Die Gewinner: Jalousien mit Botschaft oder rettende Kabel

Die Gewinner: Jalousien mit Botschaft oder rettende Kabel

, aktualisiert 22. Oktober 2012, 14:41 Uhr
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Mediabiose-Gründerin Mariana Yordanova.

von Lin Freitag und Sebastian KirschQuelle:Handelsblatt Online

"Weconomy", den Preis für junge Gründer, haben das Unternehmensnetzwerk Wissensfabrik und das Handelsblatt in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben. Eine Jury aus Experten aus der Gründerszene hat die Geschäftsideen begutachtet.

DüsseldorfDiese Finalisten haben die Jury überzeugt und trafen Mitte Oktober Vorstandschefs und Geschäftsführer namhafter deutscher Unternehmen.

LED-Leinwände an Bürofassaden faszinierten Mariana Yordanova als Austauschstudentin in Japan. Jetzt möchte die Architektin mit ihrer Firma Mediabiose selbst die Fassaden an deutschen Büros und Bürogebäuden gestalten.

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Da den Deutschen aber das Tageslicht am Arbeitsplatz heilig ist, musste sie das Konzept der LED-Leinwände anpassen. Ihre "Mediajalousie" soll im Betrieb noch 95 Prozent des Sonnenlichts durchscheinen lassen. Und die ist zum Patent angemeldet.

Direkt auf den Lamellen der Jalousie sitzen Leuchten und die Steuerungseinheit. Über ein von ihrem Team entwickeltes Softwareprogramm gibt der Kunde am Computer nur noch seine Botschaft ein, dann wirbt, informiert oder unterhält seine Fassade die Passanten. Wie an den Ticker-Leinwänden am New Yorker Times Square können auf der Jalousie Texte angezeigt werden, bei größeren Flächen sogar Bilder und Videos. Zwei Prototypen gibt es, nun sucht Yordanova nach Partnern für die Finanzierung eines Serienprodukts.

Saxray

Die Firma Saxray aus Dresden hat eine neuartige Röntgenoptik entwickelt, die bei der Analyse von Werkstoffen schnelle und zuverlässige Ergebnisse liefert. Mit Röntgenstrahlen misst man zum Beispiel, wie hart oder weich ein Metall ist oder wie alt ein Gemälde, die Strahlen analysieren dabei die Zusammensetzung der Farben.

Doch um exakt zu messen, muss alles präzise eingestellt sein. Nur wussten bisher die Experten bei der Messung nicht immer genau, ob all Einstellungen stimmen. Die Gründer Tillmann Liesegang, Robert Schmid und Marco Hermann wollen das mit ihrem Gerät ändern.

Das Team, eine Ausgründung aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden, der TU Dresden und der TU Bergakademie Freiberg, entwickelt, baut und vertreibt Komponenten für die Röntgenanalysegeräte. Mit der sogenannten Adaptiven Röntgenoptik (ARO) haben sie ein System entwickelt, das erstmals die Güte der Messergebnisse anzeigt.

Ihre Erfindung ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel, in der viele extrem dünne Schichten übereinanderliegen.

Durch diese Schichten werden die Röntgenstrahlen in die richtige Richtung gelenkt und das Analysematerial wird ständig überwacht. Ein elektronisches Signal zeigt an, ob die Messung erfolgen kann. Grünes Licht heißt ja, rotes Licht heißt nein.

Tutao

Elektronische Post sicher zu versenden haben sich Thomas Gutsche und Arne Möhle zum Ziel gemacht. Denn Unternehmen und Organisationen verlangen seit Jahren sichere, flexiblere und mobilere Lösungen.

Das Web-Mail-System von Tutao verschlüsselt die Daten der elektronischen Post automatisch. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nennt sich diese Technik.

Hinzu kommen Web-Mail-Funktionen wie Suche, Sortierung, das Verwalten von Kontakten, Terminen im Kalender und Aufgaben, die intuitiv bedienbar sein sollen. Sie sind so gespeichert, dass sie per Internetbrowser oder Smartphone von überall erreichbar sind.

Evation

Johannes Biechele und Marcus Schlüter haben mit dem Start-up Evation ein Mountainbike gebaut, das auf den ersten Blick nicht als Elektrofahrrad zu erkennen ist. Erst wer genau hinsieht, erkennt den Antrieb - eingeklinkt im Unterrohr des Mountainbikes. Braucht der Radler die elektrische Hilfe nicht, kann er das 3,7 Kilogramm schwere Paket mit einem Handgriff herausnehmen und durch eine Zierblende ersetzen. Stabil bleibt das Rad trotzdem.

Bisher werden große Akkupakete an den Rahmen gekoppelt und auch der Antrieb extern erweitert. Solche Systeme kommen von Konzernen wie Bosch oder Panasonic. Doch die Konkurrenz scheut Evation nicht, denn eigentlich sei sie gar keine. "Bosch und Evation bedienen ein anderes Klientel", sagt Marcus Schlüter, Verkaufschef des Münchener Start-ups.

