Energieforscher Norman Gerhardt: „Wir brauchen mehr Ökostrom“

Energieforscher Norman Gerhardt: „Wir brauchen mehr Ökostrom“

, aktualisiert 25. November 2016, 13:09 Uhr
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Norman Gerhardt, Gruppenleiter Energiewirtschaft und Systemanalyse beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, plädiert für eine breitere Nutzung von Öko-Strom.

von Jakob StrullerQuelle:Handelsblatt Online

Der Fraunhofer-Forscher Norman Gerhardt erklärt im Interview, wo er zukünftige Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien sieht. In einem Bereich sieht er besonders großen Handlungsbedarf.

„Power-to-X-Technologien“ sollen die Energiewende voranbringen. Das X steht stellvertretend beispielsweise für Gas, Wärme oder Mobilität – etwa E-Autos, die Öko-Strom nutzen. Norman Gerhardt, Gruppenleiter Energiewirtschaft und Systemanalyse beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel, plädiert für mehr Umwandlung von Ökostrom in Wärme.

Herr Gerhardt, was können Power-to-X-Technologien für die Energiewende tun?
Es ist elementar, Strom aus Sonne und Wind effizient zu nutzen. Power-to-X-Technologien sind in der Lage, zwischen Strom und anderen Energieträgern rasch zu wechseln und so auf wetterbedingte Schwankungen zu reagieren.

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Gibt es noch weitere Vorteile?
Um die Klimaziele zu erreichen, ist es nötig, Öko-Strom auch in Sektoren einzusetzen, in denen bisher Kohle, Erdgas und Öl die dominierenden Energieträger sind – also im Verkehr oder bei der Wärmeerzeugung. Das Koppeln dieser Sektoren an die erneuerbare Stromerzeugung ist elementar wichtig, um den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren.

Welche Power-to-X-Technologien sind die effizientesten?
Um Öko-Strom zu nutzen, der wegen Netzengpässen nicht abtransportiert werden kann, sind Elektrodenkessel eine gute Möglichkeit – sie funktionieren nach dem Power-to-Heat-Verfahren. Wird also wetterbedingt zu viel Öko-Strom produziert, nutzen die Anlagen diesen – und wechseln bei normalem Netzbetrieb zu fossilen Energieträgern. Um neue Sektoren ganzjährig einzubinden, eignen sich effiziente Technologien wie Wärmepumpen sowie Elektromobilität besonders.

Gelingt diese Anbindung denn schon?
Noch nicht wirklich. Denn Strom ist im Vergleich zu fossilen Brennstoffen bislang zu teuer.

Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?
Der Rechtsrahmen muss geändert werden, um Geschäftsmodelle zu ermöglichen, die mehr auf Strom als Energieträger setzen. Bei der E-Mobilität gibt es immerhin schon die Kaufprämie. Um Strom gewinnbringend zur Wärmegewinnung einzusetzen, muss er billiger werden – oder fossile Brennstoffe teurer. Voraussetzung ist auch, die Erneuerbaren für den steigenden Stromverbrauch stärker auszubauen, als im Moment geplant.

Herr Gerhardt, wir danken Ihnen für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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