E.On mit hohem Verlust: Uniper reißt Milliardenloch in die Bilanz

E.On mit hohem Verlust: Uniper reißt Milliardenloch in die Bilanz

, aktualisiert 10. August 2016, 08:17 Uhr
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Der radikale Umbau reißt Eon wieder tief in die roten Zahlen.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Kurz vor dem Uniper-Börsengang legt E.On tiefrote Zahlen vor. Schuld sind hohe Wertberichtigungen bei der angeschlagenen Kraftwerkstochter. Allerdings gibt es für Konzernchef Johannes Teyssen auch einen Lichtblick.

Im September will E.On-Chef Johannes Teyssen die Scheidung von Uniper endgültig vollziehen. Dann soll das Unternehmen, in das der Energiekonzern seine konventionellen Kraftwerke, den Großhandel und die Gasproduktion abgespalten hat, an die Börse. E.On will sich danach mit ganzer Kraft dem Zukunftsgeschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb widmen.

Beide Teile gehen den Neustart aber äußerst geschwächt an. E.On hat im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von drei Milliarden Euro verbucht, wie der Konzern am Mittwoch in seinem Zwischenbericht mitteilte. E.On begründete den Verlust mit Wertberichtigungen und Drohverlustrückstellungen bei der Kraftwerkstochter Uniper von 3,8 Milliarden Euro.

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Uniper dürfte parallel ebenfalls einen hohen Milliardenverlust verbucht haben. Das neue Unternehmen will am 22. August erstmals über seine Halbjahreszahlen berichten.

E.On Mehr Schatten als Licht beim Energieriesen

E.On trennt sich endgültig von seinen fossilen Altlasten. Anfang September soll die neue Tochter Uniper an die Börse. Über den Berg ist der gebeutelte Versorger mit der Abspaltung von Kohle und Gas noch lange nicht.

Wie zukunftsfähig ist die neue E.On? Quelle: REUTERS

Das Handelsblatt hatte in der vergangenen Woche bereits über einen hohen Abschreibungsbedarf berichtet – der mit den jetzt vorgenommen Wertberichtigungen noch nicht erledigt sein dürfte. Hintergrund ist der Börsengang. Spätestens dann muss E.On die 47-Prozent-Beteiligigung, die der Konzern an Uniper noch hält, an den Börsenwert anpassen. Laut Spaltungsbericht hatte E.On Uniper insgesamt bislang noch mit einem Netto-Buchwert von 15,5 Milliarden Euro in den Büchern stehen, während Analysten den Börsenwert des Unternehmens allenfalls auf maximal fünf Milliarden Euro schätzen. Und auch in Konzernkreisen wird mit ähnlichen Werten kalkuliert.

Die Kraftwerke von Uniper haben in den vergangenen Jahren eben dramatisch an Wert verloren – der Konzern kam mit dem Abschreiben gar nicht hinterher. Dadurch dürfte E.On auch das Gesamtjahr wieder mit einem Nettoverlust abschließen – wie schon 2014 und 2015.

Die wichtigsten Fragen zur E.On-Aufspaltung

  • Was macht E.On und warum?

    Der Energieriese trennt seine konventionellen Gas-, Wasser- und Kohlekraftwerke sowie den Energiehandel ab vom Rest des Konzerns mit den Wind- und Sonnenenergieanlagen, den Stromnetzen sowie den modernen Energie-Dienstleistungsangeboten. Alte und neue Energie hätten sich so stark auseinanderentwickelt, dass beide Bereiche getrennt mehr Zukunft hätten, sagt E.On-Chef Johannes Teyssen. Das sei „Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Eon und Uniper“, schrieb er vor kurzem an die Aktionäre. Aus der alten E.On werden zwei Unternehmen: Der Mutterkonzern schrumpft auf 40.000 Mitarbeiter, 14.000 Beschäftigte arbeiten bei Uniper.

  • Wie soll die Trennung funktionieren?

