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Arbeiten in 20 Jahren: Warum Vollzeit-Jobs keine Zukunft mehr haben

von Holger Alich Quelle: Handelsblatt Online

Wie werden wir morgen leben? Wird es uns auch in 20 Jahren noch gut gehen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Zukunftsforscher Prof. Horst W. Opaschowski in Zürich. Und hat eine einfache Antwort.

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski hat sich als Wissenschaftler und Vordenker einen Namen gemacht. Quelle: dpa
Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski hat sich als Wissenschaftler und Vordenker einen Namen gemacht. Quelle: dpa

ZürichSie lautet: 0,5x2x3. Das heißt: 50 Prozent der Beschäftigten werden in Zukunft das doppelte der heutigen Gehaltsniveaus verdienen. Doch dafür müssen sie dreimal so viel leisten. „Die Leistungsträger werden nie mehr Feierabend haben und werden noch mehr Druck und Stress aushalten“, erklärte Opaschowski auf einem Symposium in Zürich anlässlich des 100. Jubiläums der Deutsch-Schweizer Handelskammer.

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Die Leistungsdichte würde noch mehr zunehmen, die Schere zwischen Gewinner und Verlierer größer:„2030 wird jeder zweite Beschäftigte keine Vollzeitstelle mehr haben“, prognostizierte er. Es gäbe deshalb immer mehr einen Widerspruch: In erfolgreichen Industriestaaten wie Deutschland und der Schweiz würde die Wirtschaft und damit die Summe der zu verteilenden Güter weiter wachsen. „Doch die Leute werden immer unzufriedener.“

Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart, der das Symposium moderierte, fragte danach, „ob die Formel 0,5x2x3 nicht durch 100, nämlich den Sozialstaat“ geteilt werden müsse. Wie der Sozialstaat in 20 Jahren aussehen würde, darauf hatte auch Zukunftsforscher Opaschowski keine Antwort. „Er muss aber mehr von unten gestaltet werden, durch mehr direkte Demokratie“, glaubt er. Hierbei sei die Schweiz ein Vorbild.

Der wachsende Druck und die wachsende Unzufriedenheit würden ein Umdenken in der Gesellschaft auslösen, so Opaschowski. „An die Mär des 'immer mehr' glaubt niemand mehr. Lebensqualität darf nicht mit Lebensstandard verwechselt werden“, betonte er.

Sicherheit werde höher geschätzt als Freiheit. „Daher erlebt die Familie eine Renaissance. Der Trend der Individualisierung hat seinen Zenit überschritten“, so Opaschowski. Die Politik dagegen habe arg an Boden verloren: 85 Prozent der Schweizer und gar 93 Prozent der Deutschen glaubten, dass die Politik die jeweiligen Länder schlecht auf die Zukunft vorbereiten. Auch hierbei sei mehr direkte Mitbestimmung ein Mittel, die Menschen wieder für Politik zu begeistern.

Wenn die Marktwirtschaft das Augenmerk mehr auf das Wohlergehen der Menschen läge und weniger auf rein materielle Maßstäbe, dann habe das System der Marktwirtschaft weiter eine Zukunft. Als weitere Zukunftstrend erwartet Opaschowski, dass 2030 jeder dritter Spitzenjob mit einer Frau besetzt würde. Angesichts der alternden Bevölkerung würde die Wirtschaft zudem verstärkt auf die Generation der über 50jährigen zurückgreifen. Gesundheit sei die „Religion der Zukunft“ mit entsprechenden guten Aussichten für Pharma- Bio- und die Pflegebranche.

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