Dr. Sommers Marktdiagnose: 20.000 Punkte! Na und?

Dr. Sommers Marktdiagnose: 20.000 Punkte! Na und?

, aktualisiert 05. Februar 2017, 21:33 Uhr
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Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

Auf mehr als 20.000 Punkte ist der Dow Jones gestiegen. Nicht mehr, nicht weniger. Für den letzten Tausender-Schritt benötigte der bekannteste Index in der Börsenwelt nur gut zwei Monate. Übertreiben die Börsen schon wieder?

DüsseldorfAls der Dow Jones im Spätherbst 1972 das erste Mal über die Marke von 1000 Punkten stieg, hat der amerikanische Index für diesen ersten Tausender-Schritt sechsundsiebzigeinhalb Jahre gebraucht. Zweifellos eine lange Zeit. Bis zum 2000er-Schritt waren es 14 Jahre, bis zum 3000er-Niveau noch vier Jahre. Am schnellsten ging es zwischen 11.000 und 12.000 Punkten, für die der Dow nur einen Monat plus fünf Tage brauchte. Und nun: Der Sprung von 19.000 auf 20.000 Punkte rangiert in der Hitliste auf Rang zwei.

Was sagen uns die runden Marken und inwieweit signalisieren die vielen neuen Tausender-Schritte, dass die Börsen nach oben überschießen? Im Prinzip wenig. Denn erstens ist jeder neuerliche Tausender-Schritt immer weniger wert. Für die ersten 1000 Punkte benötigte der Dow noch einen Zuwachs von sage und schreibe 2343 Prozent – gemessen vom ersten Schlusskurs mit 40,9 Punkten am 26. Mai 1896. Beim nächsten 1000er-Schritt waren es immerhin noch 100 Prozent, danach 50, dann 33 und danach nur noch 25 Prozent. Für den letzten 1000er Schritt von 19.000 auf 20.000 Zähler Ende Januar 2017 waren es schließlich noch ganze 5,3 Prozent.

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Doch auch sonst besagen Tausender-Schritte nicht besonders viel. Außer, dass vielleicht Sektkorken knallen, Händler sich auf die Schenkel klopfen und Anleger (samt Medien) ins Grübeln geraten, ob Aktien vielleicht schon zu teuer sind.

Entscheidender als die 1000er-Schritte ist, wie es den Unternehmen geht, deren Anteilsscheine im Dow notieren. Dazu ein Beispiel: Als der Index kurz vor der Jahrtausendwende auf knapp 12.000 Punkte gestiegen war, waren Aktien deutlich teurer als Anfang 2016, als der Dow sehr viel höher bei gut 16.000 Punkten notierte. Der Grund: Vor 17 Jahren verdienten die 30 Unternehmen im Dow deutlich weniger als zur Jahreswende 2015/16.

Aktuell sind die Unternehmen und damit ihre Aktien im Dow mit gut 20.000 Punkten keineswegs preiswert – ein kritisches Innehalten lohnt also! – aber auch nicht völlig überteuert. Gemessen an den für dieses Jahr erwarteten Gewinnen sind die Unternehmen mit dem Faktor 17 bewertet. Das heißt, die Dow-Unternehmen von American Express und Apple über Exxon und Nike bis hin zu Walmart kosten im Schnitt 17 mal so viel wie sie in diesem Jahr voraussichtlich verdienen werden. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 15. Rechnerisch sind die Aktien im Dow derzeit also um 14 Prozent überbewertet.

Das heißt nun aber nicht, dass der Dow in diesem Jahr fallen muss und wird. Phasen, in denen Aktien überbewertet sind, können lange dauern, manchmal sogar viele Jahre. So geschehen in der zweiten Hälfte der Neunziger. Umgekehrt können Phasen, in denen Aktien unterbewertet sind, ebenfalls mehrere Jahre dauern. So zuletzt geschehen nach dem Platzen der Technologieblase in den Jahren 2004 bis 2006 und dann noch einmal zwischen 2010 und 2014.

Sobald der Dow oder auch unser Dax Tausender-Hürden überwindet, mögen die Börsen und ihre Indizes viel Aufmerksamkeit erfahren. Ein wirkliches Ereignis im Sinne von Kauf- oder Verkaufskursen sind solche runden Zahlen aber nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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