Dr. Sommers Marktdiagnose: Das unnormale Börsenjahr 2017

Dr. Sommers Marktdiagnose: Das unnormale Börsenjahr 2017

, aktualisiert 04. Juni 2017, 16:55 Uhr
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Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

Aktienkurse steigen langsam, aber stetig. Die Börse präsentiert sich so ruhig wie selten. Doch was sollen Anleger in dieser besten aller möglichen Welten bloß tun, um nicht vom Kursrutsch überrascht zu werden?

DüsseldorfSie legt zu, pendelt leicht auf und ab, ehe sie weiter steigt. Das ist die Börse 2017. Seit Jahresbeginn gab es so gut wie keine Korrektur, geschweige denn einen Crash. Ist das normal?

Nur 1996 und 2005 verlief der Kursverlauf beim Dax ähnlich glatt wie diesmal – in diesen beiden Jahren betrugen die Kursverluste vom jeweiligen Hoch weniger als sechs Prozent. 2017 sind es bislang sogar noch viel weniger, kaum drei Prozent. Also noch ruhiger als ruhig. Das ist ungewöhnlich, denn: Seit 1975 korrigierte der Dax im Durchschnitt um 18 Prozent innerhalb eines Kalenderjahres. Das ermittelte der erfahrene DZ-Bank-Analyst Christian Kahler.

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Daraus folgt: Dass 2017 so ruhig bleibt wie bislang, ist äußerst unwahrscheinlich. Vielmehr müssen sich Anleger auf größere Schwankungen in den nächsten Monaten einstellen. Vor allem auf eine zwischenzeitliche und mehrwöchige (mindestens!) Korrektur nach unten.

Sollte der Dax in den nächsten Monaten tatsächlich beispielsweise um 18 Prozent korrigieren, so wie es der Durchschnittswert vorsieht, fände sich das Börsenbarometer bei weniger als 10500 Punkten wider. Ein scharfer Trendbruch oder gar eine Talfahrt wäre das aber immer noch nicht – nur eben eine durchschnittliche Korrektur innerhalb eines normalen Börsenjahres. Welche Lehren lassen sich aus solchen Statistiken ziehen?

Erstens: Wer Aktien in nächster Zeit verkaufen möchte, weil Geld benötigt wird, sollte dies eher jetzt tun – und nicht erst dann, wenn die Kurse fallen. Lieber teuer als billig verkaufen, heißt die Devise.

Zweitens: Wer Aktien hält, um damit langfristig fürs Alter oder Studium der Kinder Kapital aufzubauen, sollte solange nichts tun und warten, bis die Korrektur kommt, um dann preiswerter nachzukaufen.

Drittens: Wer nach acht Jahren Börsenaufschwung auf ein Ende der Hausse und baldigen Beginn einer Baisse spekuliert, der sollte damit beginnen, nach und nach seine Aktien zu verkaufen. Besser jetzt bald, als nach dem Start der Korrektur – oder gar Baisse. Noch Fragen oder andere Meinungen? Aber gerne!

Quelle:  Handelsblatt Online
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