Energie-Management: Die Börse sendet das Ladesignal

Energie-Management: Die Börse sendet das Ladesignal

, aktualisiert 26. November 2016, 13:33 Uhr
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Der Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Next Kraftwerke bietet seinen Kunden variable Stromtarife an.

von Steffen ErmischQuelle:Handelsblatt Online

Die Preise an der Strombörse ändern sich alle Viertelstunde. Das nutzt intelligente Technik, um Strom zu sparen. So können Mittelständler auch ohne eigenen Zugang zur Strombörse von schwankenden Preisen profitieren.

KölnSeit April fahren im baden-württembergischen Hohenlohekreis vier Elektrobusse im Nahverkehr. Wie üblich werden sie nach Betriebsschluss an Ladesäulen geklemmt. Ungewöhnlich ist: Der Strom fließt nicht sofort, sondern nur, wenn er besonders günstig ist. Im Viertelstundentakt ändern sich die Tarife der Strombörse. Eine Software hilft, niedrige Preise bei Überangeboten auszunutzen.

Betrieben werden die Ladesäulen vom Münchener Start-up eeMobility, Stromlieferant ist Next Kraftwerke. Das Unternehmen bietet einen variablen Tarif an und hilft Kunden, ihren Verbrauch an der Marktlage auszurichten. Zum Einsatz kommen dabei Steuerboxen und IT-Systeme, die Next Kraftwerke auch für sein Kerngeschäft verwendet: Die Kölner betreiben ein virtuelles Kraftwerk mit knapp 3000 dezentralen Anlagen.

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Mit der Technik könnten auch Unternehmen ohne eigenen Zugang zur Strombörse von schwankenden Preisen profitieren, sagt Geschäftsführer Hendrik Sämisch. „Gleichzeitig tragen unsere Kunden dazu bei, die volatile Energieerzeugung der Erneuerbaren und den Verbrauch zeitlich stärker in Einklang zu bringen.“

Fachleute sagen schon lange, dass für die Energiewende eine Flexibilisierung der Stromnachfrage ein wichtiger Hebel sei – um teure Stromspeicher zu ersetzen. Bisher sind es vor allem Großunternehmen, die sich etwa durch ein kurzfristiges Herunterregeln von Kühl- oder Heizungsanlagen Einkünfte am Markt für Regelenergie sichern.

Pilotprojekte der Deutschen Energie-Agentur (dena) mit Mittelständlern verschiedener Branchen in Süddeutschland haben ergeben, dass es bei 70 Prozent der Teilnehmer Potenzial für eine Flexibilisierung gibt. Als Bremse wirke aber, dass die Erschließung für viele Firmen bisher zu komplex ist.

Niedrigschwellige Angebote wie der variable Stromtarif von Next Kraftwerke könnten nun Schwung bringen. „Fast jeder Mittelständler hat irgendwo Stromverbraucher wie Pumpen oder Kälteanlagen, die man flexibel steuern kann“, sagt Sämisch. „Der Markt steht noch ganz am Anfang seiner Entwicklung.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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