Einbruch am Devisenmarkt: So könnte die Flash-Crash-Zukunft aussehen

Einbruch am Devisenmarkt: So könnte die Flash-Crash-Zukunft aussehen

, aktualisiert 29. April 2016, 13:25 Uhr
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Anleger müssen sich auf schwankende Devisenkurse einstellen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Devisenmarkt trocknet aus. Um mehr als 20 Prozent ist der weltgrößte Finanzmarkt in den vergangenen Monaten geschrumpft. Anleger müssen sich künftig auf heftige Kurs-Extreme einstellen.

New YorkDer Devisenhandel gilt als größter Finanzmarkt weltweit. Doch seit einiger Zeit herrscht dort Tumult: In den vergangenen anderthalb Jahren verkleinerte sich der gesamte Devisenmarkt um rund ein Fünftel. Die drei größten Handelsplattformen – CME, ICAP und Thomson Reuters handelten im März dieses Jahres Devisen in Höhe von rund 538 Milliarden Dollar pro Tag, wie Daten von Bloomberg belegen. Im September 2014 waren es noch mehr als 669 Milliarden Dollar gewesen.

So stark ist der Markt eingebrochen, dass einige Banken inzwischen über zu wenige Kunden in dieser Sparte klagen. Doch nicht nur Banken, auch auf Privatkunden könnte sich der Einbruch am Devisenmarkt auswirken. Weil die Umsätze schrumpfen, haben Händler Probleme, Positionen einzugehen oder aufzugeben, ohne dabei die Kurse zu beeinflussen. Das kann dazu führen, dass innerhalb eines Tages ein Währungskurs für kurze Zeit extrem nach oben oder nach unten ausschert.

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Auf den Aktienmärkten sind solche Probleme lange bekannt. Der Einbruch des US-Aktienmarktes am 6. Mai 2010 ging als „Flash-Crash” in die Börsengeschichte ein. Dabei sank der Dow Jones innerhalb weniger Minuten um mehr als sechs Prozent. Fünf Jahre später wurde ein britischer Händler für die Kursausschläge verantwortlich gemacht. Mittels eines Computerprogramms hatte er in Hoffnung auf Arbitrage zahlreiche Verkaufsanträge in Auftrag gegeben und diese anschließend wieder storniert.

Die Flash-Crashs an den Devisenmärkten unterscheiden sich von jenen auf den Aktienmärkten, weil sie nicht Folge von Manipulationen, sondern eines ausgetrockneten Marktes sind. Erst im Januar brach der südafrikanische Rand innerhalb von nur 15 Minuten um 9 Prozent ein, bevor er sich wieder erholte. Der Neuseeland-Dollar hatte im August seinen eigenen Flash-Crash. Die Reserve Bank of Australia kam zu dem Schluss, dass Illiquidität für die Wechselkursschocks verantwortlich ist. Und am Donnerstag schnellte der Yen in weniger als drei Minuten um 2,6 Prozent nach oben, nachdem die Bank of Japan verkündet hatte, sie werde von zusätzlichen Konjunkturmaßnahmen absehen.


Mehr Risiko – mehr Volatilität

Doch warum gab es einen Einbruch im Devisenhandel überhaupt? Für viele Marktteilnehmer sind die Währungsgeschäfte auch zu sehr mit Risiken behaftet. „Es gibt die Tendenz eines Volumen-Einbruchs, wenn der Markt sehr unruhig ist”, sagt Mark Astley, der CEO von Millennium Global Investments in London. Die Firma verwaltet rund 16 Milliarden Dollar. „Banken haben nicht mehr das Kapital, um Warehouse-Risiko einzugehen, also wird der Posten weitergereicht. Wenn ein großes Handelsgeschäft durchkommt, wollen sie es nicht lagern und reichen es weiter. So bekommen wir dieses Lücken-Risiko.”

Neue aufsichtsrechtliche Bestimmungen, etwa die Volcker-Regel oder Basel III, haben die Banken dazu gebracht, ihre Market-Making-Aktivitäten zurückzufahren. Sowohl Morgan Stanley als auch Goldman Sachs Group hatten bei jüngsten Bilanz-Telefonkonferenzen auf eine Verlangsamung ihres Devisengeschäfts hingewiesen. Goldman-CFO Harvey Schwartz erklärte, Volatilität habe ein herausforderndes Umfeld für die Kunden der Bank geschaffen. Ein größerer Fokus auf den elektronischen Handel hat zudem zur Nutzung von Algorithmen ermutigt, welche die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Bewegungen am Markt verschlimmern können.

All das schafft eine Bühne für weitere Volatilität und mehr Blitz-Abstürze, meint Andy Maack, Chef für Devisenhandel bei Vanguard Group, der weltgrößten Investmentfonds-Firma. „Wenn jeder auf Pause drückt und es keine Liquidität auf beiden Seiten des Markts mehr gibt, dann können schon sehr, sehr kleine Aufträge den Markt signifikant einbrechen lassen”, sagt Maack. „Es sind diese Art von Bewegungen, die letztlich öfter passieren werden, während wir uns mehr in Richtung elektronischen Handel, Algo-Handel bewegen.”

Seinen vorläufigen Tiefpunkt hat der Devisenhandel aber überschritten: Im November fiel das tägliche Handelsvolumen der drei größten Handelsplattformen auf 463 Milliarden Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Januar 2013. Große Unterschiede gab es bei den einzelnen Währungen: Während der Handel des Euro seit einem Hoch im Oktober 2014 um 20 Prozent eingebrochen ist, fielen die Transaktionen in anderen Währungen vom mexikanischen Peso bis hin zum brasilianischen Real im Vergleich zu ihren Hochs sogar um bis zu 50 Prozent, wie aus einer Statistik der Bank of England hervorgeht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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