    Operativ arbeiten E.On und Uniper schon seit Jahresbeginn komplett getrennt. Im nächsten Schritt nutzt Uniper Kreditzusagen mehrerer Banken über rund 2,5 Milliarden Euro, um alte Kredite der E.On-Mutter abzulösen und sich so auch finanziell auf eigene Füße zustellen. Wenn die Hauptversammlung zustimmt, werden beide Konzernteile dann auch rechtlich getrennt. E.On legt seinen Aktionären gut 53 Prozent der Uniper-Aktien in ihre Depots. Für jeweils 10 E.On-Papiere gibt es einen Uniper-Anteilsschein. Später will sich E.On über die Börse auch vom Rest der Papiere trennen. Läuft alles reibungslos, könnte Uniper schon im dritten Quartal 2016 erstmals eine eigene Bilanz vorlegen.

  • Was sagen die Aktionäre dazu?

    Es gibt viel Zustimmung für Teyssens Plan. Allerdings haben die Aktionäre angesichts der Krise in der Branche auch das Gefühl, gar keine andere Wahl zu haben. „Wir begrüßen die Aufspaltung. Sie ist aus unserer Sicht alternativlos, um beide Unternehmensteile für die nächsten Jahre über Wasser zu halten“, sagt zum Beispiel der Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment. Die Fondsgesellschaft zählt mit gut einem Prozent der E.On-Aktien zu den 20 größten Aktionären. Auch die Aktionärsvereinigung DSW will zustimmen – trotz Bedenken. „Unter der neuen Uniper-Flagge wird das Kohlekraftwerk auch nicht rentabler“, sagt DSW-Geschäftsführer Thomas Hechtfischer.

  • Wo liegen denn die Hauptprobleme?

    In der konventionellen Stromerzeugung vor allem mit Gaskraftwerken wird nichts mehr verdient. Die Gewinne schrumpfen immer weiter, weil subventionierter Ökostrom die Märkte flutet – zuletzt auch im ersten Quartal 2016. Wer soll vor diesem Hintergrund eigentlich künftig Aktien des Kraftwerksunternehmens Uniper kaufen, fragen die Aktionärsvertreter. Uniper hat ja selbst gleich zu Beginn ein Sparprogramm und den Verkauf von Firmenbeteiligungen angekündigt. Erst etwa ab 2018 erwartet Uniper wieder eine Belebung des Marktes für konventionelle Stromerzeugung.

    Außerdem hat E.On auf Druck der Politik seine deutsche Atomsparte anders als geplant nicht der Erzeugungstochter Uniper zugeschlagen. Das ist unlogisch, denn für die Kernenergie des Konzerns in Schweden ist Uniper zuständig. Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Fonds, die immer beliebter werden, könnten E.On-Aktien wegen des Atomanteils meiden. „Ein schwerer Geburtsfehler“, sagt DSW-Mann Hechtfischer. Für 2016 haben beide Unternehmen Dividenden versprochen, aber die Analysten fürchten, dass sich das angesichts der schrumpfenden Erträge später ändern könnte.

  • Was bedeutet das alles für die Stromkunden?

    Branchenweit müssen die Stromkunden mit weiteren Erhöhungen rechnen – allein schon, weil der teure Ausbau der Netze über den Strompreis mitfinanziert wird. Auch die EEG-Umlage dürfte weiter steigen. Angesichts der schlechten Ertragslage bei E.On ist dann kaum damit zu rechnen, dass der Konzern seine Strompreise für die Endverbraucher stabil hält. Allein 2015 habe der Energieriese seinen Kunden Strompreiserhöhungen zwischen drei und elf Prozent ins Haus geschickt, sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Der Großkonzern gehöre wie RWE regelmäßig zu den teuersten Stromanbietern im Vergleich – woran sich auch durch die Abspaltung nichts ändern dürfte.

Uniper arbeitet bereits seit Anfang des Jahres selbstständig. Anfang Juni billigten die Aktionäre auf der Hauptversammlung die Trennung. Und nachdem anschließend keine Klage eingereicht wurde, steht dem Börsengang nichts mehr im Wege. Die E.On-Aktionäre erhalten für je zehn Anteilsscheine eine Uniper-Aktie.

Operativ läuft es bei E.On besser. Im neuen Kerngeschäft Energienetze, Kundenlösungen und Erneuerbare Energien lag das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit knapp 1,7 Milliarden Euro um 15 Prozent höher als ein Jahr zuvor..

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