Drohnen als Gefahr im Luftverkehr: Die neue Plage am Himmel

Drohnen als Gefahr im Luftverkehr: Die neue Plage am Himmel

, aktualisiert 08. Januar 2016, 12:07 Uhr
Bild vergrößern

Die unbemannten Flugobjekte wurden schon in 1500 Meter Höhe gesichtet.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Die Begeisterung für Drohnen bereitet zunehmend Probleme. Unfälle, Störungen des Luftverkehrs – die Politik will die kleinen Flugobjekte an die kurze Leine nehmen. Mit Nummernschildern und Führerscheinpflicht.

FrankfurtDie Zahl ist imposant: Nach Schätzungen der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde FAA wurden alleine in den USA an diesem Weihnachtsfest eine Million Drohnen verschenkt. Und natürlich wurden viele sofort ausprobiert – mit entsprechenden Folgen. Unfälle zwischen Drohnen und Fußgängern oder Autos bestimmten die Schlagzeilen in vielen US-Zeitungen.

Die beliebten unbemannten Flugobjekte werden immer mehr zu einem Problem. Nicht nur in den USA sorgen die fliegenden Plagegeister für Unruhe. Auch in Europa kommen sich Drohnen und Flugzeuge oder Helikopter immer häufiger gefährlich nahe.

Anzeige

Eine genaue Zahl solcher „Begegnungen“ gibt es nicht, da sie nicht zentral erfasst werden. Störungen des Luftverkehrs werden in den Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt. Teilweise werden die Daten beim zuständigen Verkehrsministerium gesammelt, teilweise von den untergeordneten Luftfahrtbehörden, von denen es in einigen Bundesländern gleich mehrere gibt. Zudem gibt es keine Meldepflicht, sofern die Situation nicht wirklich brenzlig ist. Die Aufsichtsbehörden sind also auf freiwillige Meldungen der Piloten angewiesen.

Dennoch wurden in Deutschland im gerade abgelaufenen Jahr einige durchaus bemerkenswerte Vorfälle mit Drohnen registriert. So sichtete nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) zum Beispiel ein Geschäftsflugzeug am 17. Februar 2015 in 1100 Metern Höhe in der Region Frankfurt eine Drohne. In solchen Flughöhen haben die unbemannten Flugobjekte aber nichts mehr verloren.

Seit Juni vergangenen Jahres ist klar geregelt: Ohne Genehmigung beziehungsweise Freigabe durch die DFS dürfen Flugmodelle bis fünf  Kilogramm Gesamtgewicht maximal 30 Meter hoch fliegen, bei einem Gewicht bis zu 25 Kilogramm gilt die Grenze 50 Metern Flughöhe. Generell muss der Pilot einer Drohne sein Gerät stets im Auge behalten.

Doch daran halten sich viele Hobby-Piloten offensichtlich nicht. So traf in der Region Münster-Osnabrück ein Rettungshubschrauber am 20. April 2015  in 500 Metern auf eine Drohne, ein paar Monate später sichtete ein Ultraleichtflugzeug einige Zeit nach dem Start in Koblenz ein solches Gerät sogar in 1500 Metern. Und am 19. September 2015 bemerkten die Piloten von Finnair-Flug AY855 aus Helsinki beim Landeanflug auf Hamburg eine Drohne. Sie soll in einer Höhe von 250 Metern und nur 30 Meter von der Embraer E190 entfernt geflogen sein. In Flughafen-Nähe ist der Betrieb von Drohnen strikt untersagt.


Japan setzt auf die „Abfangdrohne“

„Drohnen gefährden den Flugverkehr“, klagt ein Sprecher der DFS. Die Politik und Behörden wollen die Drohnen deshalb an die Leine nehmen. EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc hat dazu in einem Gespräch mit der Zeit „Die Welt“ zuletzt einen Drohnen-Führerschein ins Gespräch gebracht. „Es ist auf jeden Fall ein interessanter Weg“, sagte sie: „Ob es der beste Weg ist, die Nutzer auf den Gebrauch von Drohnen vorzubereiten und die Verbreitung zu kontrollieren, müssen wir sehen. Ich habe da noch keine endgültige Meinung.“

Bei Lufthansa tüfteln Experten bereits an Ideen, wie eine richtige Ausbildung der Drohnen-Piloten aussehen könnte. Die Manager von Europas größter Fluggesellschaft wittern hier ein neues Geschäft.

In den USA hat die FAA angesichts der Drohnenflut noch vor dem Weihnachtsfest eine Nummernschild-Pflicht verhängt. Geräte mit einem Gewicht zwischen 250 Gramm und 25 Kilogramm müssen von ihren Besitzern vor dem Jungfernflug registriert werden. Das kann online auf der Webseite der Behörde geschehen. Die dort vergebene Nummer muss dann auf der Drohne angebracht werden. Eine ähnliche Regelung wurde jüngst auch in Russland erlassen.

Auch DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle hat sich mehrfach für eine solche Kennzeichen-Pflicht ausgesprochen. Dann könne man jemanden, der so ein Gerät für kriminelle Handlungen missbraucht, leichter identifizieren und Konsequenzen einleiten. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will eine solche Regelung in diesem Jahr noch durchsetzen. Er kündigte kurz vor Weihnachten an, dass Drohnen, die schwerer als 500 Gramm sind, künftig registriert werden müssen.

Ganz andere Wege geht man in Japan. Dort hat die Polizei seit kurzem eine erste Abfangdrohne im Einsatz. Sie ist mit einem zwei mal drei Meter großem Netz ausgestattet, mit dem unliebsame Drohnen eingefangen und sicher zu Boden geholt werden können. Es ist ein Pilotversuch, der dazu dient, Drohnen sicher am Himmel zu bergen, die vielleicht von Terroristen für Sprengstoffanschläge missbraucht werden könnten.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%