Anonyme Bewerbung: Übertriebene Euphorie

KommentarAnonyme Bewerbung: Übertriebene Euphorie

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Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Christine Lüders erklärte, dass von anonymen Berwerbungen besonders Frauen profitieren würden.

von Daniel Rettig

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist begeistert von einem Pilotprojekt zu anonymen Bewerbungen – angesichts der Datenlage eine gewagte Aussage.

Christine Lüders darf zufrieden sein. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gab heute vor Journalisten in Berlin eine Pressekonferenz – und so ziemlich jeder scheint ihr aus der sprichwörtlichen Hand zu fressen.

Gibt man bei Google News die Wörterkombination „Anonyme Bewerbungen“ ein, ähneln sich die Überschriften fast aufs Wort: „Anonyme Bewerbung erhöht Jobchancen“ schreiben die einen, „Anonyme Bewerbung bietet Frauen bessere Chancen“ die anderen. Oder auch: „Anonyme Bewerbungen schützen vor Diskriminierung“.

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Immer dann, wenn fast alle dasselbe berichten, sollte man hellhörig werden – und so ist es auch in diesem Fall. Aber der Reihe nach.

Anlass der Pressekonferenz ist eine Studie (.pdf), die die Europa-Universität Viadrina gemeinsam mit dem Institut zur Zukunft der Arbeit erstellte. Die Wissenschaftler kooperierten dafür mit insgesamt acht Organisationen – fünf Unternehmen, drei Behörden.

Chancengleichheit

Über einen Zeitraum von zwölf Monaten anonymisierten die Teilnehmer insgesamt 8550 Bewerbungen. Will sagen: Ohne den Namen, das Geschlecht und die Nationalität zu kennen oder das Gesicht auf einem Bewerbungsfoto zu sehen, entschieden die Personaler, ob sie jemanden zum Jobinterview einladen wollten oder nicht.

Knapp 1300 Personen wurden innerhalb des Projekts zu einem Eignungstest oder einem Vorstellungsgespräch eingeladen, 246 Personen erhielten daraufhin ein Jobangebot oder einen Ausbildungsplatz – macht gerade mal 2,8 Prozent. Für Christine Lüders ist der Fall dennoch klar. Das Fazit der Studie falle positiv aus, denn man habe „Chancengleichheit hergestellt im anonymisierten Bewerbungsverfahren“.

Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Zugegeben, anonymisierte Bewerbungen sind eine Möglichkeit, um Diskriminierung im Bewerbungsprozess zu reduzieren. Doch die Schlussfolgerung, dass allein dadurch Chancengleichheit entsteht, ist naiv – insbesondere dann, wenn man sich die Studie genau durchliest. Vor allem aus drei Gründen.

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