E-Mail-Affäre in Großbritannien: Wie ein Mann hochrangige Banker reinlegt

E-Mail-Affäre in Großbritannien: Wie ein Mann hochrangige Banker reinlegt

, aktualisiert 24. Mai 2017, 12:21 Uhr
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Der Gouverneur der Bank of England reagierte auf die Mails eines Witzbolds.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

In Großbritannien trickst ein Mann, der sich Sinon Reborn nennt, bekannte Banker aus und verwickelt sie in einen regen E-Mail-Austausch. Die Affäre deckt gravierende Schwächen im Sicherheitssystem der Banken auf.

LondonErst hat es Barclays-Chef Jes Staley erwischt, jetzt auch Mark Carney, den Gouverneur der Bank of England – beide haben auf E-Mails eines Witzbolds reagiert. Der gab sich als etwas ganz anderes aus als er ist, um die Sicherheitssysteme der Banken zu testen.

Die erste E-Mail klang noch plausibel und unverfänglich: „Ich sehe Berichte über Jane Austen in den Zeitungen heute“, schrieb der Absender an Mark Carney, den Chef der Bank of England, und bezog sich damit auf neue Zehn-Pfund-Geldnoten mit dem Gesicht der britischen Schriftstellerin. Er gab sich als Anthony Habgood aus, Oberaufseher der Zentralbank. Seine E-Mail-Adresse lautete anthonyhabgood@hotmail.com.

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Carney antwortete innerhalb von wenigen Stunden. Es entwickelte sich ein reger E-Mail-Austausch – bis der angebliche Habgood ihn zu einer Party mit „flotten Bardamen“ einlud. Carneys Reaktion darauf fiel etwas knapp aus: „Anthony, das ist ganz und gar nicht angebracht“, schrieb der Notenbankchef und beendete die Unterhaltung.

Einen Tag später bekannte ein Witzbold, der sich in dem Kurznachrichtendienst Twitter den Namen „Sinon Reborn“ gab, dass dies alles ein Scherz war und er sich als Habgood bei dem Gouverneur der Bank of England gemeldet hatte. Er wollte einfach sehen, ob die Notenbank sicherheitsbewusst sei, begründete er sein Vorgehen.

Carney war nicht sein erstes Opfer. Zuvor war bereits Jes Staley, Chef der britischen Großbank Barclays, auf den Mann hereingefallen. In seiner E-Mail an Staley hatte sich „Sinon Reborn“ als Barclays-Verwaltungsratschef John McFarlane ausgegeben und die Mailadresse john.mcfarlane.barclays@gmail.com benutzt. Er schrieb über einen Investor der Bank, der zuvor Staleys Rücktritt bei der Hauptversammlung gefordert hatte. Dieser sei „brüsk und schlecht informiert“ gewesen, aber gemeinsam habe man alle Versuche, Staley aus dem Amt zu jagen, abgewehrt.

Staley war in die Kritik geraten, weil er den Verfasser eines anonymen Beschwerdebriefs ausfindig machen wollte und so gegen interne Whistleblower-Regeln verstoßen hatte.

„Du schuldest mir einen großen Scotch“, schrieb der angebliche McFarlane. Staley bedankte sich mit vielen lobenden Worten. „Du bist ein einzigartiger Mann.“ McFarlane habe zudem einen Mut, schrieb Staley, über den nur wenige verfügten, darüber hinaus viel Humor und Charakterstärke. Der E-Mail-Austausch geht noch eine Weile weiter, ohne dass Staley misstrauisch wird.

Sowohl die Bank of England als auch Barclays haben die E-Mails bestätigt. Barclays hat zudem mit einer Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen auf den Trickser reagiert, um eine Wiederholung solch peinlicher Vorfälle zu verhindern.

Hinter den E-Mails steht offenbar ein 38-jähriger Webdesigner aus Manchester, der zudem seit langer Zeit Barclays-Kunde ist.

Medienberichten zufolge war ein Kredit, den er von seiner Bank bekommen hat, der Anlass dafür, mit Staley in Kontakt zu treten. Der Kredit habe ihn geschockt, sagte er der „Financial News“, denn seine Bonität sei eigentlich nicht überzeugend, und in der Barclays-Filiale habe er die Mitarbeiter nie davon überzeugen können, einen Kredit zu bekommen. Doch das habe dann mit Hilfe einer Barclays-App geklappt. Er habe daher von Staley wissen wollen, wie das eigentlich passieren konnte – angesichts seiner Vorgeschichte. Denn er sei glücksspielsüchtig. Barclays wollte sich dazu nicht äußern.

Der 38-Jährige hat auch versucht, mit anderen Spitzenbankern in Kontakt zu treten – etwa mit HSBC-Chef Stuart Gulliver. Die E-Mail an ihn hat das HSBC-System jedoch geblockt. „So macht man es richtig, Jes Staley“, kommentierte „Sinon Reborn“ über Twitter.

Quelle:  Handelsblatt Online
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