AOK-Fehlzeitenreport 2015: Kaum in der Lehre, schon krank

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AOK-Fehlzeitenreport 2015: Kaum in der Lehre, schon krank

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Eine junge Frau sitzt verzweifelt an ihrem Arbeitsplatz.

von Anke Henrich

Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, wenig Schlaf: Der AOK-Fehlzeitenreport 2015 offenbart, wie gesundheitlich angeschlagen schon Auszubildende sind.

Jahr für Jahr analysiert Deutschlands größte Krankenkasse die Daten ihrer Versicherten: In welcher Berufsgruppe haben sich besondere viele Mitarbeiter krankgemeldet – und warum? Erstmals ging es nun um die Gesundheit der rund 1,4 Millionen Auszubildenden in Deutschland. Ergebnis: Schon die jungen Mitarbeiter klagen über die gleichen Probleme wie ihre älteren Kollegen.

Ein Drittel der Auszubildenden vermeldet häufig auftretender körperliche und psychische Beschwerden. Jeder Fünfte gibt zu, dass ihn zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung, wenig Schlaf, Suchtmittelkonsum oder die Dauernutzung digitaler Medien körperlich belasten. Helmut Schröder, Mitherausgeber der Studie, warnt: „Betriebliche Gesundheitsförderung auch für diese Zielgruppe stellt einen Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen dar. Mittelfristig werden in vielen Branchen und Regionen gesunde Auszubildende händeringend gebraucht.“

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Auffällig ist, dass schon die jungen Auszubildenden gut darin sind, sich ihre Gesundheit schön zu reden, obgleich sie es besser wissen. Vier von fünf Auszubildenden schätzen ihren Allgemeinzustand als gut oder sehr gut ein. Aber zugleich leidet nach eigener Aussage schon mehr als die Hälfte der Befragten unter häufigen körperlichen und 46 Prozent auch unter über psychischen Beschwerden. Rund 25 Prozent kennen Kopfschmerzen nur zu gut, 21 Prozent zieht es schon im Kreuz. Auch der Seele geht es nicht viel besser: 36 Prozent der Auszubildenden leiden unter Müdigkeit, Mattigkeit oder Erschöpfung. 15 Prozent fühlen sich bereits ausgebrannt.

Das alles liegt aber nicht nur am subjektiv hohen Druck einer Ausbildung. Zu einem großen Teil passen die Lehrlinge wider besseres Wissen nicht gut auf sich auf. So beschreibt sich ein Viertel der Befragten als Bewegungsmuffel. 27 Prozent verzichten auf ein regelmäßiges Frühstück, 16 Prozent streichen das tägliche Mittagessen. Dafür schlagen 17 Prozent der Azubis in hohem Maße bei Fast Food – vor allem Männer - und Süßigkeiten – vor allem Frauen - zu.

Problematischer erscheint den Fachleuten der Krankenkasse aber das Thema Schlafmangel. Ein Drittel der Jungen und ein Viertel der Mädchen schleppen sich mit weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht zur Arbeit, entschieden zu wenig in diesem Alter. Darüber hinaus raucht mehr als jeder dritte Auszubildende und fast jeder Fünfte zeigt einen schon riskanten Alkoholkonsum.
Das rächt sich.

Je ungesünder die jungen Leute leben, desto unzufriedener äußern sie sich über die Situation im Job und ihre Entwicklungschancen dort. Während ein Fünftel der risikobehafteten Auszubildenden beklagt, dass sich ihr Vorgesetzter nicht ausreichend Zeit für sie nähme, sind es bei den gesunden Auszubildenden weniger als die Hälfte.

Wozu sich der AOK Report nicht äußert: Was ist das Huhn, was das Ei? Macht eine womöglich zu anspruchsvolle Ausbildung die Lehrlinge krank oder sind die gesunden jungen Leute einfach viel widerstandsfähiger?
Ausbildungsbetriebe, so der Rat der AOK, sollten mehr Wert auf die Gesundheitsprophylaxe auch ihrer Auszubildenden legen. Fast zwei Drittel von ihnen würden speziell auf sie zugeschnittene betriebliche Angebote bevorzugen.

Unabhängig vom Alter weist das Wissenschaftliche Institut der AOK auch jährliche Statistiken nach Berufsarten aus. Auffällig dabei ist: Die meisten Fehltage – nämlich rund 30 pro Jahr - gibt es bei Ver-und Entsorgern wie Müllwerkern, in der Metallverarbeitung und im Transportgewerbe. In all diesen Bereichen kommt es auch überdurchschnittlich oft zu Arbeitsunfällen, daher die hohe Zahl der Fehltage.

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Ebenfalls auffällig: Auch Altenpfleger und Callcenter-Mitarbeiter gehören aufgrund ihrer Arbeitsbelastung in die Gruppe stark gefährdeter Mitarbeiter. In den dienstleistungsorientierten Berufen gelten psychische Erkrankungen als das größte Übel.
Aber auch über alle Berufsgruppen hinweg werden seelische Erkrankungen zu einer immer größeren Gefahr für die Gesundheit. Im Vergleich zum Vorjahr 2013 haben sie 2014 um fast zehn Prozent zugenommen.

Mit 25 Tagen Ausfall pro Erkranktem dauerte die Fehlzeit im Betrieb mehr als doppelt so lange wie eine durchschnittliche Erkrankung der AOK-Versicherten, nämlich rund zwölf Tage. Der Durchschnitt sämtlicher Fehltage übers Jahr und über alle Berufe liegt bei 19 Tagen.

Gewinner der AOK-Statistik scheinen die Hochschullehrer, Ärzte und Softwareentwickler zu sein: Sie fehlen im Schnitt nur vier Tage pro Jahr am Arbeitsplatz.

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