Ebay in Turbulenzen: Abgehängt von Amazon

Ebay in Turbulenzen: Abgehängt von Amazon

, aktualisiert 28. Januar 2016, 11:36 Uhr
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Der virtuelle Flohmarkt stößt an seine Wachstumsgrenzen.

von Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Ebay leidet nicht nur an einer vorübergehenden Schwäche. Die Handelsplattform ist an einem kritischen Wendepunkt: Nur neue Ideen könnten die Zukunft sichern – Amazon macht es vor. Ein Kommentar.

DüsseldorfJa, spinnt denn die Börse? Es sind doch nur Quartalszahlen, und der Umsatz ist ja immerhin nicht zurückgegangen. Doch der Kurs der Ebay-Aktie brach am Mittwochabend nachbörslich um dramatische zehn Prozent ein.

Nein, die Börse spinnt nicht. Die Aktionäre haben ein gutes Gespür dafür, dass es sich bei den Zahlen der Handelsplattform nicht nur um eine Momentaufnahme handelt. Die Abspaltung des erfolgreichen Zahlungsdienstes Paypal hat es schonungslos offengelegt: Ebay hat ein grundsätzliches Problem mit seinem Geschäftsmodell. Und das hat das Unternehmen mit seinem verhaltenen Ausblick auch selber zugegeben.

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Wie viele Internet-Unternehmen musste Ebay erkennen, dass das ursprüngliche Geschäft irgendwann nicht mehr unbegrenzt skalierbar war, also kein dauerhaftes Wachstum bescherte. Die Idee einer Plattform für den Handel mit Gebrauchtwaren, die die Marketingstrategen von Ebay einst so genial in den griffigen Slogan „3,2,1 – meins“ verpackten, war irgendwann ausgereizt. Der Flohmarkt allein taugt eben nicht als Basis für ein Milliardenunternehmen. Doch der Handel mit Neuwaren, der das Flohmarktgeschäft ergänzen soll, bietet kein Alleinstellungsmerkmal. Das können andere auch – und zum Teil sogar besser.

Im Grunde steht das Unternehmen vor einer ähnlichen Herausforderung wie die Kaufhäuser im richtigen Leben. Was kann es den Kunden bieten, was andere nicht auch haben? Ebay fehlt ein klares Profil. Es wirkt wie ein großer Gemischtwarenladen: Im Erdgeschoss gibt es die Wühltische mit den Gebrauchtwaren, im ersten Stock die Haushaltswaren und im dritten Stock die Luxusabteilung. Der Kunde weiß nicht mehr, wofür Ebay wirklich steht.

Ebay will sich als Partner der Händler profilieren. Wie ein Shopping-Center einzelnen Läden einen Rahmen und eine Bühne bietet, will Ebay Onlinehändlern eine Plattform bieten, die ihnen Reichweite und damit Kunden bringt, die ihnen hilft sich im Netz zu inszenieren.


Solide, verlässlich - aber nicht mehr aufregend

Doch es zeigt sich: Immer mehr Händler brauchen Ebay nicht mehr. Konkurrent Amazon bietet mit dem Marketplace die Plattform, die bei den Kunden wegen ihrer bedingungslosen Serviceorientierung beliebter ist und die die größere Reichweite bringt. Und viele Händler haben ihre eigenen Webshops mittlerweile so weiterentwickelt, dass sie auf die Präsenz auf Ebay nicht mehr angewiesen sind.

Und aus Sicht der Kunden? Ist Ebay solide, verlässlich, seriös – aber nicht mehr wirklich aufregend. Der Hype ist weg.

Amazon hat gezeigt, wie man es besser macht. Mit einer klaren Fokussierung auf die Interessen des Kunden hat es das Kerngeschäft so perfektioniert, dass es mittlerweile die Standardsuche für die meisten Onlineshopper ist. Zugleich produziert das Unternehmen fast täglich Ideen, die es zu erfolgreichen neuen Geschäftsfeldern weiterentwickelt. So hat es beispielsweise mit seinen Cloud-Diensten etablierte Konkurrenten das Fürchten gelehrt.

Ebay dagegen fehlt seit der Abspaltung des Zahlungsdienstleister Paypal das zweite Standbein. Und auf dem heutigen Handelsgeschäft alleine steht das Unternehmen gefährlich wackelig. Wenn es nicht schnell neue Idee entwickelt könnte dann der neue Slogan bald heißen: „3,2,1 – und vorbei“.

Quellle:  Handelsblatt Online
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