Ada Lovelace Festival: "Frauen müssen nicht gefördert werden"

Ada Lovelace Festival: "Frauen müssen nicht gefördert werden"

von Lin Freitag

IBM-Chefin Martina Koederitz ist Pragmatikerin. Deshalb hat sie zum Thema Frauenförderung auch eine eigene Meinung.

„Ich bin es leid.“ Mit diesen Worten beginnt Martina Koederitz ihren Vortrag auf dem zweiten Ada-Lovelace-Festival, das sich für mehr Diversität in der Tech-Branche einsetzt. Seit 30 Jahren werde sie gefragt, warum es so wenige Frauen in der Informatik gibt. Ihre Antwort: „Warum lassen wir uns das überhaupt noch fragen?“ Frauen sind doch super, so wie sie sind. Wer sich ändern muss, das sind die Männer, die immer noch nicht den Nutzen gemischter Teams verstanden haben.

Martina Koederitz arbeitet seit 1987 bei IBM. Im Laufe ihrer Karriere war sie häufiger die einzige Frau. Sie startete als Systemberaterin, nach mehreren anderen Stationen im Vertrieb wurde sie 1998 zur Sales Managerin im Finanzdienstleistungssektor ernannt. Seit Mai 2011 steht sie an der Spitze des IT-Konzerns in Deutschland, seit April 2013 verantwortet die Betriebswirtin auch noch Österreich und die Schweiz.

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Möglich war das alles auch, weil IBM schon immer etwas mehr Vielfalt gelebt hat als andere Unternehmen. Schon 1934 beschloss IBM-Gründer Thomas Watson gleiches Geld für alle, egal ob Mann oder Frau. 1943 bekam das Unternehmen die erste farbige Vizepräsidentin. Und seit 2012 steht mit Virginia Rometty eine Frau an der Spitze des gesamten Unternehmens. Das „Manager Magazin“ nahm die Personalie damals als Beweis, dass die gesamte Tech-Branche in ein neues Zeitalter eintritt: Es beginnt die Zeitrechnung, in der Frauen die Macht übernehmen.

Karrieretipps von Martina Koederitz

  • Tipp 1

    Seid nicht so perfekt! Manchmal muss man einfach machen.

  • Tipp 2

    Hört weg, wenn wieder irgendein Mensch sagt: Frauen können das nicht.

  • Tipp 3

    Seid offensiver! Wer in seinem Unternehmen nicht gehört wird, muss gehen!

Das war wohl etwas zu optimistisch. Martina Koederitz ist jedoch davon überzeugt, dass die nahe Zukunft das Problem lösen wird. Und zwar nicht aufgrund von Quoten oder Gutmenschentum, sondern weil es schlichtweg nicht anders geht. „Teams müssen vielfältig sein“, sagt sie. Und zwar aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Die Digitalisierung ist mit den vorhandenen Ressourcen einfach nicht zu stemmen. Es gebe jetzt schon zu wenig Menschen, die sich mit Programmieren und Codieren auskennen. Aber: „Wir definieren die Welt gerade neu – und zwar in Code“, sagt Koederitz. Das wiederum sei Neuland für alle. „Also beste Voraussetzung, Männer und Frauen gleichermaßen dafür zu begeistern.“

Ada-Lovelace-Festival Da sind die Pionierinnen

Die IT-Branche hat ein Problem: Sie besteht zum größten Teil aus weißen Männern. Das muss sich ändern.

Ada Lovelace Festival Quelle: Screenshot

Anlass zur Hoffnung gibt eine Zahl: Laut einer Studie des Statistischen Bundesamt ist die Anzahl der Frauen deutlich gestiegen, die Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik studieren. Waren es in den Jahren 2007 und 2008 lediglich etwas über 40.000 Frauen, stieg die Anzahl im vergangenen Jahr auf immerhin 62.000.

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Über das Ada-Lovelace-Festival

Sie sind wieder da, die Pionierinnen! Das Ada Lovelace-Festival findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Ziel der Vorträge, Workshops und des sich Austauschens: Mehr Diversität in der Techwelt.

Benannt wurde die Veranstaltung nach Ada Byron Countess of Lovelace. Die Mathematikerin  entwickelte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Programm für eine leider nie fertiggestellte „Analytical Engine“, eine Rechenmaschine von Charles Babbage, die als Vorläufer der modernen Computer gilt.

Damit es künftig noch viel mehr Adas gibt, unterschreiben Sie unser Manifest unter:

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