Eisenerz, Öl, Gold: Die sagenhafte Rohstoffrally

Eisenerz, Öl, Gold: Die sagenhafte Rohstoffrally

, aktualisiert 08. März 2016, 15:15 Uhr
Bild vergrößern

„Die Eisenerz- und Stahlmärkte sind durchgedreht.“

Quelle:Handelsblatt Online

Trotz Konjunktursorgen ziehen die Preise für Eisenerz und Kupfer sprunghaft an. Doch Anleger sollten vorsichtig sein. Analysten sprechen von hochspekulativen Märkten und wissen nicht, ob sie dem Braten trauen dürfen.

DüsseldorfAm Montag war an den Rohstoffmärkten die Hölle los. Der Preis für Eisenerz stieg auf 60 Dollar je Tonne um 18 Prozent und verzeichnete den stärksten Anstieg aller Zeiten. Der Grund: China hatte angekündigt, seine Stahlproduktion auszuweiten. Dadurch hellte sich der Ausblick für den Stahlverbrauch beim größten Stahlabnehmer der Welt auf.

Auch der Preis für Erz mit 62 Prozent Eisengehalt verteuerte sich um 19 Prozent auf 63,74 Dollar je Tonne – das war der stärkste Tagesanstieg seit 2009 und der höchste Preis seit Juni letzten Jahres.

Anzeige

Im vergangenen Jahr waren die Preise für Rohstoffe noch massiv unter Druck geraten, eine Preisspirale nach unten hatte eingesetzt. Das Überangebot an Rohstoffen und eine schwächelnde Konjunktur – vor allem in China – sorgten für eine niedrige Nachfrage. Das trieb die Preise in den Keller.

Doch am Montag zeigte sich ein ganz anderes Bild, denn plötzlich zogen die Preise an. „Die Eisenerz- und Stahlmärkte sind durchgedreht. Sie haben sich von den Fundamentaldaten gelöst und werden stark von Stimmungen getrieben“, sagte eine chinesischer Rohstoffanalyst.

Die Preisrally trieb auch die Aktien großer Rohstoffkonzerne nach oben: Die Aktie der australischen Fortescue Metals Group gewann in Sydney 24 Prozent hinzu; auch die großen Bergbauunternehmen Rio Tinto Group und BHP Billiton verzeichneten deutliche Kursgewinne. 

Das treibt hochspekulative Anlieger an den Markt, die jetzt einsteigen, um auf fallende Kurse zu wetten. An den Terminkontraktbörsen deckten sich Anleger mit Short-Wetten ein, weil sie glauben, dass die Rohstoffpreise bald wieder fallen werden.

Anleger sollten vorsichtig sein, denn viele Experten halten den Preisanstieg der letzten Wochen für übertrieben und hoch-spekulativ. Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnt etwa vor dem aktuellen Preisanstieg, weil er nicht „nachhaltig“ sei. „Die Rally der Eisenerzpreise ist sicher nur von kurzfristiger Dauer“, schreiben Analysten der US-Bank. Sie bleiben bei ihrer Prognose und rechnen mit einem Preis von 36 Dollar je Tonne am Jahresende. Das wäre im Vergleich zum aktuellen Niveau ein Minus von mehr als 20 Prozent. Auch die Preise für Aluminium und Kupfer sollen laut Goldman Sachs in den nächsten 12 Monaten um 20 Prozent fallen.

Denn die aktuellen Preisanstiege seien durch die tatsächliche Situation in China gar nicht gerechtfertigt. Die Aussichten Chinas bleiben schlecht, mit Chinas Außenhandel geht es weiter steil bergab. Wie die Zollverwaltung in Peking am Dienstag mitteilte, sanken die Ausfuhren im Vergleich zum Februar des Vorjahres um 20,6 Prozent - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr. Auch die Importe waren erneut rückläufig. Der Einbruch von Chinas Außenhandel setzt sich damit ungebremst fort.


Wette gegen den Kupferpreis

Neben dem Eisenerzpreis legte auch der Kupferpreis seit Jahresanfang kräftig zu. Er kostete am Dienstag mehr als 5.000 Dollar je Tonne, der höchste Stand seit knapp vier Monaten.

Doch auch hier ist mit keinem anhaltenden Preisanstieg zu rechnen. Rohstoffexperten raten gar dazu gegen den Kupferpreis zu wetten: „Die Aussichten für den Metallmarkt bleiben schwach. Anleger mit langfristigem Horizont sollten Short-Kontrakte auf den Kupferpreis kaufen“, schreiben Analysten am Dienstag.

Passend zu den Prognosen geriet die Rohstoffrally am Dienstag bereits ins Stocken. Die Preise für Nickel und Kupfer sanken deutlich unter das Vortagesniveau vom Montag. Der FTSE 300 Mining Index, der die größten Bergbauunternehmen umfasst, sank um 5,4 Prozent.

Auch beim Goldpreis ist ein langfristiger Preisanstieg unwahrscheinlich. Zwar durchbrach am Montag der Ölpreis die wichtige Marke von 40 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Monaten.

Doch auch hier sollten sich Anleger keine zu großen Hoffnungen auf einen weiteren Anstieg der Preise machen. Denn die großen Lagerbestände machen den Ölstaaten weiterhin massiv zu schaffen. Die Bestände, die seit 2014 aufgebaut wurden, werden bis Ende 2017 weiter wachsen, prognostiziert die Internationale Energieagentur. Sie aufzulösen könnte Jahre dauern. Goldman Sachs glaubt deshalb an keinen nachhaltigen Preisanstieg: „Dem Markt wird es schwer fallen, höher zu handeln. Der Lagerbestandsüberhang dürfte bremsen.“ Ein nachhaltiger Preisanstieg sei deshalb noch Monateweit entfernt.

Entscheidend für die zuletzt gesehene Trendwende an den Ölmärkten waren vor allem die Diskussionen von Ländern wie Russland und Saudi-Arabien ihre Produktion einzufrieren. Viele Experten hoffen derzeit auf eine Einigung der wichtigen Ölförderländer, die eine Begrenzung der Ölproduktion zur Folge haben könnte.

Einzig der Preisanstieg beim Edelmetall Gold scheint derzeit gerechtfertigt zu sein. Gold war am Montag mit über 1 270 Dollar je Feinunze etwa ein Fünftel teurer als zu Jahresbeginn. Denn Anleger suchen im Niedrigzinsumfeld nach alternativen Möglichkeiten, zusätzlich belasten das Brexit-Risiko und die Flüchtlingskrise die Märkte. Anleger suchen deshalb nach Sicherheit und entdecken Gold wieder als sicheren Hafen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%