Digitale Spione: Der kalte Cyber-Krieg

Digitale Spione: Der kalte Cyber-Krieg

, aktualisiert 19. Januar 2017, 06:50 Uhr
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Die CDU und der Bundestag waren bereits Opfer von Cyberattacken. Doch noch viel mehr sind einzelne Individuen im Visier der digitalen Spione.

von Daniel Schäfer Quelle:Handelsblatt Online

Angesichts der vielen anderen politischen Brandherde ist das Thema Internet-Sicherheit in Davos in den Hintergrund gerückt. Doch Experten warnen vor einem digitalen Kampf zwischen den Nationen.

DavosGreg Bell ist sich sicher: „Der nächste Krieg wird ein Cyberkrieg.“ Der Berater beobachtet, dass immer mehr Staaten weltweit in diesem Bereich in geradezu militärischer Manier aufrüsten. „Wir befinden uns in einer Art kaltem Cyberkrieg“, so der Experte, der das Globale Cyber-Sicherheits-Team bei KPMG leitet, bei einem Gespräch am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos. „Regierungen rund um die Welt möbeln ihre Fähigkeiten in diesem Gebiet auf. Sowohl zu defensiven als auch zu offensiven Zwecken.“

Die digitalen Angreifer aller Couleur, sie wachsen sich zunehmend zu einem riesigen Problem aus – und nach den Unternehmen und Privatpersonen steht immer mehr auch das politische System im Fokus. So richtig deutlich wurde das erstmals im US-Wahlkampf, in dem vermeintlich russische Hacker pikante Informationen über die demokratische Partei ergatterten und via WikiLeaks veröffentlichen ließen. Das hat möglicherweise die vom republikanischen Kandidaten Donald Trump gewonnene US-Präsidentschaftswahl mit beeinflusst.

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Ein Szenario, dass auch für den Bundestagswahlkampf in diesem Herbst befürchtet wird. So rechnet der Bundesverfassungsschutz mit einem massiven Anstieg der Cyberattacken bis zu den Wahlen am 24. September. „Die Hinweise auf Versuche der Beeinflussung der Bundestagswahl im kommenden Jahr verdichten sich“, sagte kürzlich der BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen. „Im politischen Bereich stellen wir zunehmend aggressive Cyberspionage fest.“

Die CDU und der Bundestag waren bereits Opfer von Cyberattacken. Doch noch viel mehr sind einzelne Individuen im Visier der digitalen Spione. Besonders Regierungsmitglieder, Bundestagsabgeordnete und Mitarbeiter der demokratischen Parteien seien gefährdet, so Maaßen. Mithilfe von Cyberattacken erhaltene Informationen könnten dazu genutzt werden, um Politiker zu diskreditieren.

Auch Bell sieht bislang noch das größte Risiko darin, dass die Angreifer aus dem Netz Politiker attackieren und von ihnen diskreditierende Informationen erbeuten. „In vielen Fällen sind es nicht Regierungsstellen die angegriffen werden, sondern Individuen oder Parteien.“

In der letzten Dekade seien viele staatliche oder regierungsnahe Hackergruppen herangewachsen, die vor allem aus finanziellen Motiven spioniert haben, so Bell. Jetzt würden diese Gruppen aber zunehmend auch im politischen Bereich aktiv. „Wenn eine Regierung eine andere Regierung (digital) angreift, um einen kritischen Teil ihrer Infrastruktur lahmzulegen, ist das dann schon ein Kriegsakt? Wir nähern uns hier wirklich Neuland.“

Zu solch größeren Attacken gegen andere Regierungen sei es bislang noch nicht gekommen, und das obwohl fast jede Regierung derzeit aufrüstet. „Was wir nur noch nicht gesehen haben, ist was in der Branche derzeit als Cyber Pearl Harbour diskutiert wird“, sagt Bell. „Sprich ein großer Angriff, der einen Regierung zu einer aggressiven Reaktion zwingt.“

Noch nicht, scheint der Sicherheitsexperte zwischen den Zeilen zu sagen. Nach der Kriegsrhetorik in der Handels- und Währungspolitik hält die bellizistische Sprache damit nun auch Einzug in die digitalen Beziehungen zwischen den Regierungen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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