Ansehen: Aufsteiger in Unternehmen werden geachtet

ThemaKarriere

Ansehen: Aufsteiger in Unternehmen werden geachtet

Der Rang von Personen ist weniger entscheidend für ihr soziales Ansehen als der Weg dahin. Auf derselben Position wird dem Aufsteiger mehr zugetraut als dem Absteiger. Zumindest gilt das für Amerika, wie Experimente zeigen.

Tellerwäscher, die zum Millionär geworden sind, werden in freiheitlichen, kapitalistischen Gesellschaften zu Helden. In den USA ist das der kern des nationalen Selbstverständnisses, des "American Dream". Das öffentliche Ansehen wird nicht so sehr vom absoluten Status bestimmt, sondern von der Bewegung. Nicht der Sohn des reichen Vaters, sondern der erfolgreiche Sohn des armen Vaters ist das Ideal. Wer einen vierten Platz durch Aufstieg erreicht, wird höher geschätzt, als wer durch Abstieg von der Führungsposition dahin gelangt ist. Das gilt für Menschen innerhalb von Organisationen ebenso wie für Institutionen oder Produkte, wie der Ökonom Nathan Pettit von der New York University jetzt mit Experimenten bestätigen konnte, über die die Zeitschrift "Wirtschaftspsychologie Aktuell" berichtet.

Wie sich Rangänderungen aufs Prestige auswirkten, überprüften Pettit und seine Kollegen in fünf Untersuchungen, die sie unter der Überschrift "Aufsteigende Sterne und sinkende Schiffe" in der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlichen:

Anzeige

Im ersten Experiment untersuchten sie das Ansehen eines Mitarbeiters. Dafür sollten 269 Probanden einen Teammitarbeiter „Lee“ einschätzen, der im Mitarbeiterranking auf Platz 4 stand. Er wurde als sympathischer eingeschätzt, wenn er diesen Rangplatz durch Aufstieg (von Platz 6 auf 4) als durch Abstieg (von Platz 2 auf 4) erreicht hatte.

Im zweiten Experiment ging es um das Ansehen einer Universität. 103 befragte Teilnehmer fanden eine Universität besser, die durch Aufstieg als durch Abstieg auf Platz 11 einer Uni-Rangliste landete. Wieder war es so, dass nicht der absolute Rang bestimmte, wie viel Kompetenz der Uni zugetraut wurde, sondern die Dynamik innerhalb der Rangliste.

Im dritten Experiment zeigte sich, dass dieses Muster auch für leblose Waren gilt. 55 Teilnehmer bevorzugten eine Luxusuhr, die in einer fiktiven Leserumfrage den Rangplatz 4 durch Aufstieg erhielt, gegenüber einer anderen, die diesen Platz durch Abstieg einnahm. Für die Aufsteigeruhr waren die Teilnehmer eher bereit viel Geld zu bezahlen als für die Absteigeruhr.

Das wachsende Ansehen von Aufsteigern lässt auch ihre Glaubwürdigkeit steigen, wie das vierte Experiment zeigte: In einem Wissensspiel, in dem die 121 Teilnehmer das Geburtsdatum Mozarts angeben sollten, zeigte sich, dass die Probanden eher auf den Rat eines fiktiven Teampartners hörten, wenn dieser auf einer Rangliste den Status „Silver League“ durch Aufstieg statt durch Abstieg erreicht hatte.

In abgeschwächter Weise übertrugen die 248 Teilnehmer im fünften Experiment den Ansehensverlust durch Abstieg auch auf sich selbst. Wenn sie Platz 6 innerhalb eines 11-köpfigen Teams durch Abstieg statt durch Aufstieg erreicht hatten, schätzten sie die Auswirkungen nicht ganz so gravierend ein wie bei anderen Probanden, denen dasselbe widerfahren war.

Weitere Artikel

Für eine extrem dynamische und antitraditionelle Gesellschaft wie die amerikanische überraschen diese Ergebnisse nicht. Es wäre interessant zu vergleichen, wie es um das Ansehen des Auf- oder Absteigers in statischeren Gesellschaften, zum Beispiel im Nahen Osten, oder konsensorientierten Ländern wie Japan bestellt ist. Universal übertragbar dürften die Experimente von Pettit wohl nicht sein.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%