Arbeitsmarkt in Deutschland: Jobboom im Süden, Flaute im Ruhrgebiet

Arbeitsmarkt in Deutschland: Jobboom im Süden, Flaute im Ruhrgebiet

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Die Autobauer im Süden Deutschlands schaffen viele Arbeitsplätze.

Wer in Deutschland einen Job sucht, sollte vorher genau auf die Landkarte schauen: Während in Südbayern Firmen händeringend neue Mitarbeiter suchen, sind Jobsucher in anderen Regionen nahezu chancenlos.

Deutschland ist auch nach jahrelangem Job-Aufschwung ein Land der Arbeitsmarkt-Extreme: Regionen mit florierender Wirtschaft und Vollbeschäftigung stehen immer noch schwere Jobkrisen in anderen Teilen des Landes gegenüber.

Beispielsweise in Gelsenkirchen: „Königsblau ist Schalke. König bist Du im Revier“, singen die Gelsenkirchener Fußballfans über ihren Verein. Der Arbeitsmarkt der einstigen Bergarbeiterstadt im Zentrum des Ruhrgebiets ist aber alles andere als königlich: Mit 18.563 Arbeitslosen und einer Quote von 14,7 Prozent trug Gelsenkirchen im Juni dieses Jahres bundesweit die rote Laterne in der deutschen Arbeitsmarktstatistik. Und Besserung ist nicht in Sicht.

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13 Zechen hatte die Stadt einst, ihre schrittweise Schließung bis in die 1980-er Jahre kostete rund 60.000 Arbeitsplätze. Davon hat sich die Stadt bis heute nicht ganz erholt. Die Langzeitarbeitslosigkeit belastet die Kommunalfinanzen. Viele Wohnungen stehen leer. Die Stadt fordert seit langem einen geförderten zweiten Arbeitsmarkt, um die Langzeitarbeitslosen wieder arbeitsfähig zu machen. „Wir brauchen Hilfe aus Berlin und Düsseldorf“, sagt der Stadtsprecher.

Flaute auch in Bremerhaven

Auch in Bremerhaven kann man von einem Job-Boom nur träumen: Arbeit zu finden bleibt dort trotz guter Konjunktur auf lange Sicht ein großes Problem. „Die Arbeitslosigkeit in Bremerhaven ist stark verfestigt“, sagt ein Sprecher der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven. Mehr als 80 Prozent der Arbeitslosen beziehen hier Hartz IV. Die Stadt verzeichnete im Juni mit 14,2 Prozent bundesweit die zweithöchste Arbeitslosenquote.

Deutschland Arbeitslosenzahl steigt im Juli auf 2,661 Millionen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juli um 47.000 auf 2,661 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkte auf 6,0 Prozent.

Die Bundesagentur für Arbeit hat die Arbeitsmarktdaten für Juli präsentiert. Quelle: dpa

Die Wirtschaftsstruktur der Küstenstadt ist hauptsächlich auf die maritime Wirtschaft ausgerichtet. Die Stadt ist daher stark abhängig vom Welthandel sowie dem globalen Wettbewerb in der Schifffahrt. Jobs werden vor allem im Logistikbereich gesucht. Doch wirtschaftlich setzt die Stadt längst auf weitere Standbeine, vor allem den Tourismus und das Kreuzfahrtgeschäft sowie die Offshore- und Windenergie.

Job-Boom ist in Bayern Realität

Fernab solcher Sorgen ist man im bayerischen Eichstätt. Seit vielen Jahren ist er Deutschlands Landkreis mit der niedrigsten Arbeitslosenquote: 1,2 Prozent betrug sie im Juni. „Wir wollen, dass das so bleibt“, sagt Georg Stark vom Landratsamt in Eichstätt. „Unsere Betriebe stellen vernünftig ein.“ Dazu gehörten Osram-Ledvance mit 700 Arbeitsplätzen genauso wie die Firma Kessel mit 400 Arbeitnehmern in Lenting, die Abwassersysteme herstellt. Doch der mit Abstand größte Arbeitgeber liegt gar nicht im Landkreis. Es ist der Autobauer Audi im benachbarten Ingolstadt. „Aus unserem Landkreis arbeiten mehr Menschen bei Audi als aus der Stadt Ingolstadt selbst“, weiß Wirtschaftsreferent Stark. Rund 15.000 der 43.000 Mitarbeiter wohnen im Landkreis Eichstätt.

