weitertratschen.
4. Weniger Unpünktlichkeit an den Tag legen.
5. Weniger überquellende Papierkörbe ignorieren (es ist noch keiner beim Ausleeren umgekommen).

Weniger. Machen Sie doch einfach mal weniger – und das, was Sie machen, machen Sie dann richtig. So wird ein Schuh draus.

Ihnen ein fantastisches Jahr, in dem alle Vorsätze auch durchgezogen… ich meine natürlich: alle Ziele erreicht werden!

Ein Jahr mit weniger vom Falschen.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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