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Arbeitskräftepotenzial: Jeder Zehnte fühlt sich unterbeschäftigt

Von wegen faul: Wenn mehr Stellen da wären, würden viele Deutsche gerne mehr arbeiten. Das Arbeitskräftepotenzial geht weit über die offiziellen Arbeitslosen hinaus. Vor allem Frauen in Teilzeitjobs ist ihre Arbeit zu wenig.

Ford fährt wegen der brummenden Geschäfte auf seinem US-Heimmatmarkt die Produktion hoch und verkürzt auch in diesem Jahr die 14-tägigen Werksferien im Sommer. Die Fertigung in 20 Werken stehe nur eine Woche lang still, teilte der zweitgrößte US-Autobauer mit. Dadurch könnten 40.000 Fahrzeuge mehr hergestellt werden. Es gebe eine gewaltige Nachfrage vor allem nach Kleintransportern, die abgearbeitet werden müsse, sagte der zuständige Ford-Manager Jim Tetreault. Bereits 2012 fielen die Werksferien für die Ford-Arbeiter in den USA eine Woche kürzer aus. Zudem soll mit Sonderschichten die Produktion gesteigert werden. In drei Viertel der Fabriken werde in mehr als zwei Schichten gearbeitet, teilte das Unternehmen mit.

Mit diesen Maßnahmen will Ford dieses Jahr 240.000 zusätzliche Autos herstellen. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres verkaufte das Unternehmen knapp 13 Prozent mehr Autos und Pick-ups. Der gesamte US-Automarkt legte in dieser Zeit lediglich um sieben Prozent zu. Um die ehrgeizigen Ziele auch erfüllen zu können, will Ford rund 3500 Menschen zusätzlich einstellen - wenn auch vorerst nur auf Stundenbasis.

Bild: REUTERS

In Deutschland suchen weit mehr Menschen eine Arbeit als die offiziellen Arbeitslosen. Auf 7,4 Millionen Menschen haben Wissenschaftler des Statistischen Bundesamtes am Mittwoch das bislang ungenutzte Arbeitskräftepotenzial von Menschen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren beziffert. Sie verwendeten dabei Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die sich von der deutschen Arbeitsmarktstatistik unterscheiden.

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Der Reserve stehen rund 39,6 Millionen Erwerbstätige gegenüber. Zum Potenzial gehören neben 2,5 Millionen Erwerbslosen auch 2,0 Millionen Teilzeitbeschäftigte und 1,7 Millionen Menschen mit Vollzeitjobs von mindestens 32 Stunden, die dennoch mehr arbeiten wollen.

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Außerdem wurde eine „stille Reserve“ von 1,2 Millionen Menschen identifiziert, wie das Amt am Mittwoch berichtete. Von den Jobinhabern fühlte sich nahezu jeder Zehnte unterbeschäftigt. Vor allem Menschen in Teilzeitjobs - zu 72 Prozent Frauen - würden gerne mehr arbeiten, wenn sie könnten. Vollzeitbeschäftigte suchten meist nur kleine Zusatzjobs mit wenigen Stunden.

Das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial ist in Ostdeutschland deutlich höher als im Westen. Frauen sind stärker betroffen als Männer. Etwa jeder 20. der Nichterwerbspersonen wird von den Statistikern der „stillen Reserve“ zugerechnet. Das sind Menschen, die zwar grundsätzlich arbeiten könnten und wollten, aber derzeit nicht suchten oder einen Job zumindest kurzfristig nicht antreten könnten.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 16.08.2012, 06:51 UhrArbeitsvolumen

    Auf 7,4 Millionen Menschen haben Wissenschaftler des Statistischen Bundesamtes am Mittwoch das bislang ungenutzte Arbeitskräftepotenzial von Menschen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren beziffert


    Bei mir war das genauso! Ich könnte Vollzeit arbeiten, hab aber effektiv nur für max. 5 Std. genug zu tun.

    Damit ich also nicht zuviel nur blöd rumsitze, arbeite ich Teilzeit und seit dem gehts mir viel besser gesundheitlich!

    Das andere vergeudet nur meine Zeit und es ist anstrengend so zu tun, als hätte man genug zu tun.

    fast 8 Mio. Unterbeschäftigte resultieren auch aus dem sinkenden Arbeitsvolumen. Würden alle Vollzeit arbeiten, wie es gewünscht ist, hätten wir 14 Mio. Arbeitslose!

    Rationalisierung, Automatisierung, Abbau Gewerbliche Arbeitsplätze etc.... es wird nie wieder genug Arbeit für alle geben. Da müssen schon neue Modelle her. An Teilzeit für viele führt kein Weg vorbei.

    jedes Land hat andere Methoden, um die Arbeitslosigkeit zu beheben - viele machen es eben mit Teilzeitarbeit - es muss aber ein ausreichendes Einkommen bleiben und daran hapert es oft.

    wir ignorieren immer, dass immer weniger Arbeitskraft benötigt wird dank technologischer Innovationen.

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