Heißbegehrte Kenntnisse: Das müssen Jobsuchende in Deutschland drauf haben

  • Platz 25

    Das Karriereportal LinkedIn hat 2015 alle auf der Plattform laufenden Rekrutierungs- und Einstellungsprozesse genauer unter die Lupe genommen und die am meisten nachgefragten Kenntnisse zusammengestellt. Auf Platz 25 der Top-Fähigkeiten, nach denen Arbeitgeber in Deutschland suchen, steht  Business Intelligence.

     

    Quelle: LinkedIn Economic Graphs

  • Platz 24

    Auffällig sind die vielen technischen Fähigkeiten, die in Deutschland aber auch global stark nachgefragt wurden und mit Sicherheit noch länger gesucht sein werden. So folgt auf Platz 24 Kenntnisse im Umgang mit Mac, Linux und Unix Systemen.

  • Platz 23

    Die Fähigkeit, Daten aufzubereiten, landet auf Platz 23.

  • Platz 22

    Platz 22 geht an Shell Scripting. Ein Shellscript ist eine Textdatei für ein Unix basiertes System, in der Befehlsfolgen enthalten sind.

  • Platz 21

    Social Media Marketing ist knapp an den Top 20 vorbeigeschrammt.

  • Platz 20

    Auf Platz 20 landen, wenn man so will, Sprachkenntnisse. Bewerber in Deutschland sollten Perl, Python und Ruby beherrschen.

  • Platz 19

    Gilt auf jeden Fall für Angestellte in Personalabteilungen: Auf Platz 19 landet die Fähigkeit, Personal zu beschaffen.

  • Platz 18

    Auch Java-Entwicklung ist eine gesuchte Fähigkeit bei Bewerbern.



  • Platz 17

    Und noch eine Fähigkeit aus dem Technik-Bereich: Software-Modellierung und Prozess-Design sind ebenfalls stark nachgefragte Kenntnisse.


  • Platz 16

    An 16. Stelle steht User Interface Design.


  • Platz 15

    Deutschland ist eine Automobilnation. Kein Wunder, dass Bewerber Automobil- und Ersatzteile designen und entwickeln können sollen.


  • Platz 14

    Wieder eine Fähigkeit aus der Personalabteilung - und der Buchhaltung: Bewerber sollen sich mit Personal-Vergütungssystemen auskennen.


  • Platz 13

    Zurück zur Software: Auf Platz 13 stehen Web-Architektur und -Entwicklung.

  • Platz 12

    Auch mit Software Revision beziehungsweise Steuerungssystemen sollen sich Bewerber auskennen.


  • Platz 11

    Etwas, was BWLer auf jeden Fall haben sollten, sind Kenntnisse in Gesellschaftsrecht und Unternehmensführung.


  • Platz 10

    Kenntnisse in Logistik im Einzelhandel war die am zehnthäufigsten nachgefragte Fähigkeit.

  • Platz 9

    Data Engineering und Data Warehousing folgen auf Rang neun.

  • Platz 8

    Multi-Channel oder Omni-Channel? Vermarktungswege und -kanäle wollen koordiniert sein. Entsprechend sollten sich Bewerber auf dem deutschen Arbeitsmarkt mit Channel Marketing auskennen.


  • Platz 7

    Database Management und Software landet auf dem siebten Platz.


  • Platz 6

    Die Kunden sind mobil, also müssen es die Produkte auch sein. Entwicklung im Bereich mobile Geräte landet entsprechend auf Platz der wichtigsten Kenntnisse.


  • Platz 5

    An fünfter Stelle stehen Kenntnisse in Software-Qualitätssicherung und Anwendertests.


  • Platz 4

    Was nützen einem all die Daten, wenn sie niemand auswertet beziehungsweise den Datenschatz hebt? Kein Wunder landen Statistische Analyse und Data Mining auf Platz vier der am stärksten nachgefragten Fähigkeiten.


  • Platz 3

    Wer mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung von Google gut gefunden werden möchte, braucht Angestellte, die sich mit SEO/SEM Marketing auskennen. Platz drei für die Suchmaschinenoptimierung.


  • Platz 2

    Kommen wir zu etwas nahezu Bodenständigem: Am zweithäufigsten werden Bewerber gesucht, die in Elektrotechnik firm sind.

