Edeka legt Jahresbilanz vor: Einzelhändler greift die Industrie an

Edeka legt Jahresbilanz vor: Einzelhändler greift die Industrie an

, aktualisiert 26. April 2016, 15:50 Uhr
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„Wir stehen im Wettbewerb, die attraktivsten Produkte vom Preis-Leistungs-Verhältnis ins Sortiment zu bringen – auch im Wettbewerb mit der Industrie“, sagte der Edeka-Chef.

von Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

Die Übernahme von Kaiser's-Tengelmann mischt die Einzelhandelsbranche gehörig auf. Supermarkt-Marktführer Edeka wird dadurch noch größer. Warum Chef Markus Mosa Eigenmarken zulasten der Konsumgüterkonzerne stärken will.

Edeka-Chef Markus Mosa will die Marken-Hersteller weiter mit eigenen Produkten unter Druck setzen. „Wir stehen im Wettbewerb, die attraktivsten Produkte vom Preis-Leistungs-Verhältnis ins Sortiment zu bringen – auch im Wettbewerb mit der Industrie“, sagte Mosa am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz.

Die Kunden akzeptierten immer seltener, dass gleichartige Produkte wie Kartoffelchips einen deutlichen Aufpreis hätten, nur weil sie in der Tüte eines Markenherstellers steckten statt in der Edeka-Verpackung. Zugleich verdient Edeka an Eigenmarken meistens mehr als an Drittprodukten.

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Der Ausbau von höherwertigen Eigenmarken sei ein Grund dafür, dass der Edeka-Gewinn – ohne dem Anteil, der den selbstständigen Kaufleuten zusteht – um 22 Prozent auf 420 Millionen Euro gewachsen sei. Getrieben wurde das Ergebnisplus allerdings zu etwa zwei Dritteln durch Sondereffekte, wie etwa bei der Steuer und bei der Auflösung von Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten mit dem Bundeskartellamt. Der Umsatz legte um 2,7 Prozent auf 48,4 Milliarden Euro zu.

Edeka verdiene auch deshalb besser als zuvor, weil der Händler Kunden dazu bewege, von Markenartikeln auf Edeka-Produkte umzusteigen, sagte Mosa. Zudem packten immer mehr Kunden Artikel der höherwertigen „Edeka“-Eigenmarken statt die des Billiglabels „Gut & Günstig“ in den Einkaufwagen.

Edeka baut dafür seit einigen Jahren die eigene Produktion aus, stellt im Jahr inzwischen rund 550 Millionen Brötchen-Backlinge in einer eigenen Fabrik her.

Als nächstes hat Mosa den Molkerei-Bereich im Visier: Hier unterstützt er eine Initiative des Kartellamts, die Exklusivverträge der Molkereien mit ihren Bauern zu untersuchen. Edeka zahle kleineren Betrieben inzwischen einen Aufpreis für die Milch, um sie vor der Konkurrenz der drei großen Anbieter DMK, Friesland-Campina und Arla zu schützen, sagte Mosa. Zudem habe sich Edeka an einem Investitionsprojekt einer Allgäuer Molkerei beteiligt – und im Gegenzug Mehrjahresverträge für Quark abgeschlossen.

Tatsächlich dürfte Edeka jedoch von den niedrigen Agrarpreisen profitieren. Die Bauernverbände beklagen, dass die Preise, die Landwirte für Milch und Fleisch erzielen, stärker gesunken sind als die Endverbraucherpreise. Supermärkte wie Marktführer Edeka bauen also ihre Spannen aus.


Warum der Preisdruck steigt

Anders ist der Fall bei einigen Markenprodukten gelagert: Weil Discounter wie Aldi und Lidl mehr Marken ins Sortiment nehmen, steigt der Preisdruck zulasten der Handelsspanne. Das ist auch eine Erklärung für die Vorliebe eigener Marken.

Mosa erklärte das am Beispiel von Energy-Drinks: „An einem Red Bull wird nicht so viel verdient wie an einem Booster.“ Letztgenanntes Getränk ist die Eigenmarke von Edeka.

Der Edeka-Konzern und sein Discounter Netto steigerten laut GfK ihren Marktanteil 2015 um 0,4 Prozentpunkte auf 27,2 Prozent. Durch die anvisierte Übernahme von Kaiser's Tengelmann dürfte diese Zahl weiter steigen.

Mosa sagte, er wolle noch im Mai Vereinbarungen mit den Gewerkschaften Verdi und NGG treffen, um so die endgültige Freigabe von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zu bekommen. Schwierig gestalteten sich die Verhandlungen in München und Nordrhein. Eine Forderung der Gewerkschaft Verdi ist offenbar, die Strukturen von Kaiser's Tengelmann als Unternehmen im Edeka-Verbund zu erhalten. Mosa will das nicht akzeptieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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