Easyjet: Der Angriff auf Air Berlin geht weiter

Easyjet: Der Angriff auf Air Berlin geht weiter

, aktualisiert 10. Mai 2016, 10:42 Uhr
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Die Easyjet-Chefin will den Wachstumskurs trotz der Delle im abgelaufenen Halbjahr fortsetzen.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Die Anschlägen in Paris, Brüssel und Ägypten haben Easyjet eine geringere Nachfrage und einen Halbjahresverlust beschert. Doch im Sommer will Airline-Chefin McCall den Preisangriff vor allem auf Air Berlin fortsetzen.

LondonDie Terroranschläge in Paris und Ägypten haben sich auf die Bilanz der britischen Billig-Airline Easyjet ausgewirkt. Im ersten Geschäftshalbjahr (Ende März) bewegte sich der Umsatz mit 1,77 Milliarden britischen Pfund (2,2 Milliarden Euro) kaum, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Darüber hinaus rutschte Easyjet in die roten Zahlen. Vor Steuern stand ein Minus von 24 Millionen Pfund in den Büchern. Im Jahr zuvor hatte die Airline noch 7 Millionen Euro verdient.

Easyjet hatte im Herbst Flüge in den ägyptischen Badeort Scharm el Scheich gestrichen, zudem hatten die Anschläge in Paris auf der Nachfrage gelastet. Abfedern konnte Easyjet diese Effekte eigenen Angaben nach unter anderem durch eine außergewöhnlich starke Skisaison. Auch das frühe Ostergeschäft habe geholfen. Vom niedrigen Ölpreis profitierten die Passagiere: Die Ticketpreise gingen im ersten Halbjahr um sechs Prozent zurück.

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Easyjet-Chefin Carolyn McCall sieht den Konzern auf gutem Weg für das Gesamtjahr. Steigende Passagierzahlen sowie wachsende Umsätze und Gewinne stellte sie in Aussicht. Die Aktionäre sollen zudem künftig mehr Dividende erhalten. Easyjet will die Ausschüttungsquote auf 50 Prozent anheben.

Die Zahlen von Easyjet werfen auch ein Schlaglicht auf die wachsende Kluft am europäischen Himmel. Denn während McCall weiter ein deutliches Wachstum voraussagt, zerbricht sich 1.100 Kilometer entfernt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft, Air Berlin, noch immer den Kopf über ein nachhaltiges Konzept, wie der anhaltende Schwund der deutschen Airline noch zu stoppen ist.

Denn längst müssen sich die Deutschen auf ihrem wichtigen Heimatmarkt auf eine wachsende Konkurrenz aus Großbritannien einstellen. Ryanair-Boss Michael O’Leary peilt hierzulande in den kommenden Jahren einen Sprung von fünf auf 20 Prozent Marktanteil an – und will Air Berlin vom zweiten Platz in Deutschland verdrängen. Aber auch McCall macht unmissverständlich klar, dass sie im Heimatland von Air Berlin noch erhebliches Potenzial sieht.


Britische Billigflieger im Vorteil

So forcieren vor allem die Billigflieger angesichts der niedrigen Ölpreise den Preiskampf am Himmel von Europa weiter. Ende vergangenen Jahres seien die Ticketpreise bereits um ein Prozent auf durchschnittlich 40 Euro gefallen, betonte der Ryanair-Finanzchef. Und es soll noch billiger werden: Die Flugtickets der Iren seien von Januar bis März im Schnitt nochmals um sechs Prozent günstiger geworden, sagte Neil Sorahan, Finanzchef von Ryanair. Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch warnten bereits in einer Studie, der europäische Luftverkehrssektor stehe vor einer neuen Ära der Preiskriege.

Doch tiefe Spuren in den Geschäftszahlen hinterlässt der Verfall der Ticketpreise vorerst nicht – was vor allem dem billigen Öl zu verdanken ist. So dürften sich die Ausgaben für Flugzeugtreibstoff der Lufthansa nach Einschätzung des Managements in Frankfurt im Jahr 2016 auf 4,9 Milliarden Euro summieren – 800 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Auch Ryanair hat seine Kerosin-Kosten für das kommende Jahr auf einem niedrigen Preisniveau Jahr bereits zu 95 Prozent abgesichert, was der Fluggesellschaft Einsparungen von 430 Millionen Euro beschert, wie die Airline vorrechnet.

Der Lufthansa-Konzern will seine insgesamt führende Position in Deutschland jedoch nicht nur halten, sondern ausbauen. Die durchaus erfolgreiche Marke Germanwings ging dafür in der europäisch gestrickten Eurowings auf. Sie soll im Lufthansa-Kernmarkt – Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien – größter Billigflieger und in Europa nach Ryanair und EasyJet die Nummer drei werden. Doch einfach wird das nicht. Denn Easyjet und Ryanair sehen sich im Wettbewerb mit der Lufthansa-Billigtochter Eurowings im Vorteil. „Wir haben die tieferen Taschen und längeres Stehvermögen als unsere Wettbewerber auf dieser Route“, gibt sich Ryanair-Vorstand Kenny Jacobs zuversichtlich.

Und auch Easyjet-Chefin McCall zeigt sich wenig eingeschüchtert durch die neue Konkurrenz. „Ich glaube nicht, dass der Wettbewerb in Deutschland dadurch für uns schwieriger geworden ist“, sagte McCall bereits vergangenes Jahr. Die Lufthansa werde es schwer haben, den Mischmasch aus Premium- und Billigangeboten den Passagieren zu vermitteln, sagt die Britin voraus.

Mit Material von dpa.

Quelle:  Handelsblatt Online
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