Donald Trump: Icahn soll Berater für Regulierungsfragen werden

Donald Trump: Icahn soll Berater für Regulierungsfragen werden

, aktualisiert 22. Dezember 2016, 09:28 Uhr
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Carl Icahn soll Donald Trump bei Regulierungsfragen beraten.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Apple und Ebay hat er bereits das Fürchten gelehrt. Nun soll der Aktionärsaktivist dem künftigen US-Präsidenten dabei helfen, staatliche Regulierungen abzubauen. An ersten personellen Entscheidungen hat Icahn bereits mitgewirkt.

Der künftige US-Präsident Donald Trump will den milliardenschweren Finanzinvestor Carl Icahn zum Berater machen. Der Wall-Street-Veteran solle Trump in Regulierungsfragen helfen, schrieb das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Mittwoch unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Icahn sei bereits an der Suche des neuen Chefs der Börsenaufsicht beteiligt und habe sich bei der Auswahl für die Leitung der Umweltbehörde EPA eingebracht. Mit der Personalentscheidung würde Trump ein weiteres steinreiches Mitglied der Finanzelite um sich scharen, gegen die er im Wahlkampf gewettert hatte. Die wichtigen Posten des Finanz- und Wirtschaftsministers wurden bereits mit den Milliardären und Ex-Investmentbankern Steven Mnuchin und Wilbur Ross besetzt.

Darum hat Trump gewonnen

  • Frauen

    Clinton schnitt trotz Trumps frauenfeindlicher Äußerungen in der Wählergruppe deutlich schwächer ab als im Vorfeld erwartet. Zwar erhielt sie von Frauen zwischen 18 und 34 Jahren deutlich mehr Unterstützung als Trump, insgesamt aber betrug ihr Vorsprung bei Frauen mit 49 Prozent nur zwei Prozentpunkte. Zum Vergleich: Der scheidende Präsident Barack Obama schnitt 2012 bei Frauen sieben Prozentpunkte besser ab als sein damaliger Herausforderer.

  • Minderheiten

    Clinton kam Umfragen zufolge deutlich besser bei Amerikanern mit spanischen Wurzeln, Afroamerikanern, und Amerikanern mit asiatischen Wurzeln an. Allerdings erhielt sie nicht so viel Rückhalt wie Obama vor vier Jahren, der seine Wiederwahl besonders den Stimmen der Minderheiten verdankte.

  • Bildung

    Trump punktete besonders bei Wählern ohne College-Ausbildung. Insgesamt betrug sein Vorsprung auf Clinton in dieser Gruppe zwölf Prozentpunkte. Bei weißen Männern ohne höheren Bildungsabschluss schnitt er sogar um 31 Prozentpunkte besser ab, bei weißen Frauen ohne Abschluss waren es 27 Prozentpunkte.

  • Weiße Evangelikale

    Streng gläubige weiße Amerikaner haben Trump die Treue gehalten - trotz der sexuellen Missbrauchsvorwürfe, die gegen den Milliardär im Wahlkampf erhoben wurden. Etwa 76 Prozent der Evangelikalen gaben an, für Trump gestimmt zu haben.

  • Stadt-/Landbevölkerung

    Clinton tat sich in Ballungsräumen schwer, obwohl dort in der Regel viele Anhänger der Demokraten leben. Ihr Vorsprung auf Trump betrug dort gerade einmal sechs Prozentpunkte. In ländlichen Regionen schnitt Trump dagegen um 27 Prozentpunkte besser ab.

Mit Carl Icahn holt Trump den nächsten Milliardär in sein Team, und es ist nicht irgendein Milliardär. Icahn ist ein legendärer Unternehmensschreck und sogenannter Aktionärsaktivist seit den 1970-er-Jahren. So werden Investoren genannt, die sich aktiv in die Geschäfte der Unternehmen einzumischen versuchen, an denen sie beteiligt sind. Der Mann, der Apple ein gigantisches Aktienrückkaufprogramm und Dividendenzahlungen aus den Rippen geleiert hat, soll künftig als Sonderberater in Regulierungsfragen fungieren. Das Trump-Team bestätigte am Mittwoch entsprechende Informationen.

