Anonyme Bewerbungen: Familienministerin Schröder will Chancengleichheit bei der Jobsuche verbessern

Anonyme Bewerbungen: Familienministerin Schröder will Chancengleichheit bei der Jobsuche verbessern

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Jobsuche: Derzeit nicht einfach für Neueinsteiger

Kein Name, kein Foto, kein Geburtsdatum – geht es nach Bundesfamilienminsterin Kristina Schröder (CDU) braucht in Zukunft kein Bewerber mehr diese Angaben preisgeben. Ein Modellversuch soll zeigen, ob die gut gemeinte Idee auch in der Praxis funktioniert.

Fachkräftemangel, Demografiewandel, mangelnde Ausbildungsreife jugendlicher Schulabgänger – die Wirtschaft leidet bereits heute in vielen Branchen unter einem eklatanten Mangel an geeigneten Bewerbern.

Auf der anderen Seite suchen viele qualifizierte Menschen, darunter Migranten, alleinerziehende Frauen oder Ältere, händeringend nach einem Job, scheitern jedoch meist schon in der ersten Bewerbungsrunde. Die wenigsten schaffen es, sich einmal persönlich in einem Unternehmen vorzustellen.

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Wer hat nun Schuld? Die Unternehmen, die bestimmte Bewerbergruppen schlicht ausblenden und sich dann über den Mangel an Bewerbern beklagen? Oder aber fehlt es in Deutschland wirklich an gut ausgebildeten Fachkräften?

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat die Wirtschaft im Verdacht. Heute startet ein Modellversuch, der klären soll, wie es um den Gleichberechtigungsgedanken in deutschen Personalabteilungen bestellt ist. Name, Alter, Herkunft, Familienstand – nichts davon soll erfährt der Personaler aus den Bewerbungsunterlagen erfahren. Damit das Verfahren in der ersten Stufe auch wirklich anonym bleibt, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wird eine neutrale Stelle "zwischengeschaltet", die den Lebenslauf an den entsprechenden Stellen schwärzt. Beim Bundesfamilienministerium soll das Bundesverwaltungsamt diese Aufgabe übernehmen. Bei den Unternehmen ist das meist einfacher, nutzen sie doch häufig Eingabemasken im Internet. Hier wird dann schlicht auf alle persönlichen Fragen verzichtet, nur die Qualifikationen werden erhoben. So erfährt der Personaler erst im persönlichen Gespräch, wer sich beworben hat.

Das anonymisierte Verfahren könnte behinderte Bewerber benachteiligen

Als Schröder ihre Pläne im Sommer öffentlich machte, hagelte es Kritik. So fürchtete der Chef des Verbandes der Beschäftigten der obersten und oberen Bundesbehörden, Hans-Ulrich Benra, dass das anonymisierte Verfahren behinderte Bewerber benachteiligen könnte. Denn wie sollten sie in Zukunft auf ihr Handicap hinweisen können?

Auch die Wirtschaft zeigt sich bislang skeptisch, fürchtet einen zu großen Aufwand durch das Verfahren. Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, sieht die Anonymisierung gar als Gefahr an. „In den für den Mittelstand typischen Personenunternehmen spielt nicht nur die Qualifikation des Mitarbeiters eine Rolle, sondern mindestens ebenso sehr die persönlichen Merkmale und die gemeinsame Wellenlänge des Bewerbers mit den vorhandenen Mitarbeitern“

Wohl auch deshalb hat Kristina Schröder bislang nur wenige Mitstreiter für ihr Projekt gefunden. Neben dem Bundesfamilienministerium, der Bundesagentur für Arbeit NRW und der Stadt Celle nehmen lediglich fünf Unternehmen an dem Testlauf teil: Die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, das Kosmetikunternehmen L'Oréal, der Geschenkdienstleister Mydays und der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble.

Positive Erfahrungen im Ausland

Andere europäische Länder haben bereits Erfahrungen mit der anonymisierten Bewerbung gesammelt.

In Schweden fand von Oktober 2004 bis Juni 2006 ein Modellprojekt im öffentlichen Sektor der Stadt Göteborg statt. Das Verfahren erwies sich dem Konstanzer Universitäts-Instituts für Zukunft der Arbeit (IZA) zufolge als effektiv. Für Frauen und Personen mit Migrationshintergrund erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für die Einladung zu einem Auswahlgespräch. In der Schweiz wurden die Chancen von ausländischen Jugendlichen erhöht, eine Lehrstelle zu finden.

In der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), unter deren Federführung das Projekt läuft, ist man daher guter Dinge, dass das Modell auch in Deutschland mehr Menschen in Arbeit bringen kann. „Entscheidend für die Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber sollte nur die Qualifikation sein“, sagt ADS-Chefin Christine Lüders. „Wir brauchen in Deutschland eine neue Bewerbungskultur.“

Ein Jahr soll der Modellversuch zunächst laufen. Ob das Verfahren danach übernommen wird, ist aber noch unklar. Walter Scheurle, Personalvorstand von Deutsche Post DHL, will das Modell in kleinem Rahmen testen und erst einmal die Ergebnisse abwarten. „Dann entscheiden wir, ob wir das Verfahren für alle Bereiche übernehmen.“

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