Behinderte Manager: Karriere mit Handicap

Behinderte Manager: Karriere mit Handicap

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Boris Grandl hat Karriere gemacht: Vom Sozialhilfeempfänger zum erfolgreichen Managertrainer, der Hallen füllt. Seit einem Unfall ist er zu 90 Prozent gelähmt

Sie sind hoch qualifiziert und motiviert. Trotzdem mussten sie sich ihren Platz an die Spitze erkämpfen: behinderte Manager. Ihre Lebensgeschichten sind kaum erzählt worden – dafür aber enorm ermutigend.

Der Blick zurück fällt ihm erstaunlich leicht. Wenn Boris Grundl an seinen schweren Unfall zurückdenkt, spüre er kein Selbstmitleid, sagt der 43-Jährige. Keine Reue, nicht einmal ein Bedauern.

Als Student war er mit einem Freund nach Mexiko gefahren, sprang dort von einer Felsenklippe ins Wasser. Jugendlicher Übermut, den er teuer bezahlte: Beim Aufprall brach sich Grundl die Wirbelsäule. Seitdem sitzt er im Rollstuhl, querschnittsgelähmt, zu 90 Prozent. Nur noch seine Arme sowie einzelne Finger kann er bewegen. Natürlich wünscht er sich, er wäre damals besonnener gewesen. „Aber der Tag meines Unfalls ist für mich kein schwarzer Tag“, sagt er, „sondern schlicht der Start meines neuen Lebens.“ Gut 18 Jahre ist das jetzt her.

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Für viele wäre ein solches Handicap das Ende ihrer beruflichen Träume. Nicht für Grundl. Dank eines starken Willens und einer guten Portion Dickköpfigkeit hat er Karriere gemacht: vom behinderten Sozialhilfeempfänger zum Experten für Menschenführung mit großem Publikum. Grundl zählt zu den erfolgreichsten Managementtrainern Deutschlands, berät Kunden wie Microsoft, Daimler oder SAP und motiviert Entscheider mit dem Motto „Steh auf!“. Und wer könnte das glaubwürdiger als er?

"Ich bin das Ende aller Ausreden"

Sein Rollstuhl und sein Erfolg bescheren ihm die nötige Aufmerksamkeit, mit der er heute Kongresshallen füllt und die Wirtschaftsführer dort mit unbequemen Wahrheiten provoziert. „Wer mich hereinrollen sieht, kann nicht mehr lamentieren über die schwerfälligen Mitarbeiter, den schwierigen Markt, den unfähigen Vorstand. Ich bin das Ende aller Ausreden“, sagt Grundl selbstbewusst.

Der Unfall hat ihn stark gemacht – und gnadenlos gegenüber Weicheiern im Anzug. Das Gejammere über die Krise: in seinen Augen eine pure Bankrotterklärung.

Aber ist sein Beispiel wirklich übertragbar? Andere beraten geht ja vielleicht noch – aber selber führen? Bei Behinderten in der Arbeitswelt fallen den meisten nur Werkstätten ein. Oder sogenannte Integrationsfirmen – geschützte Orte, ohne Leistungszwang und Konkurrenzdruck. Aber einen Schwerbehinderten als Leiter und Lenker eines Konzerns einsetzen, mit Verantwortung über Millionen von Euro und Tausende von Mitarbeitern? Kann das sein? Darf das sein?

Natürlich sind die Fragen, so gestellt, entsetzlich unkorrekt. Aber insgeheim denken einige so: Wer behindert ist, kann kein Manager sein. Ein Klischee, so weit verbreitet wie falsch.

Behinderte müssen mehr leisten, um überhaupt wahrgenommen zu werden

Denn es gibt sie durchaus: Körperbehinderte, die mit eisernem Willen Bestnoten und Blitzkarrieren erreichen und nicht nur Abteilungen leiten, sondern ganze Unternehmen. Nebenbei glänzen manche sogar noch als Sportler oder Stifter.

So wie Julian Hadschieff, Chef von Humanomed. Mit einer Sehkraft von weniger als drei Prozent leitet er nicht nur Österreichs größten Privatklinikbetreiber, sondern läuft auch den Super G bei den Paralympics. Oder Joachim Schoss, Gründer des Webportals Scout24. Bei einem Motorradunfall verlor er einen Arm und ein Bein. Heute engagiert er sich für die internationale Vernetzung von Behinderten und investiert einen Teil seines Vermögens in die Internet-Plattform Myhandicap.

Oft bringen Manager wie Schoss oder Hadschieff genau das mit, was Führungspersönlichkeiten brauchen: Selbstbewusstsein, Motivation, Disziplin und Kampfgeist. Denn nur so haben sie ihren Weg an die Spitze meistern können. Hart bleibt die Karriere mit Handicap allemal.

Grundl weiß das, er hat es zigmal erlebt. „Treppen und Türen sind Hindernisse, mit denen ich umgehen kann“, sagt er, „aber die Klischees in den Köpfen der Menschen sind schwer zu knacken.“

Lange Zeit sei er chronisch unterschätzt worden. Es ist wie bei Frauen, die Karriere machen wollen: Sie müssen mehr leisten als Männer in gleicher Position, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

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