Elektronikmesse CES: Superscharf ist nicht genug

Elektronikmesse CES: Superscharf ist nicht genug

, aktualisiert 07. Januar 2016, 09:17 Uhr
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Mit Vorführvideos werben die Hersteller in Las Vegas für eine neue Technologie: HDR.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Erst schärfer, jetzt knalliger: Die TV-Hersteller wollen mit dem HDR-Verfahren den Fernseher leuchten lassen wie ein indisches Fest der Farben. Der Effekt ist beeindruckend, doch die CES zeigt: Es mangelt noch an Pulver.

Las VegasOb auf unseren Fernsehern ein Schleier liegt, ohne dass wir es bemerken? Der die Welt weniger leuchten lässt, als sie es eigentlich tut? Diesen Eindruck kann man bekommen, wenn man durch die Hallen der Elektronikmesse CES läuft. An den Ständen von Samsung, LG, Hisense und Panasonic leuchten die Farben nur so. Der Abendhimmel ist in ein kitschiges Rosarot getaucht, das Graffiti an der Wand leuchtet wie eine Malerpalette und das Chrom am Motorrad gleißt hell vor der dunklen Hallenwand.

Mit ihren Vorführvideos werben die Hersteller für eine neue Technologie: HDR, kurz für High Dynamic Range. Das Verfahren soll für einen hohen Dynamikumfang sorgen, also für mehr Farben, mehr Zwischentöne, mehr Kontrast. Es ermöglicht nach Überzeugung von Experten tatsächlich einen beachtlichen Qualitätssprung. Kinofans sollten sich die Investition aber trotzdem gut überlegen – Eile ist nicht angebracht.

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In der Fernsehbranche herrscht ein ewiger Wettbewerb um bessere Bilder. Die Hersteller führen im Jahresrhythmus neue Technologien samt knackigen Bezeichnungen ein, um ihre Geräte zu verkaufen. Nach Ultra-HD – also einer deutlich höheren Auflösung – will die Branche mit HDR nun den nächsten Trend setzen. Dabei handelt es sich um mehr als nur einen Marketingbegriff: „Es gibt viele Technologien zur Verbesserung der Bildqualität, aber HDR erzielt eine große Wirkung“, sagt Paul Gagnon, Analyst beim Marktforscher IHS Technology.

Dieses Verfahren setzt an den zwei wichtigsten Faktoren für eine lebensechte Darstellung an: Kontrast und Farbtreue. HDR verbessert beides. Die TV-Panels produzieren mehr Licht und stellen eine größere Farbpalette dar – das ist für die Hersteller kein großes technisches Problem. Zudem sind die Filme so produziert, dass sie die Möglichkeiten auch ausnutzen. Anders als bei Fotos werden übrigens nicht mehrere Bilder übereinandergelegt.

Nachdem im vergangenen Jahr auf der CES in Las Vegas nur Samsung einen kompatiblen Fernseher zeigte, setzen in diesem Jahr fast alle Hersteller darauf. HDR ist der neue Hype. Und sie tun einiges dafür, um ihn Wirklichkeit werden zu lassen. „Um den Markt zu erschaffen, müssen wir mit den Partnern in der Branche zusammenarbeiten“, sagt Won-Jin Lee, Manager beim Marktführer Samsung. „Je mehr Geräte wir verkaufen, desto größer ist auch der Anreiz für die Inhalte-Produzenten.“

Dazu soll auch ein neuer Standard beitragen, den das Konsortium UHD Alliance beschlossen hat. „Premium Ultra HD“ gibt nicht nur technische Vorgaben für Ultra-HD vor, sondern auch für HDR. „Das ist bedeutsam, weil die Inhalte-Produzenten nun die Sicherheit haben, dass sich die Produktion lohnt“, betont IHS-Analyst Gagnon. Denn diese wird teurer, weil beispielsweise Spezialkameras nötig sind.


Hollywood-Studios wollen in HDR produzieren

Einige Hollywood-Studios haben bereits versprochen, in Zukunft Filme in knalligen HDR-Farben zu produzieren. Bei der Verbreitung könnten auch Netflix, Amazon & Co helfen: „Neue Technologien werden viel schneller angenommen als noch vor fünf oder zehn Jahren“, sagt Lee. „Die Online-Anbieter haben ein großes Interesse daran.“

Zudem sind Blu-Ray-Player in Arbeit, mit denen Zuschauer ihr Heimkino bespielen können. Das ist wichtig, weil das Streamen von Filmen übers Internet angesichts der großen Datenmengen nur für Nutzer mit schneller Internetverbindung in Frage kommt und die TV-Hersteller nicht so bald auf den neuen Standard umstellen werden.

Dass schon bald eine große Bibliothek an Filmen bereitsteht, ist indes nicht zu erwarten – bis dahin dürften Jahre vergehen. Extra für HDR einen neuen Fernseher zu kaufen ist derzeit also nicht sinnvoll. Wenn aber ohnehin ein Generationswechsel ansteht, bekommt man für einen moderaten Aufpreis ein Gerät, das den Standard „Ultra HD Premium“ beherrscht und damit auch für HDR gerüstet ist.

TV-Experte Gagnon empfiehlt allerdings, nicht allein auf das Logo zu achten, sondern im Geschäft einen Vergleich anzustellen: „HDR kann beeindruckend sein, ist es aber nicht notwendigerweise.“ Der Effekt hänge von der Hintergrundbeleuchtung des Gerätes ab. Je besser diese ist, desto besser auch die Kontrastdarstellung. „Im Geschäft sind die Unterschiede einfach zu sehen.“ Es ist mit bloßem Auge zu sehen, wie rosa der Abendhimmel ist, oder wie sehr das Chrom blitzt.

Quellle:  Handelsblatt Online
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