DPD versus Hermes & Co: Tückische Offensive mit Paket zum Wunschtermin

DPD versus Hermes & Co: Tückische Offensive mit Paket zum Wunschtermin

, aktualisiert 12. Juli 2017, 06:16 Uhr
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Paketbote: Aufholjagd gegen DHL und Hermes.

von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

DPD überrascht Rivalen wie DHL, Hermes und UPS: Der Paketdienst aus Aschaffenburg lässt Kunden künftig gegen eine Gebühr den genauen Zustelltermin für Päckchen frei wählen. Rechnet sich dieses Angebot tatsächlich?

DüsseldorfBeim Paketdienst Hermes reden sie davon, andere Wettbewerber winkten vorzeitig ab: Den genauen Zustelltermin frei zu wählen, bedauerten sie gegenüber Onlinekunden, bleibe ein unerfüllbarer Wunsch. Zu kompliziert, zu teuer, nicht wettbewerbsfähig.
Sie alle wird an diesem Mittwoch der Aschaffenburger Rivale DPD überraschen. Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, will die Tochter der französischen La Poste ihren Kunden genau dieses Anliegen bis spätestens März 2018 erfüllen. In Hamburg und Nürnberg sogar schon ab Ende dieses Monats.

„Für eine Extragebühr von voraussichtlich 2,50 Euro“, bestätigt DPD-Deutschlandchef Boris Winkelmann, „können sich Paketempfänger dann eine Wunschzeit aussuchen.“ Gelegenheit haben sie dazu bis Mitternacht vor dem geplanten Zustelltag.

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Die Offensive kommt nicht ohne Grund. Bis 2014 verdiente DPD, 1976 gegründet von Speditionen wie Hellmann, Dachser und Cordes & Simon, das Geld fast ausschließlich mit der Belieferung von Gewerbekunden. Das vergleichsweise mühsame Geschäft mit Privatpaketen überließ man lieber der Otto-Tochter Hermes oder dem Post-Ableger DHL.

Ein Fehler, wie der 2013 angetretene Winkelmann erkannte. Denn während das Zustellgeschäft zwischen Unternehmen seit Jahren fast stagniert, trieben die Onlinekaufhäuser das Paketwachstum an den Haustüren mit Macht nach oben. Dort vergrößerte sich das Volumen seit 2009 um 87 Prozent, wie der Branchenverband BIEK errechnet hat.

Nur: Das Privatkundengeschäft birgt gefährliche Tücken. Während gewerbliche Poststellen stets mit einer Paketannahme besetzt sind, klingeln die Transporteure an privaten Haustüren oft vergeblich. Eine zu hohe Zahl fehlgeschlagener Paket‧annahmen kann sich rasch zu einem Firmenrisiko ausweiten. Mit hohen Investitionen in die IT hielt der weiß-rote Lieferdienst dagegen. Heute landen zwischen einem Drittel und der Hälfte der täglich 1,5 Millionen DPD-Pakete an privaten Haustüren.


„2,50 Euro reichen kaum aus, um zusätzliche Kosten zu decken“

Gleichzeitig gewann die La-Poste-Tochter mächtige Onlineshops als Kunden. Amazon, Ebay oder Home24 stehen längst auf der Kundenliste, für die Rocket-Internet-Tochter Hello Fresh organisiert sie seit neuestem den Versand frischer Lebensmittel.
Entsprechend fällt das Wachstum aus. Erreicht der Paketdienst dieses Jahr den angepeilten Umsatz von 1,7 Milliarden Euro, den er mit rund 365 Millionen Paketzustellungen schaffen will, hätte er seit 2014 Jahr für Jahr rund 100 Millionen Euro zugelegt. In Deutschland steht er damit zwischen dem Marktführer DHL und Hermes.

Der neue Wunschtermin-Lieferdienst soll nun für weiteres Wachstum sorgen. Ein schon vor wenigen Monaten angelaufener Test der Konzernschwester in Großbritannien macht den Aschaffenburgern Mut. Paketexperten wie der Hamburger Unternehmensberater Horst Manner-Romberg aber glauben, dass DPD dabei draufzahlt. „2,50 Euro reichen kaum aus, um die zusätzlich entstehenden Kosten zu decken“, erwartet er. Ein Wunschtermin sei bei den üblicherweise hintereinander geplanten Auslieferungen nur in Ausnahmefällen integrierbar. Das mache zusätzliche Fahrten erforderlich – und verursache hohe Zusatzkosten.

DPD zeigt sich dennoch zuversichtlich, diese Herausforderung zu meistern. Damit alles funktioniert wie geplant, will der Paketdienst die bislang am Nachmittag endenden Auslieferungszeiten bis 22 Uhr verlängern. Die Samstagszustellung haben die Aschaffenburger schon vor drei Jahren ins Programm genommen. 

Als Fernbedienung reicht eine App auf dem Smartphone. Eingeführt hatte sie DPD schon vor drei Jahren unter dem Namen „Predict“ – vorerst aber mit eingeschränktem Leistungsumfang. Stundengenau informiert sie seither Paketempfänger, wann sie mit einer Anlieferung zu rechnen haben. Wer will, kann über das Miniprogramm die Sendung umleiten zum Wunschnachbarn, zu einem Paketshop oder etwa in die Garage.

Mit der App „Precise“ legt DPD ab Mittwoch nach. Über sie können sich Empfänger die Zustellzeit aussuchen. Täglich 100 000 Wunschtermine könnten so zustande kommen, rechnet Winkelmann vor. Geht seine Rechnung auf, beträfe dies fast jedes siebte Paket, das DPD an der Tür von Privathaushalten zustellt.

Glück außerdem für den Deutschland-Ableger der französischen Post: Rechtzeitig vor dem Start von Precise entledigte man sich des störenden Minderheitsgesellschafters GLS. Vor Gericht hatten die Franzosen 15 Jahre lang versucht, die Briten aus dem Unternehmen zu drängen, bis der 10,5-Prozent-Gesellschafter im März 2015 einknickte. Ein kaum zu unterschätzender Erfolg. Ohne ihn hätte man einen direkten Wettbewerber als Spion in den eigenen Reihen dulden müssen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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