1. Mai: Warum holen wir Feiertage nicht einfach nach?

1. Mai: Warum holen wir Feiertage nicht einfach nach?

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Feiertage nachholen? Arbeitnehmer freuts, die Wirtschaft leidet.

Feiertage am Wochenende ärgern Beschäftigte und freuen Arbeitgeber. Der 1. Mai fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Andere Länder holen den Feiertag einfach nach. Das ist allerdings teuer.

Der "Tag der Arbeit" steht vor der Tür. An diesem Tag sollen die Deutschen nicht arbeiten. Nun fällt der Tag in diesem Jahr auf einen Sonntag, weshalb Gründe und Linke fordern, den Feiertag während der Woche nachzuholen. Die Argumentation ist ziemlich schräg: Die Arbeitnehmer sollen sich einmal im Jahr für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen dürfen. Dafür steht ihnen ein freier Tag zu - der erste Mai. Dieser Tag ist nicht dazu gedacht, auf dem Sofa zu liegen, die Oma zu besuchen oder den Garten umzugraben, sondern um bei Kundgebungen mit Trillerpfeifen und Transparenten Reformen und Verbesserungen in der Arbeitswelt einfordern. Was theoretisch jeder am Sonntag machen kann.

Jetzt sagt allerdings die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke, dass es doch schön wäre, wenn der Arbeitnehmer, der am Sonntag für seine Rechte gekämpft hat, sich davon am Montag erholen könnte. "Das hätte Charme. Dann haben Beschäftigte zum einen Zeit für die Kundgebung am Sonntag und können am freien Montag ihre Zeit der Familie widmen."

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Folgt man dieser Argumentation, müsste der zweite Mai grundsätzlich immer ein Feiertag sein. Dann können die Angestellten am 1. Mai trillern und am 2. Mai Zeit mit der Familie verbringen. "Es geht also offenkundig gar nicht mehr um die Sache selbst und um das damit verbundene Anliegen, sondern nur darum, frei zu haben, weniger zu arbeiten", sagt auch der CDU-Europaparlamentarier Herbert Reul. Das sei „oberflächlich und überhaupt nicht zeitgemäß.“

Trotzdem: Das Nachholen von "geklauten" Feiertagen ist in vielen Ländern Usus: Die Briten machen für den 1. Weihnachtstag, einfach am 27. Dezember frei, falls der Feiertag auf einen Sonntag fällt. Luxemburg erlaubt seinen Unternehmen sogar, selbstständig einen alternativen freien Tag festzusetzen, sollte einer der zehn gesetzlich garantierten Feiertage auf ein Wochenende fallen. Da findet Sabine Zimmermann von der Linkspartei, dass Deutschland nachziehen sollte. "Es kann nicht sein, dass den Arbeitgebern regelmäßig zusätzliche Arbeitstage geschenkt werden, die eigentlich als bezahlte Feiertage den Beschäftigten zustehen", sagte sie kürzlich der "Saarbrücker Zeitung".

Nun ist es - im internationalen Vergleich - so, dass sich die Deutschen insgesamt nicht über zu wenig freie Tage beschweren können. Je nach Bundesland kommen zum allgemeinen Urlaubsanspruch noch eine ganze Reihe religiöser Feiertage hinzu. "Wir haben mit die höchste Summe an Urlaubs- und Feiertagen weltweit", sagt Wirtschaftsforscher Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft (iw) in Köln. Folglich liege die Gesamtarbeitszeit international betrachtet auf sehr niedrigem Niveau. Jetzt noch Feiertage vom Wochenende nachholen? "Es ist nicht angezeigt, solche Wohltaten zu verteilen", findet er.

Feiertage sind ein teurer Spaß

Davon abgesehen, kostet jeder Feiertag, der auf einen Arbeitstag fällt, die Wirtschaft auch richtig Geld. Schröder rechnet vor: Mehr als zehn Milliarden Euro beträgt die Wertschöpfung an einem Arbeitstag. Selbst wenn ein großer Teil davon später nachgeholt wird, kommt da schnell 0,1 Prozent der Jahres-Wirtschaftsleistung zusammen. Fallen in einem Jahr viele Feiertage, die an ein festes Datum geknüpft sind, auf Arbeitstage, macht sich das deshalb auch in den Prognosen der Forscher zum Wirtschaftswachstum bemerkbar. Beispiel: In ihrer Frühjahrsprognose rechnet die Bundesregierung für 2017 mit 1,5 Prozent Wachstum - 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst erwartet.

Zur Begründung hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auch darauf verwiesen, dass 2017 in Deutschland zwei Arbeitstage weniger anfielen, was mit 0,2 Prozentpunkten weniger Wachstum zu Buche schlage. Dagegen sagt beispielsweise Wirtschaftsforscher Ferdinand Fichtner vom DIW in Berlin: "Das ist nichts, was die deutsche Wirtschaft umbringen würde." Dennoch hält er es für sinnvoller, Angestellten statt einem Zwangsfeiertagsersatz lieber einen zusätzlichen bezahlten Urlaubstag zu gewähren, den jeder einsetzen kann, wann er möchte.

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