Energiekonzern: Eon kann wieder angreifen

Energiekonzern: Eon kann wieder angreifen

, aktualisiert 08. November 2017, 08:06 Uhr
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Der Energiekonzern hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr verdient.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Eon ist raus der Krise: Die ersten neun Monate wurden mit einem Milliardengewinn abgeschlossen – und jetzt winkt auch noch viel Geld für die Uniper-Aktien des Konzerns. Operativ läuft es bei Eon aber noch nicht rund.

DüsseldorfSeit Dienstag ist Stromproduzent Uniper, den Eon erst vor gut einem Jahr an die Börse gebracht hat, nach eigenem Empfinden mit einem „feindlichen“ Übernahmeangebot konfrontiert. Der finnische Energiekonzern Fortum bietet 22 Euro je Aktie, insgesamt acht Milliarden Euro. Für Eon-Chef Johannes Teyssen ist das Gebot dagegen außerordentlich erfreulich. Seinem Konzern winkt im kommenden Jahr der nächste große Zahltag. Eon will sein verbliebenes Paket von knapp 47 Prozent verkaufen – und wird dabei 3,76 Milliarden Euro einstreichen.

Der Spin-off Uniper und sein Vorstandschef Klaus Schäfer dürften damit schon wieder die Unabhängigkeit verlieren. Für Eon und Teyssen ist der Verkauf der nächste Schritt raus aus der Krise. Der Energiekonzern, der noch 2016 einen Rekordverlust von 16 Milliarden Euro verbuchte, verschafft sich zusätzlichen Spielraum, um in der neuen Energiewelt anzugreifen.

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Dabei hat sich Eon schon überraschend schnell erholt. Unter dem Strich steht nach den ersten neun Monaten ein Nettogewinn von 3,9 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte Eon wegen gewaltiger Abschreibungen einen Fehlbetrag von 9,3 Milliarden Euro ausgewiesen.

In erster Linie profitiert der Energiekonzern schon von einem ersten Sondereffekt. Im Sommer musste der Bund die Brennelementesteuer, die Eon zwischen 2011 und 2016 bezahlt hatte, zurückerstatten: rund drei Milliarden Euro. Gemeinsam mit den anderen Atomkonzernen hatte sich Eon mit einer Verfassungsbeschwerde Erfolg. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Steuer für unzulässig.

Die Nettoverschuldung von Eon sank seit Ende 2016 um 6,5 Milliarden auf 19,7 Milliarden Euro. Das Eigenkapital erhöhte sich von 1,3 Milliarden Euro auf 6,2 Milliarden Euro. Aber auch bereinigt um Sondereffekte verbesserte sich der Nettogewinn um 50 Prozent auf 970 Millionen Euro. „Bilanziell haben wir Eon gestärkt“, schrieb Teyssen den Aktionären im Zwischenbericht.

Im operativen Geschäft muss Eon aber noch richtig in der neuen Energiewelt ankommen, auf die sich der Konzern seit der Abspaltung von Uniper konzentriert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 2,1 Milliarden Euro um acht Prozent niedriger als vor einem Jahr. Eon konnte aber im dritten Quartal wie schon im zweiten Quartal zulegen - und lag auch im Rahmen der Erwartungen.


Uniper-Paket bringt mehr als erwartet

Anfang des Jahres hatte der Konzern noch kräftigere Einbußen verzeichnet, die er jetzt nach und nach wieder wett macht. Die Netzsparte legte in den neun Monaten um 18 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Im Bereich Kundenlösungen gab das Ebit dagegen um 36 Prozent auf 350 Millionen Euro nach, obwohl sich auch hier im dritten Quartal die Situation verbesserte. Die erneuerbaren Energien büßten 20 Prozent auf 250 Millionen Euro ein.

„Wir liegen bei allen wesentlichen Zahlen und Entwicklungen im Plan und bestätigen daher unsere Prognose für das gesamte Geschäftsjahr", sagte Finanzvorstand Marc Spieker. „Wir sind auf einem guten Weg, uns neuen Spielraum für künftige Investitionen und höhere Dividenden zu erarbeiten.“

Dabei bringt der Verkauf des Uniper-Pakets mehr ein als erwartet. Im September 2016, als Eon 53,35 Prozent der Anteile abgab, ging die Aktie mit Kursen von 10 Euro an den Start. Damals wäre das restliche Paket von 46,65 Prozent nur 1,7 Milliarden Euro wert gewesen. Die Aktie des Stromproduzenten, das wegen seiner Kohle- und Gaskraftwerke zum Start noch als „Resterampe“ geschmäht worden war, hat seit dem Börsengang aber den Wert mehr als verdoppelt. Aktuell notiert sie mit fast 24 Euro sogar deutlich über Fortums Offerte.

Teyssen hat das Gebot aber praktisch schon akzeptiert. Eon hat mit Fortum eine Option vereinbart. Nimmt Eon sie nicht wahr, muss der Konzern eine Entschädigung von mindestens 750 Millionen Euro zahlen. Im Extremfall könnte sie sich sogar auf 1,5 Milliarden Euro summieren. Teyssen habe eben „den Sack zumachen“ wollen, meint Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Bei Uniper stieß Teyssen mit dem Deal aber auf scharfe Kritik. Dessen Chef Klaus Schäfer wirft seinem ehemaligen Chef, unter dem er zuletzt Finanzvorstand war, vor, Uniper ohne Not schon wieder die Selbstständigkeit zu nehmen. Er hätte eine Platzierung an mehrere Investoren bevorzugt.

Teyssen wiederum ist überzeugt, eine gute Lösung gefunden zu haben. Er betont, dass er Fortum umfangreiche Zugeständnisse für die Zukunft von Uniper und seiner Beschäftigten abgerungen hat. Teyssen selbst kann sich bei Eon der Zukunft zuwenden. Sein Vertrag wird bald bis 2021 verlängert. Zur Bilanz-Pressekonferenz will er eine neue Wachstumsoffensive ankündigen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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