  • Platz 1

    Cloud klärt: Am häufigsten werden Menschen gesucht, die sich mit Cloud und Distributed Computing auskennen.

Der ebenfalls an Ingolstadt angrenzende Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm hatte im Juni mit 1213 Arbeitslosen und einer Quote von 1,7 Prozent die deutschlandweit zweitniedrigste Arbeitslosenquote. In beiden Landkreisen herrscht bei dieser Miniquote Vollbeschäftigung. Aus diesem Landkreis fahren rund 5000 Menschen zur Arbeit zum Autobauer aus Ingolstadt.

Entsprechend rangiert bei den männlichen Jugendlichen der Beruf des Kfz-Mechatronikers an erster Stelle. „Wenn Sie bei einer Ausbildungsmesse in der Region auf eine Menschentraube stoßen, wissen Sie, wo der Audi-Stand ist“, heißt es bei der Agentur für Arbeit in Ingolstadt. Oftmals arbeiteten schon die Väter und Großväter von jugendlichen Ausbildungsplatzbewerbern bei dem Autobauer.

Politik und Wirtschaftsförderungen müssen Voraussetzungen schaffen

Dass ein großer Autobauer wie Audi tausendfache Jobchancen bietet, ist auch in den Augen von Professor Uwe Blien für eine Region sicher von Vorteil. Es gehe aber auch ohne einen solchen großen industriellen Arbeitgeber, ist der Leiter des Forschungsbereichs Regionale Arbeitsmärkte beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) überzeugt.

Sechs Tipps für Jobsucher

  • 1. Konkret schlägt Allgemein

    Nicht nach Jobs im "kaufmännischen Bereich" suchen, sondern die exakten Berufsbezeichnungen benutzen, zum Beispiel Industriekaufmann oder Controller.

  • 2. Verschiedene Berufsbezeichnungen testen

    Der Controller kann auch unter Finanzbuchhalter laufen, der Key-Account-Manager heißt mitunter Großkundenbetreuer.

  • 3. Profile anlegen

    Auf den meisten Portalen können Jobsucher kostenlose Profile mit ihrem Lebenslauf anlegen. Das ist zwar mühsam und erfordert regelmäßige Aktualisierungen – doch dadurch landen sie in einem Bewerberpool, auf den die Unternehmen zugreifen.

  • 4. Angebote abonnieren

    Suchkriterien lassen sich speichern, so bekommen Jobsuchende passende Jobangebote auf ihr Smartphone geschickt. Laut Crosspro-Umfrage machen das derzeit allerdings nur 0,6 Prozent aller Bewerber.

  • 5. Donnerstags suchen

    Laut Crosspro-Studie sind kurz vor Ende der Woche die wenigsten Arbeitnehmer in den Jobbörsen unterwegs.

  • 6. Breit streuen

    Neben den spezialisierten Jobbörsen sollten Bewerber auch bei den Branchenführern nachgucken – sowie regelmäßig auf den Seiten der Unternehmen. Denn dort veröffentlichen sie viele Stellen zuerst.

Wichtig ist in seinen Augen, dass Politik und die regionale Wirtschaftsförderung die richtigen Weichen stellen. Wovon er klar abrät, sind „Erhaltungs-Subventionen“ – also öffentliche Gelder, mit denen Branchen am Leben erhalten würden, die eigentlich keine Zukunftschancen haben. „Das ist kontraproduktiv.“ Meist nutzten bedrohte Unternehmen die Gelder, um den Betrieb noch stärker zu rationalisieren.

Blien rät vielmehr zu einer Art Doppelstrategie: Prosperierende Branchen mit Zukunft gezielt unterstützen und auf die Stärken der jeweiligen Region setzen. Das könne beispielsweise die Einrichtung eines bestimmten Studiengangs sein, „um die lokale Ökonomie zu fördern“. Teilen Ostdeutschlands und der Stadt Berlin rät er wiederum, sich auf ihre Nähe zu Polen und den wachstumsstarken osteuropäischen Märkten zu besinnen. Ob Berlin oder die grenznahe Uckermark mit ebenfalls extrem hoher Arbeitslosigkeit - beide böten sich als Brückenköpfe für Investitionen in Osteuropa an. Ostbayern, wo schon jetzt viele in Tschechien vertretene Firmen ihre Zentrale haben, habe das vorgemacht.

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