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Energieeffizienz: Die neue Sparsamkeit in der Chefetage

von Frederic Spohr Quelle: Handelsblatt Online

Immer mehr Firmen suchen nach Energiesparmaßnahmen. Nicht zuletzt der Endkunde ist dafür ein Grund. Durch die Verbesserung von Produktionsprozessen könnten Unternehmen die Kosten um einige Milliarden pro Jahr senken.

Produktion bei Endress+Hauser:  Intelligente Messsysteme sorgen für Energieeffizienz. Quelle: Endress+Hauser
Produktion bei Endress+Hauser: Intelligente Messsysteme sorgen für Energieeffizienz. Quelle: Endress+Hauser

KölnDiese Boni sind ausnahmsweise unumstritten: Bei SCA Hygiene Products richtet sich das Gehalt der Manager auch danach, wie viel Energie sie einsparen. Für den schwedischen Hygienepapierhersteller mit vier Niederlassungen in Deutschland ist Energie ein großer Kostenblock. Dringend sucht die Firma daher nach Einsparmöglichkeiten. Über 600 technische und organisatorische Einzelmaßnahmen hat das Unternehmen seit 2003 umgesetzt. Die so eingesparte Energie könnte Zehntausende Haushalte versorgen.

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SCA könnte ein Vorbild für viele Unternehmen werden. Bereits 37 Prozent aller Firmen investieren laut der Deutschen Energie-Agentur in die Energieeffizienz. 2009 waren es nur 31 Prozent. „Energieeffizienz wird mittlerweile auf Vorstandsebene verantwortet“, sagt Michael Ziesemer, Fachbereichsleiter für Messtechnik und Prozessoptimierung beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Nicht nur steigende Kosten zwingen die Firmen zum Umdenken, sondern auch die Öffentlichkeit: „Die Kunden unserer Kunden üben Druck aus und wollen etwa den Carbon Footprint oder Nachhaltigkeitsstrategien wissen“, so Ziesemer, der auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei Endress+Hauser Messtechnik ist. Der Industrie bleibe ohnehin nichts anderes übrig, als sparsamer zu werden. „In ein paar Jahren werden Energiemanagement-Systeme für alle Unternehmen vorgeschrieben sein. Die Politik hat sich klar positioniert.“

Das Einsparpotenzial ist enorm: Der Verein Deutscher Ingenieure hat ausgerechnet, dass allein der Einsatz intelligenter Motorenregelungen weltweit 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom sparen könnte. Das entspricht der jährlichen Leistung von rund 290 Atomkraftwerken.

Potenzial steckt auch in den Produktionsabläufen. „Es ist nicht damit getan, dass ich den Motor austausche. Ich muss mir das Gesamtsystem angucken“, erklärt Ziesemer. Der ZVEI schätzt, dass durch Prozessoptimierungen in Deutschland bis zu 25 Prozent Energie eingespart werden könnten. Die Kosten würden um sieben Milliarden Euro sinken, der CO2-Ausstoß um 43 Millionen Tonnen. Und das bei meist geringen Investitionen.
Datenflut überfordert Firmen

Nötig ist jedoch ein gutes Monitoring. „Ich muss nicht nur wissen, wie viel Energie ich verbrauche, sondern auch wann und bei welchen Prozessen“, sagt Ziesemer. Er rät, intelligente Messsysteme in Produktionsanlagen einzubauen. Kleine Firmen müssten oft nur wenige Tausend Euro investieren. Wer aus den Daten die richtigen Schlüsse zieht, könnte häufig schnell bis zu zehn Prozent der Energiekosten einsparen

Dank Messtechnik werden Firmen beispielsweise auf Lecks in Druckluftschläuchen schneller aufmerksam. Die fressen viel Energie, sind aber einfach zu beheben. Manchmal müssen Betriebe gar nicht nachrüsten, sondern nur ihre Prozesse neu organisieren. SCA hat etwa zwei Drittel der Einsparungen erreicht, ohne neue Komponenten oder Anlagen zu kaufen.

Thorsten Becherer, Energiemanager bei SCA, warnt jedoch davor, zu viele Daten zu sammeln. „Manchmal habe ich das Gefühl, die Lieferanten wollen mich geradezu mit neuen Messgeräten überschütten.“ Häufig fehle aber das Personal und der Wille, die Informationen auch sinnvoll auszuwerten. „Manche Organisationen sind mit der Datenflut überfordert.“

Becherer rät, vom Großen ins Kleine zu gehen: „Zuerst messe ich den Energieverbrauch einer kompletten Maschine. Dann schaue ich mir gezielt Teilprozesse an. Und erst wenn ich merke, dass sie ineffizienter als andere sind, lasse ich mehrere Messgeräte montieren, um die Einsparmöglichkeit zu finden.“

Das funktioniert aber nur, wenn die Belegschaft sensibilisiert ist. Bei SCA ist Energieeffizienz Thema in allen Personalgesprächen. Der Hygienepapierhersteller hat etwa herausgefunden, dass eine Produktionsstufe nach einer gewissen Zeit mit einer Pumpe weniger auskommen kann. „Dann muss aber auch ein Mitarbeiter daran denken, die Pumpe abzuschalten“, sagt Becherer.

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