Arbeitszeiten: Sozialer Jetlag begünstigt Übergewicht

Arbeitszeiten: Sozialer Jetlag begünstigt Übergewicht

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Die Deutschen werden immer dicker - Schuld daran soll unter anderem der soziale Jetlag sein.

von Jana Reiblein

Die üblichen Arbeits- und Schulzeiten stehen bei vielen Menschen der inneren Uhr, also ihrem eigens angeborenen Schlafrhythmus, entgegen. Forscher stellten jetzt fest, dass dieser sogenannte soziale Jetlag auch zu Übergewicht und Diabetes führen kann.

So mancher sitzt morgens schon um sieben Uhr topfit am Schreibtisch, während sich die Kollegen noch verstohlen die Augenringe reiben: Ob ein Mensch Früh- oder Spätaufsteher ist, wird dadurch bestimmt, welcher Chronotyp (vom griechischen Wort Chronos für Zeit abgeleitet) er ist.

Da gibt es die Lerchen, meist Kinder und ältere Menschen, deren innere Uhr sie früh aus den Federn reißt. Und es gibt die Eulen, vor allem Jugendliche, die morgens nur schwer aus dem Bett kommen. Im Erwachsenenalter bestimmen die Gene, ob jemand zum Früh- oder Spättyp gehört. Auch das Geschlecht und Umweltbedingungen, etwa die Lichteinstrahlung, haben einen Einfluss auf unseren eingebauten Taktgeber.

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Das Problem: Die gesellschaftlichen Gegebenheiten wie Arbeits- und Schulbeginn oder die Vorlesungszeiten im Studium zwingen alle Menschen unabhängig von ihrem Chronotyp, zu bestimmten Zeiten wach und leistungsfähig zu sein. Dieses Leben gegen die innere Uhr führt, ähnlich wie ein Jetlag nach einer Flugreise über mehrere Zeitzonen, zu einem sozialen Jetlag. Dies kann mit chronischem Schlafmangel einher gehen.

Der Chronobiologe Till Roenneberg von der Universität München und sein Team legten jetzt in "Current Biology" eine neue Studie vor, die die Auswirkungen des falschen Schlafrhythmus darlegt. 65.000 Fragebögen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgefüllt wurden, wurden dafür ausgewertet. Die Auswertung zeigt: Die Folgen des falschen Schlafs sind weit schwerwiegender, als nur ein bisschen schlapp und müde zu sein. Übergewicht bis zur Fettleibigkeit, sogar Diabetes werden demnach durch den unnatürlichen Lebensrhythmus begünstigt. Und mit etwa 70 Prozent der Bevölkerung sind nicht gerade wenig Menschen vom Phänomen des sozialen Jetlags betroffen.

Die Zivilisationskrankheit Übergewicht hat in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 51 Prozent der erwachsenen Bevölkerung erreicht. Neben Ernährung und körperlicher Aktivität beeinflussen viele weitere Faktoren den Anstieg des durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI); die Dauer und Qualität des Schlafs ist einer davon. Da die innere Uhr auch den Energiehaushalt des Körpers steuert, kann deren Störung laut Roenneberg auch zur Entstehung gewichtsbezogener Krankheiten, etwa Diabetes, beisteuern. Allerdings gilt der Zusammenhang zwischen sozialem Jetlag und Gewichtszunahme laut den Studienergebnissen nur für Personen, die bereits übergewichtig sind - für normalgewichtige Menschen trifft dies nicht zu.

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