Arbeitswelt: Wie wir uns aus dem Büro befreien – und dem Chef damit einen Gefallen tun

Arbeitswelt: Wie wir uns aus dem Büro befreien – und dem Chef damit einen Gefallen tun

Das Bild des "modernen Nomaden" ändert sich

In den Neunziger Jahren schrieben Tsugio Makimoto und David Manner erstmals ein Buch, in dessen Titel der Begriff des „digitalen Nomaden” vorkam und das vor allem die Segnungen neuester mobiler Gerätschaften pries.

Doch nach Einschätzung des "Economist" lagen diese Visionen daneben. Als sie verfasst wurden, war die Technik nicht so weit entwickelt wie heute - es gab Geräte, aber diese waren nicht miteinander verbunden.

Das damalige Bild des modernen Nomaden erforderte, dass er jede Menge tragbarer Technik mit sich herumschleppt und insofern eher dem Bild eines Astronauten entsprach - der seine gesamte lebenserhaltende Umgebung mit sich bringen muss, um zu existieren - als dem eines Beduinen.

Der aktuell zu beobachtende reale Trend, so der "Economist", existiere hingegen erst seit wenigen Jahren, weil die tatsächlichen modernen Nomaden sich, wie ihre Vorfahren in der Wüste, nicht durch das definieren, was sie mitnehmen, sondern durch das, was sie zurücklassen. Moderne Nomaden haben keine Papierunterlagen dabei, weil sie auf ihre Dokumente elektronisch zugreifen.

Zunehmend haben sie nicht einmal mehr ein Laptop dabei - ihnen reicht ein Blackberry oder iPhone - alle Informationen, die sie benötigen, sind online abrufbar. Außerdem umfasst die moderne Definition des digitalen Nomaden - oder eben Freiangestellten - nicht mehr notwendigerweise, dass er viel reist.

„Er kann genau so gut ein Teenager in Oslo, Tokio oder einer amerikanischen Kleinstadt sein, wie ein vielfliegender Geschäftsführer”, so der Economist. Manuel Castells, ein Soziologe der Universität von Süd-Kalifornien sagt: „Permanente Verbindung ist das kritische Element, nicht Bewegung.”

Emanzipation vom Schreibtischzwang

Wer gehört also zur Easy Economy? Eine globale McKinsey-Studie zeigt, dass so genannte komplexe Tätigkeiten - also keine Sachbearbeitung - in entwickelten Ländern wie Deutschland bereits jetzt 35 bis 45 Prozent aller Jobs ausmachen und dass ihr Anteil wächst.

Wir sprechen also von bald der Hälfte aller Beschäftigten, die so arbeiten kann. Der klassische Sachbearbeiter wird immer weniger gebraucht, weil Prozesse rationalisiert, durch Technologie ersetzt oder beschleunigt werden.

Prognosen gehen deshalb davon aus, dass sich in den nächsten vier bis fünf Jahren die Anzahl der Beschäftigten, die regelmäßig mobil und flexibel arbeiten, etwa verdoppeln wird. In einzelnen Ländern Europas - wie Schweden oder den Niederlanden - wird bis dahin schon jeder Vierte eine solche Arbeitsform wählen.

Und es lohnt sich: Beim amerikanischen Unternehmen Best Buy steig nach der Abschaffung der Anwesenheitspflicht die durchschnittliche Produktivität pro Mitarbeiter um 35 Prozent. Die freiwillige Kündigungsrate fiel um 52 Prozent in der Logistikabteilung und um satte 90 Prozent in der Online-Sparte des Unternehmens.

Andererseits stieg die Zahl der unfreiwilligen Kündigungen um 50 bis 70 Prozent. Weil sich unproduktive Kollegen nicht mehr hinter einer Show des Beschäftigt-Aussehens verstecken können, werden sie leichter enttarnt und gefeuert. Die Mitarbeiterzufriedenheit ist nach Messungen des unabhängigen Gallup-Instituts so hoch wie nie zuvor in der Geschichte des Unternehmens.

Das sind Zahlen die auch hierzulande Manager hellhörig machen. Die deutsche IBM lässt ebenfalls alle Angestellten arbeiten, wann und wo sie wollen. Dadurch hat sie knapp 50 Prozent der klassischen Bürofläche eingespart.

Außerdem wurde durch das mobile Arbeitskonzept der jährliche Energieverbrauch um 30. 000 Megawattstunden gesenkt - das sind eingesparte Millionenbeträge.

Anzeige

Wir sind die erste Generation, die sich vom Schreibtischzwang emanzipieren wird. Wir leben in der Informationsgesellschaft, aber arbeiten oft noch nach den Regeln der Industriegesellschaft. Das muss sich ändern, schon damit Deutschland in einer global vernetzten Wirtschaft mithalten kann.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%