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Alexander SätteleBurnout und Depression - wenn der Job einen fast umbringt

Zuerst war der Berliner Rechtsanwalt Alexander Sättele ausgebrannt, dann wurde er depressiv – im Juni ließ er sich in eine Klinik einweisen. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche erzählt er, was andere über die Krankheit nicht zu sagen wagen.Daniel Rettig 28.08.2013 - 06:00 Uhr

Der Berliner Rechtsanwalt Alexander Sättele plant für die Zukunft sich selbstständig zu machen

Foto: Götz Schleser für WirtschaftsWoche

Die Oberbergklinik Berlin/Brandenburg liegt in einem Waldgebiet im Örtchen Wendisch Rietz, 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Aus den Zimmern blicken die Patienten auf den Glubigsee. Die Ruhe und Idylle ist gewollt, denn sie sollen hier vor allem: runterkommen.

Der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger erwähnte den Begriff Burn-out bereits 1974. Damals beobachtete er an Sozialarbeitern körperliche und geistige Erschöpfung. Unter Medizinern ist der Begriff heute umstritten: Burnout ist keine offizielle Diagnose, Psychiater sprechen lieber von Depressionen.

Experten gehen davon aus, dass allein in Deutschland vier Millionen Menschen depressiv sind – und die Krankheit ist eine der Hauptursachen für einen Selbstmord. „Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen“, sagte der ehemalige Swisscom-Chef Carsten Schloter in einem Interview im Mai. „Das schnürt Ihnen die Kehle zu.“ Ende Juli brachte Schloter sich um, ebenso wie im Jahr 2009 der Milliardär und Ratiopharm-Gründer Adolf Merckle oder Nationaltorwart Robert Enke.



Sind Sie Buronout-gefährdet?

Vor allem bei Männern bleiben psychische Störungen oft unerkannt – weil die sich häufig nicht trauen, darüber zu sprechen. Der Berliner Rechtsanwalt Alexander Sättele ist eine Ausnahme. Er ließ sich im Juni mit Depressionen in die Oberbergklinik einweisen und spricht im Interview offen über seine Krankheit – und seine anschließende Heilung.

WirtschaftsWoche: Herr Sättele, wie kam es so weit?

Stättele: Die letzten Jahre waren für mich beruflich sehr anstrengend. Seit 2008 war ich in Berlin Partner einer Anwaltskanzlei. Am Anfang machte das großen Spaß. Doch 2010 wurde mein Vater schwer krank und fiel ins Koma. Ich hatte einerseits in Berlin beruflichen Stress, versuchte aber andererseits, meinen Vater am Bodensee so häufig wie möglich zu besuchen.

Schafften Sie Ihr Pensum trotzdem?

Natürlich blieb einiges liegen. Als es meinem Vater wieder besser ging, machte ich den ersten Fehler: Ich wollte noch mehr Gas geben. Um mich abzulenken, aber auch um Dinge nachzuarbeiten. Deswegen ignorierte ich die Erschöpfung. Ich konnte mich schlecht konzentrieren, mir fielen Namen von Mandanten nicht mehr ein, die Lektüre von Akten war mühsam. Aber ich wollte mir die Schwäche nicht eingestehen. Und das verschlechterte meine Verfassung zusätzlich.

Inwiefern?

Ich wurde immer frustrierter. Und dachte: Mensch, du Weichei, jetzt jammere nicht herum und pack mal zu!

Sie wollten also immer mehr, konnten aber umso weniger.

Ja. Doch anstatt mir das einzugestehen, blieb ich immer länger im Büro. Unter der Woche gerne bis nach 22 Uhr, auch am Wochenende. Doch de facto war ich völlig ineffizient. An manchen Tagen starrte ich stundenlang auf den Bildschirm und führte unnötige Telefonate. Und das frustrierte mich zusätzlich.

Wie wirkte sich das auf Ihre Stimmung aus?

Ich verlor meinen Lebensmut, die Luft war raus. Irgendwann war mir alles gleichgültig. Der Gedanke, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen, erschreckte mich nicht mehr.

Selbstwertschätzung

Spaß macht vor allem das, auf das man stolz sein kann. Daher sollte man seiner Arbeit den richtigen Wert beimessen und sie als Handwerkskunst sehen, statt als Mittel zum Zweck. Die richtige Einstellung macht’s.

Foto: Fotolia

Wissen, was Spaß macht

Um Freude am Job zu haben, muss man vorher identifizieren, was einem genau Spaß bei der Arbeit bereitet. Eine Liste hilft dabei, die Spaßfaktoren auszumachen. Dann gilt es so viel von den angenehmen Punkten der Liste während des Arbeitstags unter zu bringen. Und schon bereitet der Job im Ganzen mehr Freude.

