Donald Trump vs Hillary Clinton: Wall Street könnte „kalte Verstaatlichung“ drohen

Donald Trump vs Hillary Clinton: Wall Street könnte „kalte Verstaatlichung“ drohen

, aktualisiert 12. Mai 2016, 08:59 Uhr
Bild vergrößern

Der Kampf um das Weiße Haus wird wohl zwischen Donald Trump und Hillary Clinton ausgefochten werden. Hier balgen sich verkleidete Wahlkämpfer in Trump- beziehungsweise Clinton-Kosüm.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Harte Zeiten für große US-Banken und Hedgefonds: Die amerikanische Finanzbranche hätte weder unter einem Präsidenten Donald Trump noch unter Hillary Clinton viel zu lachen. Ein Stimmungsbild.

New YorkJeff Gundlach ist mit seinem Hedgefonds Double-Line nicht nur ein bekannter Investor, sondern auch bekannt für seine scharfe Zunge. Mit Genuss hat er daher kürzlich die gescheiterten republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit Spott übergossen. Doch auch die wahrscheinliche demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton kommt nicht gut weg. Er vergleicht sie – auch wenig schmeichelhaft – mit Richard Nixon. Die Begründung: Beide würden es nicht so genau mit gesetzlichen Regelungen halten.

Zu Clintons wahrscheinlichem Rivalen um das höchste Amt der USA, Donald Trump, fällt ihm noch mehr ein. „Früher habe ich gelernt, es gibt die Republikaner, rechts davon die Konservativen und rechts davon die Reaktionären“, sagt er. „Ich halte Trump für reaktionär“.

Anzeige

Clinton oder Trump? Investoren und Banker fragen sich, was nach der Präsidentschaftswahl im November auf sie zukommen wird. Gemessen an ihren reichlichen Spendengeldern hofft die Mehrheit der Finanzwelt ganz klar auf Clinton. Denn die Finanzmanager erwarten von ihr mehr Verständnis für ihre Branche – sogar mehr als von Barack Obama, der sich in der Finanzbranche im Laufe der Jahre immer unbeliebter gemacht hat. Aber sicher vor neuen Auflagen und Angriffen kann die Wall Street sich bei der ehemaligen US-Außenministerin nicht fühlen.

Karen Petrou von Federal Financial Analytics warnt, dass beide möglichen US-Präsidenten sich auf die großen Geldhäuser stürzen werden, sobald sie „den Eindruck haben, dass das nötig sei, um eine Wählerschaft zu beruhigen, die Banker-Blut sehen will“. Sie geht in ihren Spekulationen, was passieren könnte, sehr weit. Donald Trump traut die Analystin zu, sich dem Konzept des „Narrow Banking“ zu verschreiben, bei dem Banken auf Kredit- und Einlagengeschäft und extreme Reservehaltung eingeschränkt und verpflichtet werden. Clinton wird ihrer Meinung nach im Wahlkampf nach links abdriften und die Banken mit so viel Regulierung überziehen, dass es einer kalten Verstaatlichung gleich komme.

Brian Gardner, der Washington-Beobachter vom Analysehaus KBW, das auf die Finanzbranche spezialisiert ist, geht das Thema zurückhaltender an. Trump hält er für schwer einschätzbar. Er habe sich zwar gegen das „Dodd-Frank-Gesetz“ genannte Regulierungspaket positioniert, aber ohne in die Details zu gehen“, sagt Gardner. „Trump hat auch gegen [die gesetzliche Gesundheitsversorgung] 'Obamacare' geredet, aber dann wieder wesentliche Punkte dieses Gesetzes verteidigt.“ Die Schlussfolgerung des Experten: Wahrscheinlich wird Trump Dodd-Frank, also die umfangreiche Regulierung der Banken nach der Finanzkrise, nicht antasten. „Er hat ohnehin andere Prioritäten, etwa die Immigration“, sagt Gardner.

Zur Notenbank (Fed) habe sich Trump zudem nur konfus geäußert. Er deutete an, dass Janet Yellen, deren Chefin, ablösen will. Andererseits steht Yellen für niedrige Zinsen und Trump kann nach Einschätzung von Gardner sehr gut damit leben.


„Alles kann auf den Tisch kommen“

Hedgefonds-Manager Jeff Gundlach erwartet unter einem Präsidenten Trump einen Rückfall in die Ära des Präsidenten Ronald Reagan, einem Helden der Konservativen in der US-Politk. Unter Reagan sei das staatliche Defizit in den USA aus dem Ruder gelaufen. „Ich glaube, Trump kann sehr gut mit hohen Defiziten leben“, sagt Gundlach. Eine weit verbreitete Ansicht. „Einer der Gründe, dass manche Konservative Trump nicht unterstützen, ist, dass eine Trump-Regierung wahrscheinlich eine laxe Finanzpolitik betreiben würde“, schreibt Marc Chandler von der US-Bank BBH. Das heißt: Staatsausgaben auf Pump.

Bei Hillary Clinton ist das Bild zunächst klarer. „Sie will Dodd-Frank im Wesentlichen belassen, aber die Kontrolle im Bereich außerhalb der Banken, etwa bei Hedgefonds, weiter ausdehnen“, sagt Politikbeobachter Gardner. Anders als einst Bill Clinton und Barack Obama werde sie von Anfang auf schwierige Verhandlungen mit den Republikanern, vor allem im Senat, angewiesen sein. Zugleich gibt es in der eigenen Partei mit der Senatorin Elizabeth Warren und ihrem Konkurrenten Bernie Sanders Politiker, die einen härteren Kurs gegenüber der Wall Street fordern. Daraus ergeben sich eine Menge möglicher Kompromiss-Szenarien.

„Die Republikaner wollen vor allem Erleichterungen für kleine und mittlere Banken. Warren und ihre Anhänger wollen eine Aufspaltung der Banken, dafür gibt es bei den Republikanern nur vereinzelt Unterstützung“, sagt Gardner. Möglich wäre als Kompromiss zum Beispiel eine strengere Regulierung über den Bankenbereich hinaus, dafür im Gegenzug Erleichterungen für kleine Banken. Eventuell würden die Republikaner, die große Banken ja auch nicht mögen, im Gegenzug zu weiteren Zugeständnissen sogar ein Stück weit der Linie von Elizabeth Warren folgen und damit Clinton helfen, ihr eigenes Lager zusammenzuhalten. „Alles kann auf den Tisch kommen“, sagt Gardner. Die Republikaner etwa drängen darauf, die regionalen Präsidenten der US-Notenbank (Fed) vom Senat bestätigen zu lassen, hier wäre ein Entgegenkommen der Demokraten denkbar.

Gardner setzt darauf, dass Clinton mehr als Obama bereit und in der Lage wäre, mit der gegnerischen Partei zu reden und Kompromisse zu schließen. Trump hingegen misst er keine großen Chancen zu, wenn er im Weißen Haus landen sollte: „Die Wähler werden enttäuscht sein. Er klingt so, als könne er eine Menge bewegen, aber das wird nicht der Fall sein. Trump ist kein Politiker.“ Der Vergleich mit Ronald Reagan hält er für abwegig: „Der hatte ein klares politisches Konzept, schon bevor er Präsident wurde. Bei Trump hingegen ist fraglich, ob er überhaupt weiß, was er will.“

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%