Bei 250 Watt Leistung läuft der Evation-Akku maximal 45 Minuten. Für die Zielgruppe, den sportlichen Mountainbiker, reicht das. Rund 5.000 Euro soll ein Bike mit Evation-Antrieb kosten.


Somonic Solutions

Galvanotechnik - das hört sich futuristisch an, ist es aber nicht. Das Verfahren gibt es schon seit Ende des 18. Jahrhunderts. Es umschreibt die elektrochemische Abscheidung von metallischen Überzügen auf einen anderen Gegenstand. Man kann sich das vorstellen wie ein Wasserglas mit einer speziellen Flüssigkeit darin, in das man Teilchen gibt. Dann kommt ein Werkstück dazu und dank Strom lagern sich die kleinen Teilchen auf dem Werkstück ab - und zwar so, dass eine glatte Oberfläche entsteht. Der Mercedes-Stern etwa bekommt damit seinen Glanz.

Ob die Oberfläche am Ende gleichmäßig ist oder nicht, lag bislang an den Fähigkeiten des Galvanotechnikers. Er musste abschätzen, welche Stromstärke er braucht und wie lange der Prozess dauert. War das Ergebnis schlecht, musste alles wiederholt werden. Somonic hat einen Stabsensor entwickelt, der aussieht wie eine große Spritze und in die Lösung gehalten wird. Der misst und überträgt die Daten, die ein Techniker auf einem Monitor sieht und so den Prozess überwachen kann wie ein Arzt bei einem Herzpatienten die Herztöne. Anfang April 2013 soll der Prototyp präsentiert werden.

Die Idee zum Stabsensor entstand innerhalb einer Forschungsgruppe der Technischen Universität Dresden und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Daraus entstand das Unternehmen Somonic Solutions.

Gestigon

Eine Geste, und der Computer reagiert. Das klingt schon sehr nach Hollywood. Ist es aber nicht. Die dafür notwendige Technologie gibt es in der realen Welt schon. Sie heißt berührungslose Bildnavigation und ist auf dem Weg zur Marktreife.

Die Gründer Sascha Klement und Moritz von Grotthuss haben mit Gestigon, einer Ausgründung der Uni Lübeck, die Software entwickelt, die Hand- und Körpergesten erkennt und in Computerbefehle übersetzt.

Das Grundprinzip: Eine 3-D-Kamera erfasst die Bewegung, etwa ein Schritt nach vorne. Die Software ordnet diesem einen bestimmten Befehl zu. Bildschirme im Operationssaal, Infotafeln auf Bahnhöfen oder auch Fernseher lassen sich berührungslos nur mit einer Handbewegung steuern.

LamaPoll

Ob Mitarbeiterbefragung, Qualitätssicherung oder Marktanalyse - wer Online-Umfragen durchführen möchte und nicht gerade Programmierer ist oder ein IT-Unternehmen zur Hand hat, braucht jemanden, der das technisch umsetzt.

LamaPoll hat dafür ein Online-Tool entwickelt, das Fragebögen erstellt, die Befragungen durchführt und die Umfrageergebnisse auch auswertet. Die Bedienung ist einfach und intuitiv.

Die Befragungssoftware lässt sich inhaltlich und gestalterisch auch an spezielle Anforderungen wie etwa das Erscheinungsbild des Unternehmens anpassen.

Virtenio

Virtenio, eine Ausgründung aus der TU Berlin, entwickelt, produziert und vertreibt sogenannte Sensorknoten. Das sind drahtlose und autarke Minicomputer, die locker in eine Hand passen und die ständig Informationen sammeln, untereinander austauschen und kabellos senden.

Im Haushalt könnten sie etwa Heizungen regulieren. Und Logistiker können so beispielsweise den Reifegrad von Bananen beim Transport über die Klimatisierung steuern, wenn die Funkmodule mit den Bananen im Container auf Reisen gehen.

Symonics

Symonics hat sich eine deutlich bessere Tonqualität beim Telefonieren zum Ziel gesetzt. Das Spin-off der Universität Tübingen entwickelt und vermarktet eine Software, die Telefonieren in bis heute nicht erreichter Qualität möglich macht.

Telefonate und Telefonkonferenzen gibt es so in CD-Qualität und mit Raumklang. Das Raumklang-Verfahren vermittelt einen dreidimensionalen Höreindruck, realistisch und weniger ermüdend. Selbst wenn etwa Leute durcheinandersprechen, verstehen die Teilnehmer immer noch, was gesagt wird.


Teichert Systemtechnik

Jens Teichert und seine Frau haben in ihrem gleichnamigen Unternehmen Sensoren entwickelt, die aussehen wie ein Kabel oder aber dünn wie ein Blatt Papier.

Mit denen lassen sich Positionen und Formen von Objekten erfassen und überwachen. Das kann der Feuerwehrmann im verqualmten Raum sein, der den Kabelsensor in seiner Schutzkleidung trägt.

Oder eine Maschine in einem Raum, den kein Mensch betreten darf. Einmal erfasst, werden die Daten auf einem Bildschirm dreidimensional dargestellt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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