„Ein trauriger Befund“: Fast jeder Fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen

„Ein trauriger Befund“: Fast jeder Fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen

, aktualisiert 05. Dezember 2017, 11:38 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

18,9 Prozent der Kinder können nach dem Ende der Grundschulzeit nicht richtig lesen. Damit fällt Deutschland im internationalen Vergleich zurück. Alarmierend: Die soziale Schere geht bei der Bildung weiter auseinander.

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Die Lesefähigkeit deutscher Viertklässler stagniert, andere Länder ziehen vorbei.

BerlinImmer mehr Kinder in Deutschland können beim Verlassen der Grundschule nicht richtig lesen. Seit 2001 ist der Anteil der Viertklässler mit einer nur rudimentären Lesefähigkeit von 16,9 Prozent auf 18,9 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen, wie die am Dienstag in Berlin vorgestellte Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) zeigt.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland bei der Leseleistung der Grundschüler abgesunken. Dabei können Deutschlands Viertklässler im Vergleich zum Jahr 2001 heute etwa gleich gut lesen. Während 2001 aber nur vier Staaten höhere Werte erzielten, waren es 2016 zwanzig. „Vor dem Hintergrund ist Stagnation natürlich Rückschritt“, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU).

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Der Anteil der Kinder, die gerne lesen, ist seit 2001 um fünf Prozentpunkte auf rund 70 Prozent gesunken. „Das ist an sich ein trauriger Befund“, sagte der Studienautor Wilfried Bos. Gestiegen ist laut Iglu auch die soziale Spaltung bei den Bildungschancen. 2001 war die Chance auf eine Gymnasialempfehlung für Kinder aus oberen Schichten 2,6 Mal so hoch wie bei sozialschwächeren Elternhäusern. 2016 war diese Chance 3,4 Mal so hoch.

Allerdings ist auch der Anteil der im Lesen besonders leistungsstarken Schüler seit der ersten Erhebung 2001 gestiegen – von 8,6 auf 11,1 Prozent im Jahr 2016.

Bildungsforscher Bos zeigte sich ernüchtert, da die zuständigen Bundesländer die Lage seit den Vorgängerstudien nicht verbessern konnten: „Es ist nicht genug passiert.“ So gebe es zwar mehr Ganztagsschulen, sie seien aber oft reine Betreuungseinrichtungen.

Zur Studie: Untersucht wurde eine repräsentative Stichprobe von rund 4000 Kindern der vierten Jahrgangsstufe an 200 Grund- und Förderschulen. Die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) ist eine international-vergleichende Schulleistungsuntersuchung, die von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) verantwortet wird. International haben 47 Länder teilgenommen. Lesekompetenz wird als Fähigkeit verstanden, Texte verschiedener Arten zu verstehen und zu nutzen. Untersucht werden die Verstehensleistungen sowie die Intentionen, mit denen ein Text gelesen wird.
Der in Iglu eingesetzte Lesetest besteht aus literarischen und informierenden Texten. Jedes Kind bearbeitet ein Testheft bestehend aus je einer dieser Textart und anschließenden Fragen zum Text. Teilweise sind vorgegebene Antwortalternativen zu den Fragen gegeben, teilweise müssen Antworten selbst formuliert werden. Es wurden Fragebögen für die teilnehmenden Kinder, ihre Eltern, die unterrichtenden Lehrpersonen im Fach Deutsch und die Schulleitungen eingesetzt. Die Fragebögen dienen dazu, relevante Informationen über den schulischen und familiären Hintergrund der Schülerinnen und Schüler zu sammeln, um die Leistungsergebnisse im Zusammenhang mit den teilweise sehr unterschiedlichen sozialen und schulischen Rahmenbedingungen zu interpretieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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