Foto: Fotolia

Das Beste aus einer Aufgabe machen

Immer wieder landen Aufgaben auf dem Schreibtisch, die einem weniger Freude bereiten. Die Lösung ist, nicht darüber zu jammern, sondern das Beste aus ihnen zu machen und ihnen gute Seiten abzugewinnen. Vielleicht ist es auch möglich, die Aufgabe zu verändern, seinen Vorstellungen anzupassen oder um einen Aspekt, der einem liegt, zu ergänzen. Um so agiler und schneller kann man sie auch anpacken – und sich dem nächsten Spaßmacher widmen.

Foto: Fotolia

Salamitaktik

Ein Arbeitsberg mag demotivierend wirkend – je nach dem aus welcher Perspektive man ihn betrachtet. Teilt man sich die Masse in kleine Häppchen auf, wirkt die Aufgabe schon weniger erschreckend – und jedes Teilergebnis wird zum anspornenden Erfolg.

Foto: dpa/dpaweb

Sich nicht runter ziehen lassen

Volkswirte wissen: Arbeit gilt als „Ungut“ oder als sogenanntes „Schlecht“ – je weniger davon, um so besser. Dementsprechend freuen sich auch die meisten Menschen, wenn sie ihren Arbeitsplatz Richtung Zuhause, Kneipe oder Fitnessstudio verlassen können. In der Gesellschaft von Arbeitsplatz-Nörglern und Miesepetern ist es schwer, seine positive Einstellung zu erhalten. Um so mehr gilt es, sich nicht runter ziehen zu lassen und gegen den Strom zu schwimmen.

Foto: Fotolia

Stress bedeutet keinen Erfolg

Wer Stress hat, sei fleißig, erfolgreich, geht scheinbar in seiner Arbeit auf – Stress ist in. Weder ist dieser Vergleich, noch ist diese Einstellung richtig. Stress belastet Körper und Geist. Wer tatsächlich Freude an der Arbeit hat, empfindet diese auch nicht als Bürde und Belastung. im Gegenteil: Sie geht einem dann eher leichter von der Hand.

Foto: Fotolia

Weiterentwicklung

Wer immer in einer Position verharrt – nicht nur karrieretechnisch, sondern auch geistig – verliert über kurz oder lang den Spaß an der Arbeit. Wer aktiv an sich arbeitet, sich verbessert und weiter entwickelt, hat auch mehr Freude an seiner Arbeit. Daher lautet die Devise, sich nach Weiterbildungsmöglichkeiten zu erkundigen, von Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern zu lernen, sowie an Konferenzen teilzunehmen, die nichts mit dem direkten Aufgabenbereich zu tun haben. Das motiviert nicht nur, sondern fördert auch die Karriere.

Foto: Fotolia

Aufgabentausch

Des einen Leid, ist des anderen Freud. Berichte zu schreiben, mag beispielsweise für den einen eine Last, für den anderen jedoch eine Erfüllung sein. Also tauscht man die Aufgaben untereinander und entlastetet sich gegenseitig. Unterm Strich stehen mehr Spaß, Motivation und bessere Arbeitsergebnisse.

Foto: dpa

Ändern, was man ändern möchte

Keiner muss tief stapeln und bei seinen Ansprüchen kurz treten. Man sollte einfach mal sammeln, wie für jemanden der perfekte Job aussähe und dann die Liste mit dem aktuellen Zustand vergleichen. Was fehlt, sollte man dann versuchen zu ändern. Allerdings sollte man zugleich nicht zu sehr nach den Sternen greifen. Wem ewig nur die Sterne gut genug sind, wird nie glücklich werden, mit dem, was man hat.

Foto: Fotolia

Die kleinen Dinge schätzen lernen

Jeder sollte auch die Augen offen halten für die kleinen Freuden des Arbeitsplatzes: Ein Plausch mit Kollegen, ein Klopfer auf die Schulter, ein gutes Lied im Radio oder ein freundlicher Kunde oder Geschäftspartner.

Foto: dpa

Alternativen suchen

Ob man mit seinem Arbeitsplatz zufrieden ist oder nicht – man sollte seine Fühler immer nach Alternativen ausstrecken. Dazu gehört etwa, über die Firma hinaus berufliche Kontakte zu pflegen, zum Beispiel auf Fachmessen, und einfach mal Initiativbewerbungen zu verschicken. Wer merkt, dass seine Expertise auch in anderen Unternehmen geschätzt wird, geht mit viel mehr Selbstbewusstsein und Elan an seinen bisherigen Arbeitsplatz.

