Arbeiten in Australien: Ein Arbeitsvisum gibt es nur für Fachkräfte

Arbeiten in Australien: Ein Arbeitsvisum gibt es nur für Fachkräfte

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Opernhaus in Sydney

Australien löst seinen Fachkräftemangel durch selektive Einwanderungspolitik: Nur Fachkräfte, die gebraucht werden, kommen ins Land – wenn ein Unternehmen sie sponsert.

Australien ist für viele Auswanderer attraktiv. Doch in Australien dauerhaft zu arbeiten und zu leben, ist gar nicht mal so einfach – denn das Land lässt nur Fachkräfte rein, die gerade gesucht werden. "Für viele Berufsgruppen ist es geradezu unmöglich ein Arbeitsvisum in Australien zu bekommen", sagt Christian Haag, Sprecher der deutsch-australischen Industrie- und Handelskammer in Sydney. Generell gibt es für Einwanderer zwei Möglichkeiten, ein Arbeitsvisum zu bekommen: Entweder sponsert ein Unternehmen den Einwanderer oder er hat einen Beruf, an dem es in Australien gerade mangelt. So viele sind dies derzeit nicht. Im Juli kürzte die Einwanderungsbehörde die Liste mit Berufen, die es ermöglichen ein Arbeitsvisum aufgrund seiner Qualifikationen zu beantragen (Skilled Occupation List (SOL), von über 400 auf 181. Vor allem medizinisches Personal wird derzeit gesucht.

Einer, der über ein unbegrenztes Arbeitsvisum für Australien verfügt, ist Torsten Landwehr. Der Logistiker bewarb sich vor vier Jahren auf eine Anzeige einer deutschen Speditionsfirma in Australien, das Fachkräfte suchte. Es klappte, Landwehrs Qualifikation überzeugte den Arbeitgeber. Nur wenige Wochen später begann der damals 26-Jährige seinen neuen Job in Sydney. Landwehr blieb über zwei Jahre in der Firma und genoss die lockere Arbeitsatmosphäre, später wechselte er das Unternehmen und ist nach wie vor glücklich mit seiner Entscheidung, in Australien zu leben und zu arbeiten. "Überstunden sind selten. Australier leben das Sprichwort: work to live, don't live to work", sagt Landwehr.

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Nicht jeder ist auf Dauer willkommen

Allerdings hat nicht jeder die gleichen guten Chancen. Nicht jeder ist auf Dauer willkommen. "Eine gesunde Anzahl von qualifizierter Migration hilft, die schrumpfende Arbeitnehmerschaft und die alternde Bevölkerung auszugleichen", sagt eine Sprecherin der Einwanderungsbehörde. Ob jemand ein Visum bekommt, wird über ein Punktesystem ermittelt: Die Regierung vergibt für Kategorien wie Alter, Englischkenntnisse und Ausbildung Punkte. Auch die Flexibilität wird dabei bedacht: Einwanderer, die sich vorstellen können, in einer ländlichen Region zu arbeiten, haben bessere Chancen auf ein Arbeitsvisum.

Kritiker fürchten allerdings, dass der Mensch bei diesem Punktesystem auf bloßes Arbeitsmaterial reduziert wird. Frank Stilwell, Professor der Volkswirtschaft an der University of Sydney, verteidigt die regulierte Einwanderungspolitik als Teil der australischen Kultur: "So lässt sich die stets schwankenden Nachfrage nach qualifizierten Arbeitnehmern schnellstmöglich befriedigen. Es ist nun mal einfacher die nötigen Leute zu importieren, als langfristig in Bildung und Ausbildung zu investieren."

Integration ist selten problematisch

Einer, der vor der Einführung des Punktesystems nach Australien kam ist Richard Kamphenkel. Vor 30 Jahren schickte ihn sein damaliger Arbeitgeber, ein deutscher Automobilbauer, nach Down Under. Kamphenkel fand in Australien das Abenteuer, das er immer gesucht hatte – und blieb. "Früher war die Einwanderung einfacher, solange man Englisch konnte und einen Job hatte", sagt er heute. Der Deutsche kündigte seinen Job und kaufte 150 Kilometer nördlich von Brisbane ein Grundstück: das 530 Hektar große Bush-Camp Jabiru, aus dem er ein typisch australisches Camp gemacht hat. Er bietet Pferdetraining an, Touristen können hier übernachten und er arbeitet als Therapeut mit schwer erziehbaren Jugendlichen. Mit Erfolg: Der Staat fördert das Projekt. In dem Camp lebt der Deutsche in Häusern, die aus nicht viel mehr als Holz und einem Wellblechdach bestehen. Es sind Nachbauten der Häuser aus der Siedlerzeit.

Die Nachbarn halten ihn deshalb für Ur-australisch. Integration ist in dem traditionellen Einwanderungsland sowieso selten problematisch. Vielfältige kulturelle und sprachliche Hintergründe werden als wirtschaftlicher Motor betrachtet, der ausländische Märkte öffnen und somit Handel und Investition fördern kann. Dies spiegelt sich auch in den Arbeitslosenzahlen wieder: In Australien beträgt die Arbeitslosigkeit 4,2 Prozent – bei Australiern und bei Migranten. In Deutschland dagegen gibt es signifikante Unterschiede: Die Arbeitslosigkeit von Migranten ist hierzulande doppelt so hoch wie die von Deutschen.

"Australien ist ein Schmelztiegel der Nationen. Es wird immer unwichtiger, wo man herkommt. Was zählt ist, was du kannst", sagt Richard Kamphenkel.

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