SYDNEYLeighton hat in den Büchern einer Tochter dubiose Zahlungen im Zusammenhang mit einem Irak-Geschäft entdeckt. Es geht um den Verdacht von Schmiergeldzahlungen der Leighton-Tochter Leighton Offshore, die Anlagen für den irakischen Öl-Export baut. Der Fall sei unverzüglich der Polizei gemeldet worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Möglicherweise sei gegen australische Gesetze verstoßen worden. Ob der Vorfall finanzielle Folgen für das Unternehmen hat, sei noch offen.
Für das Geschäftsjahr 2012 peilt Leighton beim Gewinn vor Sonderposten einen Wert zwischen 600 und 650 Millionen australischen Dollar (640 bis 693 Mio Euro). Der Ausblick sei rosig, sagte Leighton-Chef Hamish Tyrwhitt. Um die Vergleichbarkeit mit der deutschen Mutter zu erleichtern, stellt der australische Konzern sein Geschäftsjahr um. Ab sofort entspricht es dem Kalenderjahr und nicht wie bisher den zwölf Monaten zwischen Juli bis Juni. Die Prognose für das Jahr 2012 entspricht der bisherigen Erwartung für das Geschäftsjahr 2011/2012 (Ende Juni). Analysten zeigten sich aber enttäuscht, denn sie hatten mit einer Erhöhung des Gewinnziels gerechnet.
In den sechs Monaten Juli bis Dezember 2011 verdiente die australische Baufirma 340 Millionen Dollar und damit 57 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gute Bau- und Rohstoffgeschäfte in Asien und Australien beflügelten das Ergebnis. Leighton profitierte zudem von einem Verkauf eines Bergwerks, der die Abschreibungen auf Projekte mehr als ausgeglichen hat. Der Umsatz kletterte um 25 Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar. Am 31. Dezember lagen Aufträge über 44,6 Milliarden Dollar vor, knapp zwei Drittel davon aus Australien und der Pazifikregion. Die Aktionäre sollen mit einer Dividende von 60 Cent je Aktie an dem Erfolg teilhaben.
Leighton gehört zu 54 Prozent dem Hochtief-Konzern, der seit vergangenem Jahr von der spanischen ACS kontrolliert wird. Der Baukonzern war jahrelang Ertragsperle von Hochtief, hat aber ein schwieriges Jahr hinter sich. Im Geschäftsjahr 2010/11 (30. Juni) gab es den ersten Verlust seit 25 Jahren. Der Aktienwert ging um mehr als ein Drittel zurück. Zum Wochenstart sank der Kurs der Leighton-Aktie erneut deutlich, obwohl die Zahlen im Rahmen der Erwartungen lagen.
Neben Leighton könnte es für Hochtief auch aus dem Flughafengeschäft zu weiteren Belastungen kommen. Denn die erst jüngst in die Insolvenz geratene ungarische Fluggesellschaft Malev gehört zu den wichtigsten Kunden des Flughafens in Budapest. Hochtief ist mit knapp 50 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt. "Momentan prüfen wir unsere Ansprüche gegenüber dem ungarischen Staat", sagte Konzernsprecher Bernd Pütter auf Anfrage.
Malev hatte vor gut einer Woche seinen gesamten Flugbetrieb eingestellt. Der Flughafenbetreiber suchte schnell Ersatz, um den Schaden zu begrenzen. Mittlerweile sei die Lücke, die Malev hinterlassen habe, schon zu 70 Prozent geschlossen, sagte der Sprecher. Unter anderem haben Lufthansa und Air Berlinzusätzliche Flüge nach Budapest aufgenommen. Welche Auswirkungen die Malev-Insolvenz auf das Hochtief-Geschäft haben wird, konnte der Hochtief-Sprecher noch nicht sagen.