Foto: Fotolia

Burnout
Peter Michael Roth ist seit August 2012 Chefarzt der Oberbergklinik in Wendisch Rietz. Der Psychiater weiß, dass Burnout-Patienten wie Sättele häufig eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur haben.
Betroffen sind selten die faulen oder untätigen Mitarbeiter, sondern meist die besonders Engagierten, Perfektionisten oder solche, die sich für unersetzbar halten. „Wenn hohe Leistung in der Kindheit eine große Rolle gespielt hat, trifft es solche Menschen im Berufsleben zuerst“, sagt Roth. Denn sie muten sich häufig zu viel zu.
Im vergangenen Jahr ließen sich in Deutschland so viele Arbeitnehmer aufgrund psychischer Leiden krankschreiben wie noch nie. Wie die Deutsche Angestellten-Krankenkasse bekannt gab, fehlte 2012 wegen psychischer Beschwerden jeder 22. Arbeitnehmer – mehr als doppelt so viele wie 1997.
43 Prozent der Erwerbstätigen glauben, dass der berufliche Stress in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist. Das heißt aber nicht, dass heute mehr Menschen psychische Störungen haben. Vielmehr sind Ärzte und Patienten mittlerweile sensibler. Das ist auch gut so, findet Psychiater Roth: „Lieber ein Patient mehr, der sich fälschlicherweise für depressiv hält, als ein Depressiver, der sich keine Hilfe holt.“

Haben Ihre Kollegen das nicht bemerkt?

Zunächst nicht. Es ist erstaunlich, wie lange ich nach außen hin noch funktionierte. Und welche Methoden ich entwickelte, um meinen Zustand zu verschleiern.

Wie verschleierten Sie Ihren Zustand?

Heimlich länger bleiben. Oder: gegen 18 Uhr das Büro verlassen, erst mal eine Runde Sport machen, danach zurück ins Büro – damit es niemand merkt.

Sind Ihnen im Nachhinein weitere Fehler aufgefallen?

Es fällt mir sehr schwer, nein zu sagen – etwa wenn Kollegen Hilfe brauchen. Meistens habe ich mir das dann auch noch aufgebürdet, obwohl ich wusste, dass ich eigentlich schon zu viel zu tun habe. Aber wenn sich dieses Muster einmal einprägt, handelt man immer gleich.

"Jetzt schreibt einmal jeder auf, was ihn am anderen stört" - kein Scherz, das kann helfen. Karrierecoach Martin Wehrle empfiehlt, Konflikte mittels Stift und Papier zu deeskalieren. Schreiben Sie die gemeinsamen Ziele auf, bevor Sie sich wegen einem kleinen Detail in die Haare kriegen und das große Ganze aus dem Blick verlieren. Die Ziele seien nämlich meist gleich, auch wenn man sich über den Weg uneins sei, sagt Wehrle.

Foto: Fotolia

Zweifel am Chef, Zweifel an den Kollegen, Zweifel an sich selbst. Verzweiflung, Verärgerung, Verunsicherung. "Woran liegt es, dass sich die Gelassenheit aus dem Staub macht?" fragt Katja Niedermeier, Autorin des Ratgebers "Gelassenheit im Job". Sie ist davon überzeugt, dass jeder sein Potential an innerer Ruhe selbst vergrößern kann.

Foto: dpa-tmn

Selbstbewusstsein

Ihnen ist ein Fehler unterlaufen, es wird Ihnen heiß und kalt. Sie wissen, dass gerade etwas anbrennt und Sie ahnen, dass der Karren mit Schmackes gegen die Wand fährt. Das einzige, was Sie jetzt noch steuern können ist das Selbstwertgefühl, das Sie dabei haben. Wer sich seines eigenen Wertes sicher ist, kann leichter mit Niederlagen umgehen.

Foto: Fotolia

Angst
Der Umgang mit Angstgefühlen ist wichtig. In den seltensten Fällen ist es im Alltag notwendig, Angst zu haben. Enttarnen Sie dieses ominöse Gefühl und ersetzen Sie es durch Vertrauen und Zuversicht. Erfolgreiche Menschen haben keine Angst, denn Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, die Lösung des Problems zu finden.

Foto: dpa

Selbstreflexion
Ihre täglichen Begegnungen spiegeln Ihr Selbst, beziehungsweise Ihr Selbstbild. Zumindest die Begegnungen, die Ihre Gefühle beeinflussen. Menschen, die Ihnen auf die Nerven gehen, die Sie verärgern oder ausbremsen, sind nichts weiter als Projektionen. Welche Eigenschaften haben diese Menschen, welche auch Sie haben oder was Sie gern hätten?

