Anonymisierte Bewerbung: Blind Date für Personaler?

Anonymisierte Bewerbung: Blind Date für Personaler?

von Ulrich W. Hanke

Procter & Gamble, L’Oréal und andere Großkonzerne nehmen an einem Test mit anonymisierten Bewerbungen teil. Christine Lüders, 57, leitet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und erklärt das Projekt.

WirtschaftsWoche: Im Herbst starten Sie mit mehreren Unternehmen einen Test mit anonymisierten Bewerbungen. Eine Art Blind Date für Personaler?

Lüders: Bewerbungsverfahren sollen vorurteilsfreier verlaufen. Migranten, Frauen und Ältere sollten bessere Chancen bekommen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Ein Bewerber mit türkischem Namen hat laut einer Studie bis zu 14 Prozent weniger Chancen, eingeladen zu werden, als ein Bewerber mit deutschem Namen. Unternehmen können es sich nicht leisten, qualifizierte Menschen abzulehnen.

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Wie funktioniert das, irgendwann muss sich der Bewerber doch offenbaren?

Der bürokratische Aufwand ist nicht groß. Eine neutrale Stelle, etwa ein Sekretariat, könnte die Unterlagen anonymisieren. Wenn ein qualifizierter Bewerber vor einem Auswahlgremium sitzt, verliert so manches Vorurteil seine Kraft.

Wie viele Firmen sind dabei?

Wir haben Procter & Gamble, L’Oréal und drei Dax-30-Konzerne für einen Probelauf gewonnen. Mit zwei großen deutschen Unternehmen verhandeln wir noch. Die Testphase läuft ein Jahr. Unser Ziel ist es, die Sensibilität für Vielfalt zu erhöhen. Gesetzliche Regelungen streben wir nicht an.

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