Digitale Vermögensverwaltung: Bei der Deutschen Bank berät jetzt „Robin“

Digitale Vermögensverwaltung: Bei der Deutschen Bank berät jetzt „Robin“

, aktualisiert 13. Dezember 2017, 10:02 Uhr
von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Als erste hiesige Filialbank startet die Deutsche Bank einen digitalen Vermögensverwalter und setzt dabei auf das Wissen ihrer Kapitalmarktanalysten. Billig wird die Beratung für die Kunden allerdings nicht.

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Die Deutsche Bank hat mit Robin – Robo-Invest – ihren digitalen Vermögensverwalter gestartet.

FrankfurtWer wissen will, wie die Deutsche Bank ihren gerade gestarteten digitalen Vermögensverwalter am Markt positioniert, muss sich nur die Werbefigur anschauen, die „Robin“ repräsentiert. In seinem dunkelblauen Anzug und dem weißen Hemd mit offenem Kragen wirkt er seriös und zugleich lässig, sein kurzer Vollbart und sein Haar sind schon leicht ergraut, während die Gesichtszüge etwas Jugendliches, Schelmisches haben. „Robin“ – kurz für Robo-Invest – soll die langjährige Erfahrung der Deutschen Bank bei der Geldanlage mit einem modernen Zugang zum Thema vereinen.

Für die Deutsche Bank ist „Robin“ nicht der erste Versuch, einen sogenannten Robo-Advisor zu etablieren, einen digitalen Vermögensverwalter. Schon Ende 2015 bewarb sie ihren „Anlagefinder“, doch der Erfolg blieb aus. Aus Sicht der Nutzer bot das Online-Angebot zu wenig Service, und die Finanzaufsicht Bafin wertete es als Anlageberatung. Diese bringt – egal, ob sie durch einen Menschen oder durch ein Computerprogramm erbracht wird – umfangreiche Dokumentationspflichten mit sich. Statt diesen nachzukommen, kündigte die Bank einen Neustart an.

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Der kommt nun einige Monate später als geplant, was Markus Pertlwieser, Digitalchef des Privat- und Firmenkundengeschäfts am Dienstag mit Verfeinerungen am Algorithmus und der virtuellen Oberfläche, dem sogenannten Kunden-Cockpit, erklärt. Außerdem sei der Eröffnungsprozess gleich so gestaltet worden, dass Kunden die Vermögensverwaltung im Laufe des kommenden Jahres auch in den Filialen abschließen können.

Trotz der Verzögerung: Die Deutsche Bank ist hierzulande die erste Filialbank mit einem digitalen Vermögensverwalter – wobei das Angebot momentan noch über Maxblue, die Online-Investment-Plattform der Bank, läuft. Erst 2018 soll es auch direkt in die Website der Bank integriert werden. Die Direktbank Comdirect hat ein ähnliches Angebot bereits seit dem Sommer, die Quirinbank betreibt Quirion schon seit mehreren Jahren. Andere Institute, darunter die ING-Diba, 1822direkt sowie N26 setzen auf die Kooperation mit Finanztechnologie-Start-ups wie Scalable Capital und Vaamo.

Die Deutsche Bank dagegen wollte ihren eigenen Robo entwickeln. „Wo Deutsche Bank drauf steht, muss sie auch drin sein“, begründet Perlwieser und nennt gleich ein ehrgeiziges Ziel: Im kommenden Jahr könne der Markt für digitale Vermögensverwaltung in Deutschland auf fünf Milliarden Euro wachsen. „Davon wollen wir mit Robin 20 Prozent, also eine Milliarde Euro haben“, so der Digitalchef.

Für Geldinstitute wird das Angebot von digitaler Vermögensverwaltung immer wichtiger. Nicht nur, weil zahlreiche Fintechs bereits mit Robo-Advisors am Markt sind, sondern vor allem wegen regulatorischer Änderungen. Durch die EU-Verordnung Mifid-2 wird es für Banken immer teurer, ihre Kunden persönlich zu beraten. Das rentiert sich nur noch bei sehr hohen Anlagesummen. Bei digitaler Vermögensverwaltung dagegen sind die Abschlusskosten für die Bank gering. Statt mit einem Anlageberater zu sprechen, klicken sich Kunden online durch eine Antragsstrecke, beantworten Fragen zur persönlichen Finanzsituation, ihren Kenntnisse und Erfahrungen mit Wertpapieren und ihrer Risikobereitschaft. Auf dieser Basis bekommen sie einen Anlagevorschlag und können der Bank ein Mandat für eine Vermögensverwaltung erteilen.


Was die Beratung vom Roboter kostet

Als wichtigsten Erfolgsfaktor für „Robin“ nennt Pertlwieser die „Kombination aus Mensch und Maschine“: In die Algorithmen des digitalen Vermögensverwalters fließe die Kapitalmarktexpertise von Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan ein. Zudem ist sie risikobasiert, setzt auf einen „Value at Risk“-Ansatz (VaR). Damit wird das Verlustpotenzial angegeben, das durch Marktpreisschwankungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums auftreten kann. „Risiko lässt sich relativ gut steuern, Ertrag nicht“, erklärt Stephan. Mindestens alle vier Wochen sollen die Kundenportfolios an die aktuelle Marktentwicklung angepasst werden. Insbesondere in volatilen Marktphasen sei dieser Ansatz gegenüber einer fixen Depotaufteilung überlegen, sagt Stephan.

Wie bei anderen Anbietern wird die Anlagestrategie mit börsengehandelte Fonds (ETFs) auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe abgebildet. In späteren Ausbaustufen sollen neben ETFs noch weitere Anlageinstrumente eingeschlossen werden und Kunden sollen dann auch ihre bestehenden Depots mit „Robin“ verknüpfen können. „Wenn wir als Deutsche Bank mit einem digitalen Vermögensverwalter an den Markt gehen, müssen wir mehr bieten als andere“, meint Pertlwieser.

Den Online-Vermögensverwalter können sowohl Bestandskunden der Deutschen Bank nutzen als auch solche, die es noch werden wollen. Sie müssen dafür mindestens 5.000 Euro anlegen. Damit bewegt sich die Bank im Vergleich zur Konkurrenz im Mittelfeld. Wer bereits Kunde ist, hat den Vorteil, dass im Anmeldeprozess seine Stammdaten automatisch übernommen werden. Zu den Fondsgebühren (durchschnittlich etwa 0,25 Prozent) kommt die „Robin“-Verwaltungsgebühr von 0,8 bis einem Prozent hinzu.

Die Berechnung ihrer Gebühr hat die Deutsche Bank beim Fiskus abgeschaut. Sie wird wie der Steuersatz gestaffelt berechnet – nur dass der Prozentsatz mit steigendem Volumen kleiner wird: Für die ersten 25.000 Euro wird jährlich ein Prozent fällig, für Anlagevolumina zwischen 25.000 und 50.000 Euro sind es 0,9 Prozent und für Vermögen oberhalb von 50.000 Euro sind es 0,8 Prozent.

Andere Anbieter, wie etwa Fintego, bieten ebenfalls Gebührenstaffeln, doch diese gelten dann in der Regel für den gesamten Anlagebetrag. Besonders günstig sind laut einer Übersicht des ETF-Extra-Magazins aktuell die Robo-Advisor Visual Vest und Growny, bei denen bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro aktuell jährlich 0,60 beziehungsweise 0,69 Prozent Gebühren plus ETF-Kosten fällig werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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