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In seiner persönlichen Beraterfunktion für Trump wird Icahn nicht vom Staat bezahlt. Im Gegenzug darf er dafür weiter voll seiner bisherigen Beschäftigung nachgehen: Lukrative oder unterbewertete Unternehmen aufspüren, Anteile aufkaufen und sie am Kapitalmarkt attackieren. Er wird weiter Vorstandschefs stürzen, den Verkauf von Tochterfirmen oder die Aufspaltung von Unternehmen erzwingen und Kosteneinsparungen verlangen.

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Quelle: Bloomberg

Icahn ist bereits seit einiger Zeit in politische Aufgaben involviert. Der 80-Jährige soll für Trump Interviews mit Kandidaten für dessen Regierungsteam geführt haben. Laut WSJ ist er zudem maßgeblich an der Auswahl des künftigen Chefs der US-Börsenaufsicht SEC beteiligt. Kein unwichtiger Posten für einen Unternehmensaktivisten, der Firmen unter Druck setzt und Kämpfe um Aufsichtsratsmandate anzettelt.

Trump soll auch auf den Rat Icahns gehört haben, als es um die Besetzung der Leitung der Umweltbehörde EPA gegangen ist. Das Amt übernimmt Scott Pruitt, der wie Trump den Einsatz von Kohle und Öl massiv fördern will und den Klimawandel anzweifelt. Icahn ist unter anderem in Raffinerie-Unternehmen investiert. Laut WSJ hat sich der Investor außerdem stark für Wilbur Ross und Steven Mnuchin engagiert. Ersteren ernannte Trump zu seinem Handelsminister, Mnuchin soll Finanzminister werden.

Icahn und Trump sind beide Gegner einer „Überregulierung“ durch den Staat, die Unternehmen angeblich an Investitionen hindert. Trump hat sich bereits verpflichtet, die Bankenregulierungen wieder aufzuheben, die nach der Finanzkrise eingeführt wurden. Damals hatten unter anderem Wetten auf Immobilienkredite an der Wall Street die Weltwirtschaft an den Rand eines Kollapses geführt.

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Barack Obama. Quelle: AP

Unter Trump sollen Banken bald wieder mehr Risiken wagen können, die Aktie von Goldman Sachs ist einer der größten Gewinner des Dow Jones Index’. Carl Icahn ist ebenfalls in der Finanzbranche investiert. Er hält Anteile an dem Versicherungsgiganten AIG. Nun fällt ihm die Aufgabe zu, Trump bei der weiteren Deregulierung aller Branchen zu beraten. Seine Hilfe dabei werde „unbezahlbar“ sein, erklärte Trump in einem Statement.

Das könnte Icahn nicht besser formuliert haben. Seine neue Position gibt ihm eine einflussreiche und interessante Rolle. Sie ermöglicht es ihm, im Hintergrund zu beeinflussen, wie seine eigene Branche der Hedgefonds-Manager, in Zukunft reguliert und überwacht werden wird. „Es wird Zeit, exzessive Regulierungen zurückzunehmen und Unternehmen Jobs schaffen zu lassen,“ wird Icahn in einem Statement des Trump-Teams zitiert.

Die Partei der Demokraten sieht das anders. „Wähler, die für ihn (Trump) gestimmt haben, damit er den Sumpf trockenlegt, haben gerade wieder eine volle Ladung Matsch ins Gesicht bekommen“, erklärte Eric Walker, Sprecher des Democratic National Committee süffisant mit Blick auf Trumps Versprechen, die Wall Street und Washington von Korruption und Vetternwirtschaft zu befreien.

Quelle:  Handelsblatt Online
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