Deutsche Bahn will Deutschlands beliebtester Arbeitgeber werden

Arbeitgeberimage: So will die Bahn der beste Arbeitgeber der Nation werden

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Deutsche Bahn: Reinigung der Züge von Graffiti.

von Kerstin Dämon

Für den Wandel vom piefigen Staatskonzern zum angesagten Mobilitätsdienstleister braucht die Bahn Querdenker. Um sie zu ködern, will sie Deutschlands bester Arbeitgeber werden. Kann das klappen – bei den Problemen?

Christoph Kraller ist Geschäftsführer der Südostbayernbahn, einem Regio-Netz der Deutschen Bahn. Zum Interview mit Wirtschaftswoche Online kam er nicht pünktlich – weil sein Zug Verspätung hatte. Zum Image der Deutschen Bahn passt das hervorragend: Dauerbaustellen, temporäre Sperrungen und die üblichen Signalstörungen bei alljährlicher Preiserhöhung sorgen für Frust bei den Fahrgästen.

Die Krisenkommunikation des Konzerns – Stichwort Xavier – könnte deutlich besser sein und viele Firmenkunden sind sauer auf die Güterbahn. Selbst DB Cargo-Chef Jürgen Wilder hat auf das Unternehmen keine Lust mehr und pfeift auf die Vorstandskandidatur.

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Immer wieder buttert der Bund Geld in seinen ehemaligen Konzern, damit der von seinen 18 Milliarden Euro Schulden runter kommt: Ende 2016 gab es 2,4 Milliarden Euro von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), ab dem nächsten Jahr will er der Bahn 350 Millionen Euro Schienenmaut für Güterzüge erlassen.

Zugverkehr Die Deutsche Bahn ist eine große Baustelle

Die Deutsche Bahn will besser als Fluglinien sein. Doch die Erfolge im Fernverkehr werden durch Pannen im Regio- und Gütergeschäft wieder zunichte gemacht.

Deutsche Bahn: Im Reich der zwei Geschwindigkeiten. Quelle: Deutsche Bahn

Trotzdem gehört die Deutsche Bahn bei Schülern und Hochschulabsolventen zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland, wie die alljährlichen Befragungen des Marktforschungsunternehmens Trendence zur Arbeitgeberattraktivität belegen.

„Wir fragen Schüler und Hochschulabsolventen, wer ihr Wunscharbeitergeber ist und wie sie Kampagnen von Unternehmen wahrnehmen“, fasst Annekatrin Buhl von Trendence die Methodik zusammen. Sprich: Rund 52.000 junge Menschen werden jedes Jahr gefragt, bei welchem Unternehmen sie am liebsten arbeiten möchten.

Kampagnen für Schüler, Studenten, Eltern und Absolventen

Bei den Kampagnen ist die Deutsche Bahn sehr umtriebig. „Kein Job wie jeder andere“, die sich an Schüler und Studenten richtete, fand vorwiegend über Social Media statt, über „Wir helfen Eltern zu helfen“, band der Konzern die Eltern potentieller Azubis ein und für Ingenieure organisierte die Bahn die „Backstage DB“-Events bei denen sich Interessierte per Virtual Reality-Brille verschiedene Berufsbilder anschauen konnten. Außerdem gibt es einen „Women&Experience Day“, der sich speziell an junge Frauen richtet. Das zahlt sich aus.

In diesem Jahr bekam die Deutsche Bahn den „Trendence Employer Branding Award“ in gleich drei Kategorien: Platz 1 in der Kategorie „Schüler“ für die Kommunikation auf Augenhöhe, Platz 2 in der Kategorie „Employer Branding Innovation des Jahres“ für die mehrsprachige Einbeziehung der Eltern in die Berufswahl ihrer Kinder und der dritte Platz in der Kategorie „Diversity“ für die Bemühungen, Mädchen und Frauen für technische Berufe zu begeistern. „Seitdem sich die Bahn so engagiert um neue Mitarbeiter bemüht, passiert beim Image einiges. Es wirkt tatsächlich, was die Deutsche Bahn da macht“, sagt Buhn.

Streiks wirken sich auf Arbeitgeberimage aus – aber nur kurz

Große Streikwellen bei der Bahn, wie sie beispielsweise vor zwei Jahren den Verkehr lahm legten, schaden laut Buhn dem Arbeitgeberimage. „Aber mittlerweile ist davon nichts mehr zu spüren.“ Konzerninterne Querelen sind den Bewerbern dagegen offensichtlich egal.



Dieses Jahr liegt die Bahn bei den jungen Wirtschaftswissenschaftlern auf Platz 38 der 100 attraktivsten Arbeitgeber, 2016 war es Platz 52 und im Streikjahr 2015 Rang 47. Für Ingenieure und IT-Experten wird die Bahn laut der Trendence-Befragung der vergangenen Jahre immer attraktiver. 3,1 Prozent der 2017 befragten Ingenieure wollen bei der Bahn arbeiten, das reicht für Platz 13. Unter den Informatikern & Co. waren es 2,3 Prozent. Das entspricht Platz 32. Insgesamt – also über alle Fächergruppen und Altersstufen hinweg – schafft es die Bahn auf Platz 16 der beliebtesten 100 deutschen Arbeitgeber. Und hat sich vorgenommen, bis 2020 die Nummer eins zu werden, wie es im jüngsten Geschäftsbericht der Deutsche Bahn heißt.

Allein in diesem Jahr stellt die Deutsche Bahn 3.700 Azubis ein. 2016 lernten bei dem Konzern mehr als 11.000 Auszubildende, duale Studenten und „Chance plus“-Teilnehmer, die zum Beispiel keinen Schulabschluss haben oder Flüchtlinge sind. 92 Prozent, also 10.120 der Lehrlinge und Studenten werden übernommen. Damit ist der Konzern einer der größten Ausbilder in Deutschland. Trotzdem reicht das nicht.

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