Alltagsforschung: Jobwechsel machen glücklich

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Neuer Arbeitsplatz, neue Kollegen, mehr Geld: Jobwechsel machen glücklich.

Kolumne von Daniel Rettig

Wer jahrelang im selben Unternehmen arbeitet, wird irgendwann unzufrieden. Zwei neue Studien zeigen: Ein Jobwechsel lohnt sich - sowohl für die Psyche als auch für das Portemonnaie.

Langsam wird es knapp. Noch etwas mehr als zwei Jahre, dann feiere ich mein zehnjähriges Dienstjubiläum. Dabei hatte ich mir geschworen, es niemals so weit kommen zu lassen. Ein paar Jahre Erfahrungen sammeln, dann bräuchte ich eine Luftveränderung – dachte ich zumindest. So kann man sich täuschen. 

Zumindest auf der Chefetage ist man wechselwilliger. Die Unternehmensberatung Strategy& untersuchte vor einigen Jahren in einer Studie die 2500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen und die 300 größten Unternehmen in Deutschland. Das Ergebnis: Im Schnitt bleiben Vorstandsvorsitzende im deutschsprachigen Raum etwa sechs Jahre im Amt.

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Irgendwie auch kein Wunder. Eine lebenslange Karriere beim selben Arbeitgeber ist längst eher die Ausnahme als die Regel. Unternehmen setzen zunehmend auf Freiberufler, mit unbefristeten Verträgen gehen sie sparsam um. Und das wirkt sich auch auf die Einstellung der Arbeitnehmer aus: Das Gefühl der Jobsicherheit sinkt, die Wechselbereitschaft steigt.

So stellen Sie fest, ob die Arbeitsqualität stimmt

  • Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten

    Können die Beschäftigten Einfluss auf die Arbeitsmenge nehmen?

    Ist es ihnen möglich, die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen?

    Können sie ihre Arbeit selbstständig planen?

     

    Quelle: Gute-Arbeit-Index 2015

  • Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten

    Bietet der Betrieb berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten?

    Können die Beschäftigten eigene Ideen in ihre Arbeit einbringen? Ihr Wissen und Können weiterentwickeln?

    Haben Sie Aufstiegschancen?

  • Führungsqualität und Betriebskultur

    Gibt es Wertschätzung durch Vorgesetzte? Hilfe von Kolleginnen?

    Ein offenes Meinungsklima? Wird rechtzeitig informiert? Planen die Vorgesetzten gut?

    Wird Kollegialität gefördert?

  • Sinn der Arbeit

    Haben die Beschäftigten den Eindruck, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten? Einen wichtigen Beitrag für den Betrieb?

    Identifizieren sie sich mit ihrer Arbeit?

  • Arbeitszeitlage

    Wird am Wochenende gearbeitet? In den Abendstunden? In der Nacht?

    Wird von den Beschäftigten erwartet, ständig für die Arbeit erreichbar zu sein?

    Leisten sie auch unbezahlte Arbeit für den Betrieb?

  • Soziale und emotionale Anforderungen

    Sind die Beschäftigten respektloser Behandlung ausgesetzt?

    Müssen sie ihre Gefühle bei der Arbeit verbergen?

    Kommt es zu Konflikten oder Streitigkeiten mit Kund/innen, Patient/innen, Klient/innen?

  • Körperliche Anforderungen

    Muss in ungünstigen Körperhaltungen gearbeitet werden? Bei Kälte, Nässe, Zugluft?

    Müssen die Beschäftigten körperlich schwer arbeiten?

    Sind sie bei der Arbeit Lärm ausgesetzt?

    Widersprüchliche Anforderungen und Arbeitsintensität?

    Gibt es Arbeitshetze? Unterbrechungen des Arbeitsflusses? Schwer zu vereinbarende Anforderungen?

    Werden alle arbeitswichtigen Informationen geliefert?

    Müssen Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung gemacht werden?

  • Einkommen und Rente

    Wird die Arbeit leistungsgerecht bezahlt?

    Hat das Einkommen ein Niveau, dass sich davon leben lässt?

    Wird die Rente, die sich aus der Erwerbstätigkeit ergibt, später zum Leben reichen?

  • Betriebliche Sozialleistung

    Gibt es ausreichend Angebote zur Altersvorsorge im Betrieb?

    Werden Maßnahmen zur Gesundheitsförderung offeriert?

    Werden Sozialleistungen geboten, z.B. Kinderbetreuung, Fahrtkosten- oder Essenszuschüsse?

    Beschäftigungssicherheit / Berufliche Zukunftssicherung?

