Ada-Lovelace-Festival: Da sind die Pionierinnen

Ada-Lovelace-Festival: Da sind die Pionierinnen

von Lin Freitag

Die IT-Branche hat ein Problem: Sie besteht zum größten Teil aus weißen Männern. Das muss sich ändern.

Wer sich an diesem Donnerstagmorgen umschaut, mag sich denken: Da sind sie doch! Was beschweren die sich denn immer alle? Rund 350 Frauen haben sich am Berliner Veranstaltungsort Bolle versammelt. Und das Allerbeste ist: Alle können programmieren, codieren oder zumindest verstehen, worüber jene sprechen, die es können. Rund 350 Frauen aus der Techwelt – das ist doch zumindest mal ein Anfang.

Aber mehr auch nicht. Denn außerhalb dieser kleinen feinen Berliner Blase sieht die Welt anders aus. Laut Bundesagentur für Arbeit lag der Frauenanteil in der Informatik-, Informations- und Telekommunikationsbranche 2014 bei gerade einmal 15,8 Prozent. Daran wird sich vermutlich auch in den vergangenen zwei Jahren nicht viel geändert haben.

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Das ist nicht viel. Und symptomatisch. Ausgerechnet jene Branche, die aus dem Silicon Valley heraus an unserer aller Zukunft werkelt, hat ein echtes Problem: Sie besteht zum größten Teil aus weißen Männern.

Connecting Women in Computing & Technology

  • Über das Ada-Lovelace-Festival

    Sie sind wieder da, die Pionierinnen! Das Ada Lovelace-Festival findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Ziel der Vorträge, Workshops und des sich Austauschens: Mehr Diversität in der Techwelt.
    Benannt wurde die Veranstaltung nach Ada Byron Countess of Lovelace. Die Mathematikerin  entwickelte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Programm für eine leider nie fertiggestellte „Analytical Engine“, eine Rechenmaschine von Charles Babbage, die als Vorläufer der modernen Computer gilt.

    Damit es künftig noch viel mehr Adas gibt, unterschreiben Sie unser Manifest unter:
    http://community.wiwo.de/diversity/

Doch wie sollen die eine Zukunft gestalten, die mit großer Wahrscheinlichkeit ganz anders aussehen wird? Vielfältiger. Und vor allem weiblicher. Dass bunt gemischte Teams aus Mann und Frau, farbig und weiß, jung und alt gerade für neue Lösungen und Geschäftsmodelle unablässig sind, ist den meisten klar. Wie sollen neue Ideen entstehen, wenn alle gleich denken?

„Wenn das Internet nur von Männern gestaltet wird, werden bestimmte Bereiche komplett ausgeklammert“, sagt Miriam Meckel, Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, bei der Eröffnung des Ada-Lovelace-Festivals der Wirtschaftswoche, das an diesem Donnerstag und Freitag zum zweiten Mal stattfindet. Das zeige sich zum Beispiel schon in der Zusammensetzung der Wikipedia-Autoren. 86 Prozent der Autoren sind männlich. In der Praxis führt das dazu, dass es etwa eine Vielzahl an Einträgen zum Thema Krawatten gibt - aber kaum etwas über Menstruationsbeschwerden.

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Das Silicon Valley will bei der Suche nach neuen Mitarbeitern das Denken in Stereotypen abschaffen.

Im Hackerparadies: Beim Wettprogrammieren wie hier sind meist Männer in der Mehrzahl. Quelle: dpa

Um über dieses Missverhältnis zu sprechen, haben sich rund 300 Frauen aus Startups, IT-Abteilungen, Denkfabriken und Konzernen versammelt. Unter anderem werden Telekom-Vorstand Claudia Nemat und IBM-Vorstandsvorsitzende Martina Köderitz sprechen.

Und Gesche Joost. Die Berliner Professorin und Internetbotschafterin der Bundesregierung spricht über das Internet der Dinge und wie es dabei helfen kann, mehr Diversität in die Welt zu bringen. Zum Beispiel entwickle ihr Team einen Handschuh, der das Internet für Menschen zugänglich macht, die weder hören noch sehen können. Mithilfe von Sensoren auf der Handinnenfläche können Nachrichten direkt auf ein Smartphone übersetzt und gesendet werden. Ein anderes Beispiel aus ihrem Zukunftslabor: Eine intelligente Socke, die die Fußtemperatur bei Diabetespatienten misst.

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