Ende der Kostenlos-Kultur?: Wo Sie immer noch nichts fürs Girokonto zahlen

Ende der Kostenlos-Kultur?: Wo Sie immer noch nichts fürs Girokonto zahlen

Kunden verärgert – Abheben am Automaten soll künftig extra kostenVideo abspielen
Kunden verärgert – Abheben am Automaten soll künftig extra kosten
von Sarah Doll und Jakob BlumeQuelle:Handelsblatt Online

Es gibt sie noch, die kostenlosen Girokonten. Allerdings sollten Verbraucher auf Filialen verzichten können und das Kleingedruckte lesen. Welche Banken das Null-Euro-Versprechen noch einhalten.

Es kommt selten vor, dass Sparkassen-Obere, Privat-Banker und Banken-Aufseher mit einer Stimme sprechen. Doch beim Thema Kontoführungsgebühren sind sich alle einig: Kontoführung wird Geld kosten. Georg Fahrenschon, Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, hat bereits mehrfach das „Ende der Kostenlos-Kultur“ ausgerufen. Sein Amtskollege Michael Kemmer vom Privatbankenverband BdB pflichtete Fahrenschon kürzlich bei: „Die Zeiten einer Kostenlos-Kultur sind wahrscheinlich schon vorbei.“

Eine Entwicklung, die auch die Finanzaufsicht Bafin erwartet: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen. Mangels alternativer Ertragsquellen lässt sich dieses Angebot aber nicht auf die Dauer aufrechterhalten“, sagt Bafin-Präsident Felix Hufeld.

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Zuletzt hatte für Schlagzeilen gesorgt, dass rund 40 Sparkassen und 150 Volksbanken- und Raiffeisenbanken Gebühren in bestimmten Fällen fürs Bargeldabheben an den hauseigenen Automaten kassieren – zumindest bei mindestens einem Kontomodell. Bislang war es üblich, dass nur dann Gebühren fürs Abheben anfallen, wenn der Kunde den Automaten eines anderen Geldinstitutes nutzt.

Gebühren fürs Abheben Diese Sparkassen wollen Geld am Automaten

Es ist eine neue Situation für Sparkassen-Kunden: Das Geldabheben am Automaten kostet unter Umständen nun Gebühren. Rund 40 Sparkassen machen bereits mit. Die komplette Liste gibt es hier.

ARCHIV - Ein Sparkassen-Logo prangt am 29.02.2016 an der Filiale der Frankfurter Sparkasse in Frankfurt am Main (Hessen). (zu dpa «Mehr Gebühren, weniger Filialen: Die Finanzbranche in der Zinsfalle» vom 08.03.2017) Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Viele Sparkassen, private und genossenschaftliche Banken haben in den vergangenen Monaten die Kontogebühren erhöht – und bei den meisten waren die Konten auch bisher nicht gratis, sondern schon seit Jahren mit einer Kontoführungsgebühr belegt. Selbst die Postbank, Vorreiter in Sachen Gratis-Girokonto, verlangt von Kunden, die älter als 22 Jahre sind, Kontogebühren von 1,90 Euro bis 9,90 Euro. Die teuerste Variante wird erst ab einem monatlichen Geldeingang von 3000 Euro kostenlos angeboten.

Müssen Bankkunden also das Ende der Kostenlos-Kultur klaglos akzeptieren? Müssen sie Gebühren-Wirrwarr und intransparente Konditionen hinnehmen? Sieben Fragen und Antworten rund ums kostenlose Girokonto.

Gibt es noch Gratis-Konten?

Ja, das Handelsblatt hat basierend auf einer Liste des Verbrauchermagazins „Finanztest“ elf Girokonten bei überregionalen Banken zusammengestellt, die nach wie vor ohne Bedingungen kostenlos sind. Einzige Ausnahme in der Liste ist das GiroSkyline der 1822direkt, der Direktbank der Frankfurter Sparkasse. Das Institut erlässt ihren Kunden die monatliche Kontoführungsgebühr nur, wenn jeden Monat eine Gutschrift auf das Konto kommt. Eine Mindesthöhe für die Gutschrift gibt es allerdings nicht.

Viele Geldinstitute, die mit einem kostenlosen Girokonto werben, handhaben das anders: So verlangt beispielsweise die Commerzbank einen monatlichen Mindesteingang von 1200 Euro, bevor sie auf Kontoführungsgebühren verzichtet. Bei der Postbank kommen neuerdings nur Kunden mit einem monatlichen Geldeingang von 3000 Euro in den Genuss eines 0-Euro-Kontos.

Die neuen Kontomodelle vergraulen allerdings Kunden: Allein bei der Postbank wanderten 200.000 Kontoinhaber seit Herbst 2016 ab. Die Postbank wertet das aber dennoch als Erfolg, interne Planungen seien von deutlich negativeren Szenarien ausgegangen, heißt es in Finanzkreisen. Als Profiteure der Gebührenoffensive sehen sich Direktbanken wie ING-Diba.  „Wir spüren das deutlich“, sagt eine Sprecherin. Im vergangenen Jahr habe es an manchen Tagen bis zu 4000 neue Anfragen für Girokonten gegeben.


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