Arbeitsmarkt 2012: Bewerber verzweifelt gesucht

Arbeitsmarkt 2012: Bewerber verzweifelt gesucht

, aktualisiert 14. Dezember 2011, 09:51 Uhr
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Der Flugzeugbauer Airbus will zusätzlich 4000 Mitarbeiter einstellen.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Nicht nur mehr Verantwortung, sondern auch mehr Geld: Das kommende Jahr bietet Akademikern gute Jobchancen. Naturwissenschaftler und Techniker werden von Personalchefs regelrecht hofiert.

KölnJoachim Sauer hat sich einiges vorgenommen. Der Arbeitsdirektor des Flugzeugbauers Airbus plant, die Beschäftigtenzahl nächstes Jahr kräftig aufzustocken. 4000 Mitarbeiter will Airbus zusätzlich einstellen – rund 60 Prozent davon Akademiker. „Die Nachfrage nach unseren Flugzeugen ist enorm“, sagt Sauer, der auch Präsident des Bundesverbands der Personalmanager ist. „Um die Produktpalette weiterzuentwickeln, benötigen wir eine Vielzahl hochspezialisierter Ingenieure.“

Nicht nur bei Airbus sorgt die gute Geschäftsentwicklung für hervorragende Jobaussichten. Die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind trotz der europäischen Schuldenkrise gut gefüllt. Um den Andrang zu bewältigen, suchen sie händeringend nach neuen Mitarbeitern. „In vielen Branchen gibt es deutlich mehr offene Stellen als Jobsuchende“, sagt Bernd Kraft, Deutschland-Chef des Stellenportals Monster. „Vor allem im Bereich von hochqualifizierten Fach- und Führungskräften erwarten wir im kommenden Jahr deshalb einen ganz klaren Bewerbermarkt.“

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Besonders gefragt sind Akademiker mit naturwissenschaftlich-technischem Hintergrund. Hier ist die Nachfrage mit knapp 240.000 offenen Stellen derzeit auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren, ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dadurch ergeben sich „exzellente Einkommensperspektiven“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. Auch die Karrieremöglichkeiten sind überdurchschnittlich gut: Über 40 Prozent der Naturwissenschaftler und Techniker mit Hochschulabschluss arbeiten der Untersuchung zufolge in leitender Position.


Gute Karten im Gehaltspoker

Das kommende Jahr biete Berufserfahrenen sehr gute Chancen, weiter an der Karriereschraube zu drehen, sagt Monster-Geschäftsführer Kraft: „Der eklatante Mangel an Fach- und Führungskräften stärkt die Ausgangsposition, wenn es darum geht, höhere Gehälter oder mehr Verantwortung durchzusetzen.“ Neben rein technischen Berufen gelte das auch für den Vertrieb, den Einkauf, das Marketing und die Logistik.

Von ihrer gestiegenen Verhandlungsmacht Gebrauch machen will jedoch nur eine Minderheit der Beschäftigten. Eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergab Ende November, dass sich lediglich 40 Prozent vorgenommen haben, ihre Karriere im Jahr 2012 gezielt voranzutreiben. „Vielen Arbeitnehmern wird erst jetzt richtig bewusst, dass sie in ihrem Job auch etwas fordern dürfen“, sagt Kraft.

Vor allem bei den Manager-Gehältern gibt es Luft nach oben: Die Vergütungen von Führungskräften können im kommenden Jahr im Schnitt um 7,6 Prozent steigen, ergab eine Prognose des Mannheimer Makroökonomie-Professors Tom Krebs im Auftrag der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt. „Um weiterhin krisenfest zu bleiben, greifen viele Unternehmen aber auf Einmalzahlungen zurück, während das Grundgehalt nur mäßig steigt“, sagt Personalmarkt-Geschäftsführer Tim Böger.

Wer von den Möglichkeiten, sein Gehalt aufzubessern, profitieren will, sollte sich allerdings beeilen. Deutliche Steigerungen seien vor allem im ersten Halbjahr 2012 erreichbar. „Gegen Ende des nächsten Jahres wird es mit den Gehaltszuwächsen vorbei sein“, sagt Böger. „Ob dann, wie schon in den vergangenen Jahren, eine längere Durststrecke folgt, wird durch die Dauer der Krise bestimmt.“


Treue der Mitarbeiter erhalten

Welche Strategie sich am besten eignet, um auf der Karriereleiter weiter voranzukommen, hängt stark vom persönlichen Typ ab: „Die größten Sprünge in Sachen Gehalt und Verantwortung lassen sich prinzipiell bei einem Jobwechsel erzielen“, sagt Bernd Kraft.

„Allerdings ist eine solche Veränderung auch immer mit Risiken verbunden. Niemand kann mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, ob er sich in einem neuen Unternehmen genauso gut zurechtfinden wird wie im alten.“ Traditionell scheuen deutsche Arbeitnehmer das sogenannte Job-Hopping. Laut GfK-Studie hat ein Drittel der Befragten lediglich ein bis zwei Mal den Arbeitgeber gewechselt. Über ein Fünftel ist sogar noch beim ersten Arbeitgeber beschäftigt.

Um die Treue der Beschäftigten zu erhalten, gehen die Unternehmen auch stärker auf deren Bedürfnisse ein. Airbus will vor allem für Frauen attraktiver werden. Neben einer Frauenquote im Management von 30 Prozent, die das Unternehmen bis 2015 erreichen will, und einem starken Ausbau der Kita-Plätze sollen auch veränderte Arbeitsabläufe dazu beitragen.

„Wir arbeiten etwa daran, unsere Meetingkultur mit den zeitlichen Anforderungen einer jungen Mutter in Einklang zu bringen“, sagt Personalchef Sauer. „Es ist nicht nötig, bei jeder Besprechung immer persönlich anwesend zu sein.“


Quelle:  Handelsblatt Online
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