Arbeitsalltag: Das Problem der Ablenkungen

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Arbeitsalltag: Das Problem der Ablenkungen

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Das Problem mit der Aufmerksamkeit.

von Daniel Rettig

Wird Ihre To-do-Liste niemals leer? Vielleicht sind sie zu undiszipliniert. Eine neue Studie resümiert: Selbst gewählte Ablenkungen sind schädlicher als äußere Unterbrechungen.

Eine Sekunde, ich muss noch rasch ... wo war ich stehen geblieben? Richtig, der Text.

Aber wissen Sie, da kam gerade eine Nachricht bei WhatsApp, und außerdem ist mein Rechner heute so langsam, man kommt praktisch zu nichts. Zum Glück bin ich da nicht allein.

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Das Marktforschungsinstitut Censuswide fand kürzlich heraus: Jeder deutsche Angestellte verdaddelt eigenen Angaben zufolge an jedem Arbeitstag etwa 38 Minuten wegen zu langsamer Technik. Mal fährt der Rechner zu langsam hoch, mal streikt der Drucker.

Wie es weltweit um die Work-Life-Balance bestellt ist

  • Spanien

    Bessere Zeugnisse stellen die Spanier ihren Arbeitgebern aus. Dort fühlt sich mehr als die Hälfte (56 Prozent) vom Arbeitgeber unterstützt.

  • Frankreich

    Noch weniger Vertrauen in ihren Arbeitgeber als die Deutschen haben die Franzosen. Dort meinen nur 41 Prozent der Mitarbeiter, dass ihr Unternehmen sie dabei unterstützt, Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang bringen zu können.

  • Deutschland

    Die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland fühlt sich beim Thema Work-Life-Balance von ihrem Arbeitgeber im Stich gelassen, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Hay Group zeigt.

  • USA

    Weltweit ist die Zufriedenheit in Zentral- und Nordamerika am höchsten. So geben 70 Prozent der Zentralamerikaner an, dass ihr Arbeitgeber für eine gute Work-Life-Balance sorgt. In Nordamerika sind es 65 Prozent.

Und dann auch noch diese ständigen E-Mail-Bombardements! Studien zufolge erhält ein Angestellter jeden Tag zwischen 18 und 37 E-Mails, die an ihn persönlich gerichtet sind. 60 Prozent der Menschen sind davon genervt und ignorieren sie weitgehend, angeblich wird nur jeder dritte E-Mail-Anhang vom Empfänger geöffnet. Und da sind all jene Mails noch nicht mit eingerechnet, die man nur deshalb erhält, weil irgendein geltungsbedürftiger Kollege wieder auf die fatale Funktion „Allen antworten“ geklickt hat.

Diese Unterbrechungen wären ja halb so wild. Doppelt so schlimm ist jedoch, dass wir uns danach erst mit Verzögerung wieder konzentriert an die Arbeit machen.

Aber welche Störungen sind schlimmer? Jene, für die wir selber verantwortlich sind? Also die WhatsApp-Mitteilung an den Partner, der Besuch bei Facebook, die Lektüre neuer Nachrichten, der Gang zum Kaffeeautomaten. Oder solche, für die wir nichts können, weil eine externe Quelle schuld ist – das klingelnde Telefon, der hilfebedürftige Kollege, die neue E-Mail?

Antworten auf diese Frage suchte nun Ioanna Katidioti, Doktorandin an der Universität von Groningen. Die Probanden ihrer Studie (.pdf) sollten eine Stunde lang E-Mails bearbeiten, in denen sich eine andere Person nach dem Preis für gewisse Produkte erkundigte. Diese sollten sie in einem simulierten Internetbrowser nachschlagen.

Zwischenzeitlich wurden die Freiwilligen abgelenkt – und zwar auf zwei Arten. Bei der einen Gruppe ploppte plötzlich ein weiteres Programm auf dem Bildschirm auf: In einem Chat sollten die Teilnehmer banale Fragen beantworten, etwa nach ihrer Lieblingsfarbe oder ihrem Lieblingsbuch. Die andere Gruppe konnte selbst entscheiden, wann sie das entsprechende Fenster öffnete und die Fragen beantwortete.

Katidioti stoppte nun, wie lange beide Gruppen für die gesamte Aufgabe brauchten. Und siehe da: Die unfreiwilligen Unterbrechungen waren deutlich harmloser.

Konnten die Testpersonen die Ablenkung selbst bestimmen, brauchten sie im Schnitt 1,5 Sekunden länger für eine E-Mail. Dasselbe Resultat erhielt Katidioti in einem zweiten Versuch. Hier saßen die Testpersonen vor einem Monitor, dadurch konnte die Wissenschaftlerin die Pupillenbewegungen aufnehmen. Und dabei entdeckte sie: Lenkten sich die Teilnehmer selbst ab, bewegten sich ihre Pupillen jedes Mal einen Sekundenbruchteil früher. Beinahe so, als spiegele sich die Entscheidung, sich einer Störung hinzugeben, in ihren Augen wider. Und dieser vermeintlich kurze Moment wirkte sich negativ auf die Leistung aus.

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