Eon-Abspaltung: Uniper geht mit Verlust an die Börse

Eon-Abspaltung: Uniper geht mit Verlust an die Börse

, aktualisiert 22. August 2016, 09:03 Uhr
Bild vergrößern

Uniper, die Bombe in der Eon-Bilanz: Wegen der Spaltung musste der Konzern Milliarden Euro abschreiben.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

In nicht einmal einem Monat wird die Aktie der Eon-Abspaltung das erste Mal an der Börse gehandelt. Der neue Energiekonzern wird es bei den Anlegern schwer haben – wie der erste Zwischenbericht nun offenbart.

DüsseldorfIm September wollen Eon und Uniper ihre Trennung endlich vollziehen: Dann geht das neue Unternehmen, in das Deutschlands – noch – größter Energiekonzern die Kohle- und Gaskraftwerke, die Gasproduktion und den Großhandel abgespaltet hat, an die Börse. Am Montag legte Uniper-Chef Klaus Schäfer nun offen, in welcher Verfassung seine Gesellschaft an den Finanzmarkt geht.

Und sie ist nicht wirklich gut: Unter dem Strich verbuchte Uniper einen Nettoverlust von 3,9 Milliarden Euro. Hintergrund sind die Wertberichtigungen und Drohverlustrückstellungen von 3,8 Milliarden Euro, die Eon schon bei der Vorlage des eigenen Zwischenberichts vor eineinhalb Wochen bekannt gegeben hatte.

Anzeige

Mit Spannung erwarteten die Analysten aber vor allem, wie es bei Uniper im operativen Geschäft lief. Und das habe sich verbessert, wie das Unternehmen betonte. Das – um Sondereffekte bereinigte - Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im ersten Halbjahr mit 1,1 Milliarden Euro um mehr als doppelt so hoch wie in der selben Vorjahresperiode, als die selben Sparten noch im Eon-Konzern einen Gewinn von lediglich 500 Millionen Euro verbucht hätten. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich um rund 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

Uniper begründete das mit besseren Konditionen im Einkauf von russischem Gas und „positiven Impulsen“ aus dem globalen Handelsgeschäft. Dagegen gingen die Erträge in der Stromproduktion weiter zurück. In den europäischen Märkten verringerte sich das Ebitda in der Stromerzeugung um rund ein Fünftel auf 400 Millionen Euro. Außerhalb Europas schmolz das Ebitda in der Stromerzeugung sogar von 150 Millionen Euro auf nur noch fünf Millionen Euro zusammen. Schuld war vor allem ein Brand in einem Kraftwerk in Russland.

„Die operativen Zahlen für unser erstes Halbjahr sind eine gute Basis für die Börsennotierung im September“, betonte Uniper-Chef Klaus Schäfer aber: „Wir gehen also mit einem gewissen operativen Rückenwind auf die Zielgerade zur Börsennotierung.“

Eigentlich wäre Uniper noch gar nicht zur Vorlage eines Zwischenberichts verpflichtet. Vorstandschef Schäfer wollte aber bewusst den Analysten vor dem Börsengang aktuelle Zahlen liefern, damit die eine bessere Bewertung des Newcomers vornehmen können.


Weniger Mitarbeiter und harter Sanierungskurs geplant

Eon gibt zunächst rund 53 Prozent der Anteile ab. Dabei gibt der Konzern jedem eigenen Aktionär für jeweils zehn Eon-Aktien einen Anteilsschein von Uniper aus. Vermutlich Mitte September wird der Titel dann zum ersten Mal an der Börse gehandelt. Es bleibt abzuwarten, wie viele Eon-Aktionäre dann die Uniper-Papiere behalten werden.

Mit Spannung wird insbesondere erwartet, wie hoch Uniper an der Börse bewertet wird. Derzeit kalkulieren Analysten mit einem Börsenwert von vielleicht vier Milliarden, maximal 5,5 Milliarden Euro. Auf jeden Fall wird der Marktwert deutlich unter dem Buchwert liegen, mit dem Uniper noch immer in der Eon-Bilanz steht. Selbst nach der jüngsten Abschreibung sollen es immer noch zwölf Milliarden Euro sein. Eon wird deshalb auf den 47-Prozent-Anteil, den der Konzern vorerst behält, weitere Abschreibungen vornehmen müssen. Das hat Finanzvorstand Michael Sen schon eingeräumt.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte die Aufspaltung Ende 2014 angekündigt. Seit Anfang des Jahres ist Uniper bereits operativ tätig. Das neue Unternehmen hat nicht nur die konventionellen Kraftwerke übernommen, sondern auch den Energiegroßhandel und die Gasproduktion. Eon konzentriert sich seit Anfang des Jahres auf Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien. Im Juni machten die Eon-Aktionäre dann auf der Hauptversammlung den Weg für den Börsengang frei.

Eon reagierte mit der Aufspaltung auf die Verwerfungen, die die Energiewende auf dem Energiemarkt mit sich gebracht hat. Die konventionellen Kraftwerke, die Jahrzehnte lang hohe Gewinne geliefert haben, sind zum Sanierungsfall geworden. Sie werden zunehmen von Wind- und Solaranlagen aus dem Markt gedrängt, weil diese ihren Strom vorrangig ins Netz einspeisen dürfen. Wegen der Überkapazitäten sind die Strompreise, die die Stromproduzenten im Markt erzielen können, drastisch gesunken. 2011, bevor die Reaktorkatastrophe von Fukushima den Markt erschütterte, kostete eine Megawattstunde Strom im Großhandel noch gut 60 Euro, aktuell sind es gerade einmal 26 Euro. Allerdings ist das schon wieder deutlich mehr als Anfang des Jahres. Damals kostete eine Megawattstunde kaum mehr als 20 Euro.

Uniper-Chef Klaus Schäfer hat seinem Unternehmen zum Start einen harten Sanierungskurs verordnet. Uniper will bis die jährlichen Kosten um bis zu 500 Millionen Euro drücken und auch die Zahl der Mitarbeiter verringern.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%