Dienstwagenmanagement: E-Autos drängen in die Flotte

Dienstwagenmanagement: E-Autos drängen in die Flotte

, aktualisiert 11. Mai 2016, 16:29 Uhr
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Kommunen fahren bei der Elektromobilität vornweg.

Quelle: Wirtschaftsförderung Frankfurt

von Andreas SchulteQuelle:Handelsblatt Online

Firmenwagen mit Elektroantrieb lohnen bisher fast nur in Pilotprojekten. Besonders Kommunen setzen bislang auf die neue Technologie. Doch jetzt denken viele Flottenmanager um – und hoffen auf Kaufprämien.

KölnFür seine Firmenflotte hat Ove Petersen eine Vision: Irgendwann sollen ausschließlich Elektroautos im Dienste von GP Joule unterwegs sein. Anfang des Jahres ist der Geschäftsführer dem ehrgeizigen Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Auf einen Schlag hat Petersen 15 BMW i3 geleast. Jetzt fährt schon ein Drittel der 60 Firmenwagen mit Strom. GP Joule verdient sein Geld mit erneuerbaren Energien – als Projektierer von Kraftwerken. Petersen geht es nicht allein um Imagepflege – sondern auch um finanzielle Aspekte: „Kalkuliert man mit einem Dieselpreis von einem Euro pro Liter, fahren unsere Stromer für rund die Hälfte der Energiekosten.“

Und die monatlichen Leasingraten von knapp 300 Euro seien dank staatlicher Zuschüsse im Rahmen eines Forschungsprojekts vergleichbar mit denen konventioneller Fahrzeuge. „Langfristig holen wir auch die Kosten für unsere 18 Ladepunkte wieder rein“, sagt Petersen. Pro Stück haben sie zwischen 3500 und 4000 Euro gekostet.

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So günstig wie bei GP Joule fällt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung selten aus, wenn es um E-Autos geht. Jedenfalls heute. Doch das Interesse von Flottenmanagern wächst: Gewerbliche Kunden sind der Treiber dafür, dass die Zahl der Zulassungen von Elektroautos im vergangenen Jahr um immerhin 4000 Stück zugelegt hat. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden 2015 insgesamt knapp 12.400 reine Elektroautos zugelassen. Hinzu kamen 11.000 Plug-in-Hybride, also Autos mit Benzin- und Elektromotor. Allerdings: Gemessen an den Gesamtzulassungen von 3,2 Millionen Fahrzeugen ist der Marktanteil der Stromer weiterhin gering. Sprunghaft ansteigen könnten die Zahlen durch die jüngst beschlossene Kaufprämie für E-Autos.

„Davon erhoffen wir uns einen deutlichen Schub“, sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands E-Mobilität. Für reine Elektroautos sind 4000 Euro vorgesehen und für Plug-in- Hybride 3000 Euro. Die Aussicht auf ein baldiges Wachstum hat auch Leasingunternehmen auf den Plan gerufen. „Lange gab es gar keine Angebote, aber jetzt schnüren Leasingfirmen zunehmend Pakete speziell für gewerbliche E-Autos“, sagt Sigl.

Zu den Vorreitern gehört die BMW-Tochter Alphabet, die bereits mehr als 2000 Elektroautos in Firmenflotten integriert hat – gut die Hälfte davon mit staatlicher Förderung, etwa im Rahmen regionaler Pilotprojekte. Nach Einschätzung von Tim Beltermann, Leiter Vertrieb und Marketing bei Alphabet Deutschland, wird der Markt aber auch ohne Förderung wachsen. „Die Nachfrage nach E-Autos für die gewerbliche Nutzung zieht an“, bemerkt ebenfalls Gunter Glück, Geschäftsleitung Vertrieb und Kundenbetreuung bei Leaseplan Deutschland. Der Anbieter rüstet sich auch abseits des Pkw-Markts für den Batterieantrieb-Trend: Seit Februar können Kunden Elektroroller leasen. Bis zu 500 Stück wolle man in diesem Jahr an den Mann bringen, sagt Glück.


Eine Frage der Einstellung

Unter den Pionieren in Sachen E-Mobilität finden sich derzeit noch auffallend viele Kommunen. Ein Grund: Die Flottenfahrzeuge werden typischerweise für innerstädtische Strecken genutzt – die noch immer eingeschränkte Reichweite vieler Stromer ist dann unproblematisch. Zudem verfügen viele Städte bereits über Ladestrukturen, so dass diese Investition für sie entfällt. „Mit solchen Voraussetzungen können E-Autos wirtschaftlicher betrieben werden als Benziner und Diesel“, sagt Glück. Auf Einsparungen hofft langfristig auch die Stadt Frankfurt, die im Februar 35 E-Autos angeschafft hat. Das Ordnungsamt wird sie bei der Lebensmittelkontrolle einsetzen, die Stadtpolizei bei Verkehrskontrollen und das Umweltamt für die Abfall- und Abwasserüberwachung. Gegenüber vergleichbaren Benzinern oder Dieselfahrzeugen betrugen die Mehrkosten bei der Anschaffung 200.000 Euro.

„Wir rechnen aber mit niedrigeren Betriebskosten als bei Autos mit fossilen Brennstoffen“, sagt Ansgar Roese, Leiter des städtischen Kompetenzzentrums Logistik und Mobilität. Als Gründe nennt er niedrigere Wartungskosten und einen geringeren Verschleiß. Wann diese Vorteile sich auszahlen, weiß die Stadt noch nicht. „Da noch keine aktuellen Zahlen vorliegen, können wir hierzu noch keine endgültige Abschätzung vornehmen“, erklärt Roese. Ob die Betriebskosten der E-Autos angesichts der niedrigen Ölpreise tatsächlich geringer sind, ist strittig.

So hat das dänische Verkehrsministerium kürzlich errechnet, dass für elektrisch betriebene Kleinwagen bei einem Kilowattstundenpreis von 28 Cent Energiekosten von gut fünf Euro pro hundert Kilometer entstehen. Das ist etwa so viel wie bei einem Dieselfahrzeug, das mit Kraftstoff zu einem Preis von einem Euro pro Liter betankt wird.

Kann die Verkehrswende der ernüchternden Kostenbilanz zum Trotz dennoch gelingen? Alphabet-Manager Beltermann ist optimistisch: „Viele Unternehmen, die sich für Elektromobilität entscheiden, tun dies aus dem Nachhaltigkeitsgedanken heraus. Diese Haltung werden auch Spritpreise nicht beeinflussen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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