Arbeitsleben: IG Metall fordert Anti-Stress-Verordnung

ThemaArbeitsmarkt

Arbeitsleben: IG Metall fordert Anti-Stress-Verordnung

Bild vergrößern

Mehr als jeder zweite deutsche Angestellte arbeitet in Urlaub und Freizeit, von fast jedem vierten erwarten Arbeitgeber Erreichbarkeit - laut repräsentativer lastminute.de-Studie von 2006

von Ferdinand Knauß

Die größte deutsche Industriegewerkschaft will eine gesetzliche Regelung und eine "Allianz gegen Stress in der Arbeitswelt". Die Regierung ist gesprächsbereit.

Die IG Metall schlägt zum Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastungen in der Arbeitswelt eine Verordnung vor. „Eine verbindliche Regelung, die psychische Belastungen mit anderen Gefährdungen in der Arbeitswelt durch Lärm, unzureichendes Licht oder Toxine gleichstellt, ist unverzichtbar“, sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der „Anti-Stress-Verordnung.“ Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssten an die neuen Probleme und Herausforderungen der Arbeitswelt angepasst werden. Urban forderte die Bundesregierung auf, eine solche Regelung in die Wege zu leiten.

Verlangen nach "Wertschätzung"

Anzeige

Die Forderung der Gewerkschaft kommt nur wenige Tage nachdem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen in der "Bild-Zeitung" die Unternehmen davor warnte, die Arbeitnehmer durch die Forderung nach dauernder Erreichbarkeit zu überlasten. Die Apelle der Ministerin bezeichnete Urban aber als "höchst unzureichend". "Wir haben den Eindruck, dass sie das Problem der Dauererreichbarkeit zwar erkannt hat. Aber unser Entwurf geht deutlich darüber hinaus", sagte IG Metall-Sprecher Jörg Köther. Eine deutlich geregelte Trennung von Arbeit und Freizeit gehört auch zu den Kerninhalten der Anti-Stress-Verordnung der IG Metall. Die neue Verordnung soll für alle Branchen und Beschäftigtengruppen verbindlich gelten. Die Verordnung formuliert Vorgaben für die Gestaltung der Arbeitsaufgaben, der Arbeitsorganisation, der sozialen Beziehungen, der Arbeitsplatz- und Umgebungsbedingungen und der Arbeitszeit, um Gefährdungen durch psychische Belastungen zu vermindern.

So soll etwa bei der Arbeit an Montagebändern sichergestellt werden, dass kurze Arbeitstakte nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigten führen und die Beschäftigten über eigene Handlungsspielräume verfügen. Der Entwurf sieht eine eindeutige Trennung von  Arbeitszeit und Freizeit vor, die die Beschäftigten vor permanenter Erreichbarkeit durch Kommunikationsmittel schützt. Zur Verringerung psychischer Belastungen verlangt der Entwurf „angemessenes Führungsverhalten“, das Beschäftigte in Kommunikations- und Entscheidungsprozesse einbezieht, ihnen Rückmeldung und "Wertschätzung" gibt. Dazu sieht er die Qualifizierung von Vorgesetzten in Sachen Mitarbeiterführung vor.

Von der Leyen sucht nach besseren Wegen

In von der Leyens Ministerium hieß es auf Nachfrage, man nehme den Gewerkschaftsentwurf als "Diskussionsvorschlag" an. Es gelte nun, zu klären, ob nicht branchendifferenzierte Regelungen oder Vereinbarungen auf Betriebsebene der bessere Weg seien als eine branchenübergreifende Regelung, wie sie die Gewerkschaft fordert. Von der Leyens Sprecher Christian Westhoff wies auf die Vereinbarung bei VW hin, wonach Mitarbeiter nach Dienstschluss keine E-Mails mehr auf ihre Smartphones geschickt bekommen.

Weitere Links

Der Verordnungsentwurf der IG Metall ist nach deren Angaben im Dialog mit Fachwissenschaftlern, betrieblichen Praktikern und Experten verschiedener Aufsichtsbehörden entwickelt worden. Eine Umfrage der Gewerkschaft unter Betriebsräten habe im vergangenen Jahr gezeigt, "wie hoch das Thema Stress in den Betrieben hängt", sagte Köther. Mit dem Entwurf der Anti-Stress-Verordnung will die IG Metall nun auch für eine Allianz aus Wissenschaftlern, Praktikern des betrieblichen Gesundheitsschutzes, Arbeitsmedizinern und Politikern werben. "Wir hoffen auf und arbeiten an einem sozialen Bündnis zur Bekämpfung psychischer Belastungen in der Arbeitswelt, der neuen Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts", sagte Urban.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%