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Vergebung
Du liebe Zeit, nun lassen Sie es auch einmal gut sein. Sie vergeuden Ihre Energie, wenn Sie permanent alte Wunden aufreißen, nur um sie dann wieder zu lecken. Üben Sie sich in Nachsicht, überlassen Sie das „Bestrafen“ der höheren Macht und delegieren Sie das Finden des Strafmaßes an selbige. Kümmern Sie sich um das, was gut ist. Und seien Sie nicht immer so streng zu sich selbst.

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Ego
Kein Gekränkt-Sein, kein Verunsichert-Sein, keine Minderwertigkeitskomplexe oder Macht- bzw. Rache-Gelüste ohne das Ego. Anstatt Ihrem Ego zu erlauben, sich wieder und wieder aufzuplustern, sollten Sie lieber Ihr wahres Selbst stärken. Wenn Ihr Selbst größer ist als Ihr Ego, sind Sie gegen sämtliche Kritik gefeit und Energiediebe bleiben Ihnen automatisch fern.

Foto: Fotolia

Nun ist ja erst mal nichts falsch daran, ehrgeizig und fleißig zu sein.

Natürlich nicht. Allerdings ist es für leistungsorientierte Menschen schwierig, auch mal nichts zu tun oder Arbeit zu delegieren. Dahinter steckt oft ein Anerkennungsproblem oder Angst vor Ablehnung. Nach dem Motto: Wenn ich jetzt Nein sage, findet der andere mich blöd oder hält mich für faul...

Warum haben Sie nicht früher etwas gesagt?

Klar, so hätte ich früher auch gedacht. Aber als Betroffener denkt man anders. Man glaubt, das Problem selbst lösen zu können. Psychische Erkrankungen stoßen in der Gesellschaft auf wenig Akzeptanz. Wenn Sie Glück haben, werden Sie bemitleidet – aber das wollte ich erst recht nicht. Es ist schon ein großer Schritt zu sagen: Ja, ich bin krank.

Wann sind Sie diesen Schritt endlich gegangen?

Anfang Mai. Wobei: „Gegangen“ trifft es nicht. Es war offensichtlich, dass ich kurz vor dem Zusammenbruch stand. Deshalb sprachen die Kollegen mich eines Tages an und sagten: Es geht nicht mehr.

Sah man Ihnen das an?

Ja. Ich hatte 20 Kilo abgenommen, denn ich aß wenig und machte gleichzeitig sehr viel Ausdauersport. Da hatte ich zunächst das Gefühl, noch etwas leisten zu können. Doch am Schluss hatte der Sport gewisse Selbstbestrafungstendenzen.

Wie meinen Sie das?

Wer depressiv wird, der spürt kaum noch etwas. Sie können sich an nichts mehr erfreuen und sind völlig gleichgültig. Erfolge sind Ihnen egal, Misserfolge auch. Ich hatte das Gefühl, nichts mehr beeinflussen zu können, mein Leben zog an mir vorbei. Und um überhaupt noch etwas zu spüren, machte ich extrem viel Ausdauersport.

Was bei der Arbeit stresst
Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.
Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.
Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.
Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.
Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.
Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.
Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Tipps für den stressfreien Urlaub
Entspannung und Erholung stellen sich meist mit Verzögerung ein. Akklimatisieren Sie sich langsam. Leiten Sie den Urlaub mit ein paar "Puffertagen" ein. Ein, zwei Tage zu Hause, an denen Koffer gepackt und letzte Vorbereitungen getroffen werden, helfen, den Stress für Anreise zu mindern und erleichtern den Start in die Ferien.
Nehmen Sie sich während Ihrer letzten Arbeitstage Zeit, Ihre Abwesenheit vorzubereiten. Schreiben Sie eine Übergabe für Ihre Kollegen, delegieren Sie Aufgaben und richten Sie eine Abwesenheitsnotiz in Ihrem E-Mail-Programm ein.
Verzichten Sie im Urlaub möglichst auf den Gebrauch Ihres Mobiltelefons. Nutzen Sie ein privates Handy und hinterlassen Sie die Telefonnummer Ihres Hotels bei der Familie und in der Firma. Das erhöht die Hemmschwelle Ihrer Kollegen, Sie wegen Kleinigkeiten anzurufen.
Vermeiden Sie Freizeitstress im Urlaub. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Sie entscheiden, wie viele Gipfel Sie erklimmen, Bauwerke Sie besichtigen oder wie viel Sonne Ihnen gut tut.
Machen Sie eine Bestandsaufnahme. Fühlen Sie sich gut erholt? Nutzen Sie nach der Auszeit den unverstellten Blick auf schlechte Angewohnheiten, die sich eingeschlichen haben. Legen Sie Ihren ersten Arbeitstag auf Mittwoch oder Donnerstag mit der Aussicht auf ein freies Wochenende. Und fangen Sie langsam an.