    Sind die Beschäftigten in Sorge, dass ihr Arbeitsplatz durch technische Veränderungen oder Umstrukturierungen überflüssig wird?

    Machen sie sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft? Um den Arbeitsplatz?

Das deckt sich auch mit einer LinkedIn-Studie. Das Karrierenetzwerk befragte im vergangenen Jahr etwa 10.500 Personen, die sich zwischen Dezember 2014 und März 2015 beruflich verändert hatten – ausgeschlossen jene, die intern befördert worden waren.

Lohnt sich ein Jobwechsel?

Hauptgrund für den Abschied vom früheren Arbeitgeber waren fehlende Entwicklungsmöglichkeiten (45 Prozent der Nennungen), Unzufriedenheit mit dem Führungspersonal (41 Prozent) und Unzufriedenheit mit Arbeitsumgebung oder Firmenkultur (36 Prozent). Hauptargument für den Start bei einem anderen Unternehmen waren bessere Karrierechancen (59 Prozent) und eine bessere Bezahlung (54 Prozent).

Tipps zum Jobwechsel "Manchmal hat man einfach etwas Besseres verdient"

Keine Lust mehr auf den alten Job? Acht Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer wollen kurz- bis mittelfristig kündigen. Wir haben mit Bewerbungsexperte Jürgen Hesse gesprochen, was Jobwechsler beachten müssen.

Jobwechsel als Resultat: Schlechte Bezahlung, Unterforderung, gemeiner Chef, unfreundliche Kollegen. Quelle: Fotolia

Aber stimmt das: Profitieren Angestellte tatsächlich von einem Jobwechsel? Lohnt sich die berufliche Luftveränderung, sowohl für das Portemonnaie als auch für die Psyche?

Diesen Fragen gingen nun zwei neue Studien nach. Die Managementforscherin Shoshana Dobrow Riza von der London School of Economics nutzte für ihre Untersuchung Daten des Bureau of Labor Statistics. Das Statistikamt des US-Arbeitsministeriums befragt in zwei Langzeitstudien bereits seit 1979 Amerikaner zu ihrem Berufs- und Privatleben. Riza wertete ausschließlich die Antworten jener Personen aus, die einen festen Arbeitsplatz hatten – insgesamt waren das immerhin 21.670 Menschen.

Und siehe da: Je älter die Befragten waren, desto zufriedener waren sie grundsätzlich mit ihrer Arbeit. Zwischen dem Lebensalter und der beruflichen Zufriedenheit besteht offenbar ein positiver Zusammenhang.

Unwissenschaftlich formuliert: Ältere sind glücklicher.

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1 Kommentar zu Alltagsforschung: Jobwechsel machen glücklich

  • Jobwechsel bringen leider auch jede Menge Risiken: Bei einem Wechsel aus einem unbefristeten Arbeitsvertrag heraus läuft beim neuen Arbeitgeber erstmal die Probezeit. Kommt es dann zu einer Auftragsflaute oder allgemeinen Rezession, droht Arbeitslosigkeit. Außerdem ist der neue Arbeitsvertrag meist auf 2 Jahre befristet, d.h. auch hier kann am Ende Arbeitslosigkeit stehn. Während des befristeten Vertrages haben Mitarbeiter oft kein Anrecht auf Fortbildungen etc.

    Problematisch sind auch Betriebsrenten und Zeitwertkonten beim Arbeitgeberwechsel: Wenn man die Betriebsrente nicht mitnehmen kann, bleibt die Stillegung oder aber die Fortführung mit eigenen Beiträgen. Eine ungefördert fortgeführte Betriebsrente gilt beim ALG II aber als private Vorsorge, die nur in bestimmten Grenzen als "nicht verwertbares Vermögen" gilt. Wer diese Grenzen überschreitet, erhält ALG II nur noch als Darlehen. Man kann die Betriebsrente auch mit Riesterförderung fortführen, aber wenn man schon einen Riestervertrag hat, scheidet auch diese Möglichkeit aus.

    Ähnliches gilt beim Zeitwertkonto: Kann man sein Zeitwertkonto nicht mitnehmen zum neuen Arbeitgeber, muss man es sich auszahlen oder auf die GRV übertragen lassen. Leider zahlt die GRV - anders als der Arbeitgeber - keine Arbeitgeberbeiträge im Auszahlungsfall.

    Kurzum: Jobwechsel in Zeiten unsicherer Arbeitsverhältnisse und abgebauter Sozialversicherungsleistungen bergen unkalkulierbare Risiken!

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