Wie haben die Kollegen reagiert?

Einige waren geschockt, andere enttäuscht. Weil sie nicht verstehen konnten, warum ich nichts gesagt habe. So hätte ich auch reagiert. Aber ich habe gelernt, dass der Rückzug aus sozialen Bindungen Teil der Krankheit ist. Und je länger man sich zurückzieht, desto schwerer wird es.

Hatten Sie Ihren Freunden von Ihrer Situation erzählt?

Nein. Auch nicht meiner Frau.

Und die ist aus allen Wolken gefallen?

Nein, sie ahnte es. Sie hatte mich oft gewarnt, dass ich mich auslauge. Aber das wollte ich weder wahrhaben noch an mich ranlassen.

Und wie ging es dann weiter?

Ich suchte einen Psychiater auf, der schlug eine stationäre Behandlung in der Oberbergklinik vor. Der Arzt schrieb mir eine Überweisung, ich bekam glücklicherweise schnell einen Platz. Am 10. Juni habe ich den Koffer gepackt, das Auto in Berlin gelassen und den Zug hierher genommen.

Fiel es Ihnen schwer, von der Umwelt abgeschnitten zu sein?

Zunächst nicht, denn in den ersten Wochen war ich über die Ruhe froh. Ich war sehr mit mir selbst beschäftigt und hatte kein großes Interesse an der Außenwelt.

Wie sahen seitdem Ihre Tage aus?

Nach dem Frühstück hatte ich eine Stunde Einzeltherapie und zwei Stunden Gruppentherapie, am Wochenende haben die Patienten frei. Dazu kommen ergänzende Angebote, etwa die Gestaltungstherapie.

Was ist das denn?

Malen, töpfern oder kneten – eine Art Kunstunterricht.

Sie lächeln gerade, fanden Sie die Gestaltungstherapie schräg?

Ja, wie zunächst alles hier. Als ich ankam, hatte ich ein paar Wochen Antidepressiva genommen und deswegen bessere Laune. Ich dachte: In ein, zwei Wochen bist du hier raus, und alles ist wieder gut.

Ein Irrtum.

Absolut. Ich musste erst mal lernen, zur Ruhe zu kommen und mich zu öffnen. In den Einzel-, aber vor allem in den Gruppensitzungen. Ich hatte vorher keine therapeutische Erfahrung. Und nun saß ich mit Fremden zusammen und erzählte ihnen sehr private Dinge. Daran musste ich mich gewöhnen, das braucht Zeit.

Und wie geht es jetzt weiter?

Ich bin aus meiner alten Sozietät ausgeschieden. Ich muss noch mein Büro ausräumen und mir neue Räume suchen. Dann mache ich mich selbstständig – aber bescheidener als früher.

Auch finanziell?

Sicherlich. Wenn man hier ist, entwickelt man ein Bedürfnis nach Reduktion. Vieles erscheint mir im Nachhinein völlig überflüssig.

Zum Beispiel?

Das fängt bei der Größe des Autos an und hört bei der Wohnungseinrichtung auf. Ich stelle nun alles Materielle infrage. Klar, ich habe immer gerne gut gelebt und möchte das auch weiterhin tun. Aber die Prioritäten haben sich verschoben.

Haben Sie drüber nachgedacht, etwas ganz anderes zu machen?

Das habe ich mit den Therapeuten ausführlich diskutiert. Aber der Beruf an sich ist nicht das Problem. Ich bin gerne Verteidiger und will das weitermachen. Aber langsamer und bewusster als früher. Was ich nicht schaffe, gebe ich ab.

Und der Lebensmut ist wieder da?

Ja, absolut. Ich fange noch mal neu an. Darauf freue ich mich, ich bin neugierig und auch optimistisch.

Viele Betroffene würden sich nie öffentlich äußern. Warum tun Sie das?

Ich sehe das nicht als Outing, mein Umfeld weiß ohnehin Bescheid. Außerdem finde ich das Thema zu wichtig, um zu schweigen. Wir müssen doch nicht immer nur darüber reden, was für tolle Hechte wir alle sind – sondern auch darüber, welche Risiken und Gefahren in unserem Job lauern. Und mein Beispiel zeigt: Man kann etwas dagegen tun und die Krankheit überwinden. Es gibt keinen Grund, sich zu verstecken.

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